Am 18. 9. 2009 fand die 15. Soester Fachtagung zur beruflichen und sozialen Teilhabe blinder und sehbehinderter Menschen statt. Im Mittelpunkt der Tagung stand die Weiterentwicklung der beruflichen Rehabilitation blinder und sehbehinderter junger Menschen.
Bereits am 1. April 1999 startete das Modellvorhaben „Wohnortnahe berufliche Bildung und Eingliederung Blinder und Sehbehinderter“, kurz „MobiliS“. Das Projekt – finanziert vom damaligen Bundesministerium für Gesundheit und soziale Sicherung - hatte vor allem zum Ziel, das in der stationären Ausbildung erprobte Know-How des LWL-Berufsbildungswerkes Soest in die Betriebe zu bringen und auf diese Weise deutlich mehr betroffenen jungen Menschen als bisher eine wohnortnahe betriebliche Berufausbildung zu ermöglichen.
10 Jahre später gab es mehr als einen Grund zu feiern: Längst – seit 2003 – ist „MobiliS“ ein reguläres Unterstützungsangebot, finanziert von der Agentur für Arbeit. Rund 60 Auszubildende wurden oder werden vom LWL-Berufsbildungswerk Soest während ihrer betrieblichen Berufsausbildung unterstützt und begleitet. Sie erlernen auch Berufe, die bei einer „stationären“ Ausbildung nicht zur Auswahl stehen, insbesondere im Berufsfeld Wirtschaft und Verwaltung. Die weitaus überwiegende Zahl der Auszubildenden legt erfolgreich ihre Prüfung ab. Viele erhalten direkt im Anschluss an ihre Ausbildung einen Arbeitsvertrag, die meisten davon in ihrem Ausbildungsbetrieb.
Aber auch die überbetriebliche Berufsausbildung im Berufsbildungswerk hat sich in den vergangenen Jahren gewandelt. Die Erfahrungen, die mit der betrieblichen Berufsausbildung gesammelt wurden, sind in die Gestaltung der überbetrieblichen Ausbildung eingeflossen. Neben den bekannten und bewährten Betriebspraktika werden in zunehmendem Maße sog. Betriebliche Ausbildungsphasen durchgeführt.
Die Notwendigkeit der konsequenten Ausrichtung aller Maßnahmen zur beruflichen Rehabilitation wurde von allen Rednerinnen und Rednern unterstrichen. So forderte Richard Fischels vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales die Anwesenden auf, diesen Weg konsequent weiter zu gehen. Heinz-Dieter Schilson von der Regionaldirektion für Arbeit hob hervor, dass im demografischen Wandel eine große Chance für schwerbehinderte Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer liege, sofern es ihnen gelinge, sich entsprechend zu qualifizieren.
Die Bundesarbeitsgemeinschaft der Berufsbildungswerke, BAG-BBW, hat den Ansatz der Verzahnung der überbetrieblichen mit der betrieblichen Ausbildung behinderter junger Menschen im Projekt „Verzahnte Ausbildung mit Berufsbildungswerken (VAmB)“ systematisiert und Standards gesetzt. Dieser Standard soll zukünftig auch für die Auszubildenden des Berufsbildungswerkes Soest verbindlich sein.
Entscheidend für die persönliche und die fachliche Entwicklung eines jungen Menschen ist jedoch, dass eine betriebliche Ausbildungsphase erfolgreich verläuft. Um das sicher zu stellen, bedürfen blinde und sehbehinderte junge Menschen spezifischer Vorbereitung auf und Unterstützung während eines betrieblichen Einsatzes. Daher wurde im Rahmen der Tagung u. a. die Weiterbildung von Ausbilderinnen und Ausbildern zu Job-Coaches diskutiert.
10 Jahre Beratung und Unterstützung betrieblicher Berufsausbildung durch das LWL-Berufsbildungswerk Soest boten Anlass, sich an die Anfänge zu erinnern, sich am Erreichten zu freuen und gleichzeitig nach vorn zu schauen.