Soest – Für 46 blinde und sehbehinderte junge Menschen war der 3. August 2009 ein Meilenstein in ihrer Biographie: An diesem Tag haben sie mit ihrer Berufsausbildung im LWL-Berufsbildungswerk Soest begonnen.
Dabei haben sie höchst unterschiedliche Bildungswege bis zu diesem Datum zurück gelegt. Ein Teil von ihnen kennt das Berufsbildungswerk bereits aus der berufsvorbereitenden Bildungsmaßnahme, die sie im September 2008 begonnen hatten. Durch diesen Lehrgang konnten sie sich für eine Berufsausbildung qualifizieren. Weitere Azubis haben vor Antritt ihrer Berufsausbildung einen Bildungsgang des LWL-Berufskollegs, Förderzentrum, Förderschwerpunkt Sehen, in Soest besucht und konnten dadurch die Voraussetzungen für eine Berufsausbildung schaffen. Einige Auszubildende haben bisher keine Förderschule besucht, sondern eine allgemeine Schule, teilweise mit, teilweise ohne sonderpädagogische Begleitung. An der Schwelle zum Beruf bekommt eine Sehschädigung jedoch häufig einen anderen Stellenwert, so dass die Spezialeinrichtung das Mittel der Wahl ist.
Von den 46 Auszubildenden beginnen 20 Azubis mit einer Berufsausbildung im Berufsfeld Wirtschaft und Verwaltung, 13 haben sich für eine Ausbildung im Berufsfeld Ernährung und Hauswirtschaft entschieden, und 12 konnten sich für eine Berufsausbildung im Berufsfeld Metalltechnik qualifizieren. Ein junger Mann beginnt mit der Ausbildung zum Korb- und Flechtwerker.
Die Auszubildenden beginnen mit ihrer Ausbildung in einer schwierigen Zeit, denn bis Juli 2009 war die Zahl der arbeitslosen Menschen gegenüber Juli 2008 um ca. 250.000 gestiegen, und ein weiterer Anstieg der Arbeitslosenzahlen wird für 2010 vorhergesagt. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer dürfen jedoch darauf hoffen, dass sich die Konjunktur und damit der Arbeitsmarkt wieder belebt, bis sie ihre Ausbildung abschließen.
Das LWL-Berufsbildungswerk Soest wird zukünftig bei der beruflichen Qualifizierung noch enger als bisher mit Betrieben des allgemeinen Arbeitsmarktes zusammen arbeiten. Das Stichwort heißt „Verzahnte Ausbildung“. Haben die Auszubildenden während ihrer meist dreijährigen Ausbildung bisher lediglich zwei bis drei Betriebspraktika absolviert, so werden sie zukünftig sog. „betriebliche Ausbildungsphasen“ durchlaufen. Sie werden wesentlich länger in den Betrieben mitarbeiten und lernen und sollen dort mehr Verantwortung übernehmen, als es im Rahmen von Praktika möglich ist. Dabei werden sie von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Berufsbildungswerkes unterstützt.
Das LWL-Berufsbildungswerk Soest ist auf die berufliche Qualifizierung blinder und sehbehinderter junger Menschen spezialisiert. Es bietet Arbeitserprobungen und Eignungsabklärungen, Berufsvorbereitende Bildungsmaßnahmen und Blindentechnische Grundausbildung sowie Berufsausbildungen in vier Berufsfeldern an. Die Berufsausbildung im LWL-Berufsbildungswerk Soest wird durch die Agentur für Arbeit gefördert.
Die neuen Azubis des LWL-Berufsbildungswerkes Soest 2009 mit Ausbildungsleiter Holger Kirschstein (links)