Nächstes "Blind Date": 08.04.2011
Die Treffen blinder und sehbehinderter Auszubildender, die eine betriebliche Ausbildung absolvieren und dabei durch das LWL-Berufsbildungswerk Soest unterstützt werden, haben nun schon Tradition. MobiliS – das Projekt, das diese Unterstützung überhaupt erst möglich machte - feierte unlängst Jubiläum: 1999, vor 10 Jahren also, wurden die ersten Weichen gestellt, um die Unterstützung blinder und sehbehinderter junger Menschen und ihrer Ausbildungsbetriebe zu ermöglichen. Bereits damals wurde die Idee geboren, diesen Auszubildenden kontinuierlich zu ermöglichen, sich über ihre Situation auszutauschen: Wie erlebe ich es, mich als blinder oder sehbehinderter Mensch in einem nicht-behinderten beruflichen Umfeld zu bewegen? Wie erkläre ich den Menschen dort meine Behinderung? Wie komme ich mit meinen Hilfsmitteln zurecht? Was klappt gut? Wo könnte es noch besser werden? Wo brauche ich Unterstützung? Was zum ersten Mal im Herbst 2000 zunächst als „Azubi-Treff“ angeboten wurde, erhielt von den Teilnehmern selbst bald den viel passenderen (und sehr selbstbewussten!) Namen „Blind Date“. Seither werden alle von MobiliS begleiteten Auszubildenden zweimal im Jahr nach Soest eingeladen.
Bis heute erfahren die Blind Dates eine gute Resonanz bei den MobiliS-Teilnehmern, die aus ganz Nordhrein-Westfalen, manchmal auch aus angrenzenden Bundesländern anreisen. Obwohl viele zunächst skeptisch sind („Ganz bis nach Soest? Und was passiert dann da?“), kommen die allermeisten Teilnehmer nach dem ersten Mal begeistert wieder. „Kollegiale Beratung“ nennt sich die Methode, anhand derer sie über konkrete Probleme in der Ausbildung gemeinsam mit den anderen nachdenken und jeweils passende Lösungsansätze entwickeln können. Grundgedanke ist, Wahrnehmung, Wissen und Erfahrung aller Gruppenmitglieder für die eigene berufliche und persönliche Weiterentwicklung zu nutzen, also miteinander und voneinander zu lernen. Schließlich sitzen sie, was Berufsausbildung und Behinderung anbelangt, alle in einem Boot, teilen viele Erfahrungen, erleben vergleichbare Schwierigkeiten oder stehen vor ähnlichen beruflichen Herausforderungen. Viele Auszubildende genießen zudem, dass sie hier nicht besonders sind, sich nicht erklären müssen mit ihrer Seheinschränkung. „Nicht sehen zu können in irgendeiner Form, das ist hier in Soest eben normal“, hat es eine Auszubildende auf den Punkt gebracht. Organisiert werden die Treffen von den Mitarbeiterinnen des LWL-Berufsbildungswerks, Annette Fecke und Adelheid Oeser. Für alle berufsschulischen Themen ist Kirsten Bierwirth - Beratungslehrerin des LWL-Berufskollegs - die Ansprechpartnerin. Auch sie ist regelmäßig dabei. Die drei sehen sich weniger als Leiterinnen, sondern eher als Moderatorinnen der Blind Dates und bezeichnen diese als einen ganz wesentlichen Baustein der MobiliS-Unterstützung. Immer wieder aufs Neue sind sie begeistert von „ihren“ Auszubildenden und der ebenso entspannten wie intensiven Arbeitsatmosphäre: Es wird ernsthaft gearbeitet, lebhaft diskutiert und viel gelacht. Jenseits der Treffen ist mittlerweile etwas entstanden, das man wohl als soziales Netzwerk und moderne Form der Selbsthilfegruppe zugleich bezeichnen kann: In Internetforen wird miteinander gechattet und gemailt, es gibt Verabredungen und gemeinsame Aktivitäten. Und natürlich gibt es längst auch Freundschaften untereinander.
Der pädagogische Leiter des LWL-Berufsbildungswerks, Erwin Denninghaus, begrüßt die Teilnehmer des Blind Date vom 30. Oktober 2009 in Soest.
13 war in diesem Fall eine Glückszahl: Genau so viele MobiliS-Auszubildende waren am 30. Oktober 2009 nach Soest angereist. Hier ein Gruppenfoto mit den Mitarbeiterinnen des LWL-Berufsbildungswerks, Annette Fecke und Adelheid Oeser, sowie Kirsten Bierwirth, Lehrerin am LWL-Berufskolleg Soest.