Dreimal 100 Punkte und einmal 99 Punkte im praktischen Teil der Abschlussprüfung. Das ist die Bilanz der Abschlussprüfungen im Metallbereich des LWL-Berufsbildungswerkes Soest im Januar 2012.
„Einen handwerklichen Beruf können Sie nicht erlernen wegen Ihrer Sehbehinderung.“ Das wurde Kai Weicker mitgeteilt, als er sich nach der Schule um eine Ausbildungsstelle bemühte. „Aber ich habe immer gemacht, was ich wollte,“ stellt er nun schmunzelnd fest. Und das zu recht: Zusammen mit seinen Kollegen Dennis Harms, Artur Gekkel und Alexander Brandt schloss er nun seine Ausbildung zum Konstruktionsmechaniker Fachrichtung Ausrüstungstechnik ab. Und zwar nicht irgendwie, sondern mit der Note 1 im praktischen Teil.
Und da war er – wieder mal – nicht alleine: Auch die anderen drei haben ihre Berufsaus-bildung zum Konstruktions- bzw. Zerspanungsmechaniker mit der Bestnote im praktischen Teil abgeschlossen. Darüber sind sie richtig stolz, denn ihre Startbedingungen waren eher bescheiden:
Alexander Brandt hat ähnliche Erfahrungen gemacht, bevor er seine Ausbildung zum Zerspanungsmechaniker im LWL-Berufsbildungswerk Soest begonnen hat. „Eigentlich wollte ich in der Firma meine Ausbildung machen, in der mein Vater gearbeitet hat. Aber die haben mich wegen meiner Sehbehinderung nicht mal Probe arbeiten lassen.“
„Als ich im Jahr 2005 mit 17 Jahren nach Deutschland kam, konnte ich kein einziges Wort Deutsch“ berichtet Artur Gekkel. „Das war ganz schön hart. In einem Alter, wo andere viele Freunde haben und Party machen, kannte ich erst mal niemanden.“ Das bestätigt Dennis Harms: „Er konnte wirklich nur „Yes“ sagen, als er nach Soest kam.“ Innerhalb von zwei Jahren hat Artur dann im Berufsgrundschuljahr am LWL-Berufskolleg so gut Deutsch gelernt, dass er anschließend seine Ausbildung zum Konstruktionsmechaniker im benachbarten LWL-Berufsbildungswerk beginnen konnte. „Meine Klassenarbeiten waren immer gut, obwohl ich kaum Deutsch sprechen konnte,“ berichtet er. „Und wissen Sie, wie ich das gemacht habe? – Ich habe immer alles auswendig gelernt.“
Artur hat Dennis im Berufskolleg kennen gelernt. Der hatte die Schule abgebrochen, nachdem er zum zweiten Mal die 9. Klasse nicht geschafft hatte. „Ich habe dann versucht, über die Handelsschule einen kaufmännischen Beruf zu erlernen. Aber das ist auch völlig danebengegangen.“ Über ein Praktikum im Berufsbildungswerk ist er dann auf den Geschmack gekommen und hat den Beruf des Zerspanungsmechanikers, Fachrichtung Drehtechnik, für sich entdeckt. Diese Ausbildung hat er nun mit 100 Punkten in der Praxis und einer glatten 2 als Gesamtnote gekrönt.
Allen gemeinsam ist, dass sie schlecht sehen können und dass sie trotzdem ihre Berufsausbildung – gefördert durch die Agentur für Arbeit – im LWL-Berufsbildungswerk Soest erfolgreich abschließen konnten. Und alle vier betonen das Engagement ihrer Lehrer und Ausbilder: „Sie glauben gar nicht, wie oft sich unser Ausbilder mit uns hingesetzt hat und Probleme besprochen hat.“ „Und unser Lehrer hat sich manchmal einen ganzen Vormittag mit uns hingesetzt und gelernt, und das konnten wir dann ein halbes Jahr später immer noch aus dem FF.“
Und es hat sich gelohnt: Dennis und Alexander haben bereits eine Stellenzusage, nicht bei einer Leiharbeitsfirma, sondern direkt in einem Betrieb. Kai und Artur sind ebenfalls optimistisch, ihr Können bald zu Geld machen zu können. „Ich wollte erst meinen Gesellenbrief in der Hand halten, bevor ich mich bewerbe,“ erklärt Kai seine Strategie. Nun geht es erst mal wieder nach Hause.
Ausbilder und BBW-Leitung sind nicht minder stolz auf ihre Absolventen. „Vier Einsen auf einmal haben wir auch nicht alle Tage. Das letzte Mal war das im Jahr 2008.“ Stellt der Leiter des Berufsbildungswerkes, Willi Wienecke, fest. „So unterschiedlich auch Ihre Bildungswege sind, so deutlich wird doch an Ihrem Beispiel, dass sich die Investition in eine gute Ausbildung lohnt.“