Tour de Braille macht Station in Soest –
LWL-Bildungszentrum organisiert Schau in der Volksbank Soest
Aus Anlass des 200.Geburtstages des blinden Franzosen Louis Braille, dem Erfinder der genialen Blindenschrift hat der Deutsche Blinden- und Sehbehindertenverband e.V. unter der Schirmherrschaft des Bundespräsidenten Horst Köhler die bundesweite, so genannte Tour de Braille ins Leben gerufen. Viele Vereine, Schulen und Einrichtungen, die sich der Rehabilitation, der Bildung oder der Integration blinder Menschen widmen, beteiligen sich an dieser Aktion, so auch das LWL-Bildungszentrum Soest, das größte Förderzentrum für blinde und sehbehinderte Menschen in NRW. Mit 2 Veranstaltungen werden die von-Vincke-Schule, das LWL-Berufskolleg und das LWL-Berufsbildungswerk bis zur Sommerpause auf die Blindenschrift nach Louis Braille aufmerksam machen.
Begonnen wird mit einer kleinen Ausstellung von Blindenhilfsmitteln gestern und heute aus dem Fundus der von-Vincke-Schule, mit denen die Brailleschrift geschrieben und gelesen wird oder bei denen die Brailleschrift der Kennzeichnung dient. Darunter befinden sich z. B. Blindenschriftschreibmaschinen vom Beginn des 20. Jahrhunderts, über 120 Jahre alte Landkarten für Blinde, ebenso alte Blindenschriftbücher, aber auch Joanne K. Rowlings „Harry Potter und der Gefangene von Askaban“ in Brailleschrift oder ein hochmodernes Notebook mit angeschlossener so genannter Braillezeile, auf der der Blinde die auf dem Bildschirm erscheinende Schrift in Blindenschrift lesen kann.
Zu sehen ist diese kleine Schau bis Ende März im Foyer der Soester Volksbank-Hellweg, Westenhellweg 1, zu den entsprechenden Öffnungszeiten. Für die Besucher wird eine Reihe von Informationen allgemein zur Blindenschrift und zu den Soester LWL-Einrichtungen für Blinde und Sehbehinderte bereit gehalten. Optisch abgerundet wird die Schau durch eine themenbezogene kleine Briefmarkenausstellung mit einer Sammlung „Blindheit im Spiegel der Briefmarke“ von Franz-Karl Lindner, dem Leiter der Soester von-Vincke-Schule.
Geplant sind ferner Lesungen von blinden Schülerinnen und Schülern bzw. Auszubildenden voraussichtlich im Mai in der Thalia-Buchhandlung. Das genaue Datum wird noch rechtzeitig bekannt gegeben.
Diese und die vielen weiteren ähnlichen Veranstaltungen in Deutschland finden zu Ehren von Louis Braille statt, geboren am 4. Januar 1809 in Coupvray bei Paris. Als er drei Jahre alt war, spielte er in seines Vaters Sattlerei mit Werkzeugen und verletzte sich dabei ein Auge schwer. Die Entzündung erfasste auch das andere Auge und führte bald zur Erblindung des Jungen.
Der sehr aufgeweckte und intelligente Louis Braille besuchte zunächst die Dorfschule und erhielt zusätzlichen Unterricht durch den Gemeindepfarrer. Eine ortsansässige adelige Familie unterstützte den begabten Louis und vermittelte ihm ein Stipendium an dem von Valentin Haüy 1784 in Paris gegründeten ersten Blindeninstitut der Welt. Zunächst fiel der 10- jährige Louis durch seine besonderen handwerklichen, musischen und geistigen Fähigkeiten auf. Schon bald wurde er als Hilfslehrer im Blindeninstitut eingestellt.
Doch nebenbei arbeitete er zielstrebig und ausdauernd an der Entwicklung einer brauchbaren Punktschrift für Blinde. Er kam mit einem Schriftsystem in Berührung, an dessen Entwicklung der französische Artilleriehauptmann Charles Barbier seit 1815 arbeitete. Es bestand aus 12 Punkten und sollte für Soldaten die Nachrichtenübermittlung auch im Dunkeln ermöglichen. Louis erkannte, dass man mit dieser Schrift Sinnvolleres tun könnte, dass es dafür aber notwendig wäre, sie zu vereinfachen und zu verbessern. 1825 hatte Louis Braille schließlich das für Blinde geeignete System der sechs erhabenen Punkte gefunden, das 63 Punktkombinationen zulässt. Die Zeichen waren leicht erlernbar, ließen sich rasch und sicher lesen und mit Schreibtafel und Griffel mühelos schreiben. Trotzdem blieb die offizielle Anerkennung seiner Schrift jahrzehntelang aus.
Aber die Freunde Louis Brailles und seine Schüler verwendeten die sechs Punkte weiter und bewiesen ihren praktischen Nutzen durch höhere Leistungen im Unterricht. Dennoch wurde das 6-Punkte-Alphabet von der Pädagogischen Akademie Frankreich erst im Jahre 1850 offiziell anerkannt. Im deutschsprachigen Raum wurde die Braille-Schrift sogar erst 1879 eingeführt. Den weltweiten Siegeszug seiner Schrift erlebte Braille nicht mehr. Er starb an einem Lungenleiden am 6. Januar 1852 in Paris. Seine Gebeine wurden am 21. Juni 1952 im Pariser Panthéon beigesetzt - eine besondere Anerkennung seiner Verdienste.
Weitere Infos finden Sie unter www.Tour-de-braille.de. Franz-Karl Lindner