Vom 29.08. – 04.09.2011 fuhren sieben sehbehinderte Auszubildende des LWL Berufsbildungswerkes Soest gemeinsam mit ihrem Ausbilder in die Polnische Partnerstadt von Soest, Strzelce Opolskie. Ihre Aufgabe war es, an der Vorbereitung der Ausstellung „Stell Dir vor, Du wärst blind“ mitzuwirken. Helmut Albers, Leiter der Soester Volkshochschule, hatte die Initiative ergriffen. Dabei baute er auf Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit dem LWL-Berufsbildungswerk Soest bei der Durchführung ähnlicher Projekte in Soest und Solingen.
Viel Arbeit erwartete die sieben Auszubildenden in dieser Woche. Alltagsgegenstände, z. B. Küchengeräte wie Schüssel, Löffel oder Tasse aber auch Radio, Telefon und Staubsauger mussten aufgebaut, geklebt, geschraubt und gebohrt werden. Neben den Alltagsgegenständen wurden auch Kunstobjekte, z. B. lebensgroße Skulpturen aus Holz installiert. Selbst der Boden der Ausstellungsfläche wurde von ihnen präpariert. Einen Teil füllten sie mit Rindenmulch auf, einen Teil mit Kies und wieder einen anderen Teil mit Sand.
Der Clou der Ausstellung: Sie findet in völliger Dunkelheit statt und bietet so dem normal sehenden Publikum die Möglichkeit, sich in die Welt blinder Menschen hinein zu versetzen. Teil der Erlebniswelt im Dunkeln ist eine Bar, in der die Besucher eine Erfrischung zu sich nehmen können. Die Besucher werden von polnischen blinden und sehbehinderten Mitarbeitern bedient. – Es ist für viele Besucher eine beeindruckende Erfahrung, sich z. B. ein Erfrischungsgetränk in ein Glas in völliger Dunkelheit einzuschenken oder zu bezahlen, ohne sein Geld sehen zu können.
Am Freitag, den 2. September, wurde die Ausstellung unter Beteiligung politischer Prominenz aus beiden Ländern eröffnet. Herr Josef Neumann, MdL aus Solingen, war zu diesem Anlass angereist. Er hat polnische Wurzeln und war Mitveranstalter der Ausstellung der Erlebniswelt im Dunkeln in Solingen. Vertreter der Stadtverwaltung und des Kreises Strzelce-Opolskie nahmen ebenfalls regen Anteil. Sie zeigten sich sehr beeindruckt von der Ausstellung.
Zur „Belohnung“ unternahmen die Azubis mit ihren Begleitern am letzten Tag ihres Aufenthaltes einen Ausflug nach Breslau. Diese wunderschöne Stadt mit ihren vielen historischen Bauwerken zog sie in ihren Bann. Am Abend tauchte die Gruppe in das Nachtleben dieser jungen Studentenstadt ein.
Die Rückreise erfolgte am 3. September in aller Frühe. Den Teilnehmern dieser Reise wurde bewusst, dass sie nicht nur einen Beitrag zur Inklusion behinderter Menschen in die Gesellschaft geleistet hatten, sondern auch für die Völkerverständigung in Europa.
Die Idee des „Dialog im Dunkeln“ geht auf den Soester Professor Hugo Kükelhaus zurück. Er entwickelte in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts eine Vielzahl von Alltagsgegenständen und Kunstwerken, die Menschen neue, sinnliche Erfahrungen ermöglichen. Vom „Greifling“ für Säuglinge über den „Summstein und die Partnerschaukel, die auf dem Spielplatz des LWL-Bildungszentrums Soest ausprobiert werden können, bis zu ganzen Erlebniswelten wie dieser Ausstellung im Dunkeln reicht die Palette seiner Werke.