Blind gemeistert –
Telekom-Auszubildender erzielt in Dortmund
eines der besten Prüfungsergebnisse des Landes
Andreas Vollmer (23) ist seit seiner Geburt blind. Für ihn absolut kein Hindernis, zuerst sein Abitur an einem ganz „normalen“ Gymnasium abzulegen und anschließend bei der Telekom AG in Dortmund eine Ausbildung zum Bürokaufmann zu absolvieren. Letzteres schaffte er nicht nur in rekordverdächtiger Zeit von zweieinhalb statt der üblichen drei Jahre. Er bestand seine Prüfung auch mit der Traumnote 1 auf dem Abschlusszeugnis.
2005 hatte der aus dem westfälischen Möhnesee bei Soest stammende junge Mann sich bei der Telekom AG in Dortmund um einen Ausbildungsplatz als Kaufmann für Bürokommunikation beworben. Für die Telekom in Dortmund war er der erste Auszubildende mit diesem Handikap. Vor der Entscheidung gab es viele Fragezeichen: Worauf müssen wir achten? Was geht? Welche Grenzen gibt es? Doch weil Andreas Vollmer gute intellektuelle Voraussetzungen mitbrachte und er obendrein mit seinem sympathischen und zielstrebigen Auftreten punkten konnte, bekam er schließlich eine Zusage für einen der begehrten Ausbildungsplätze im kaufmännischen Bereich.
Unterstützung für ihn und sein ausbildendes Unternehmen gab es von der Agentur für Arbeit. Sie übernahm die Kosten für die Einrichtung eines blindengerechten Arbeitsplatzes. Außerdem beauftragte sie das LWL-Berufsbildungswerk Soest – Förderzentrum für blinde und sehbehinderte Menschen – über das ambulante Angebot MobiliS mit der Ausbildungsbegleitung. MobiliS stand in allen behinderungsspezifischen Fragen mit Rat und Tat zur Seite und zwar für die gesamte Dauer der Ausbildung. Vom Mobilitätstraining über die Organisation der richtigen technischen Hilfen bis hin zur Beratung der Ausbilderinnen und Ausbilder stellte das LWL-Berufsbildungswerk Soest durch MobiliS alle erforderlichen Hilfen bereit, damit Andreas Volmer die betriebliche Ausbildung möglichst reibungslos durchlaufen konnte.
Der Einsatz hat sich gelohnt: Andreas Vollmer schnitt nicht nur als einer der besten im Kammerbezirk Dortmund ab, er wurde auch direkt nach der Prüfung von der Telekom in ein festes Arbeitsverhältnis übernommen. Damit ist sein größter Wunsch in Erfüllung gegangen: „Nach der Ausbildung will ich erst einmal Geld verdienen!“ Längst hat er eine eigene Wohnung in Dortmund bezogen und fühlt sich dort auch rundum zufrieden.
Wie seine Mitauszubildenden bei der Telekom durchlief der blinde junge Mann alle wichtigen Abteilungen, lernte Buchführung und Rechnungswesen. Auch die telefonische Beratung der Kunden übernahm er: Eine nicht immer ganz einfache Sache, für die man gute Fachkenntnisse und manchmal auch richtig gute Nerven brauche, berichtet Andreas Vollmer. Seine Behinderung erwähnt er in diesem Zusammenhang noch nicht einmal.
Obwohl es dann doch eine Besonderheit für ihn gab: Seine Berufsschule war das LWL-Berufskolleg Soest, Förderschule mit dem Förderschwerpunkt Sehen. Hier kann der Berufsschulstoff unter behinderungsgerechten Bedingungen erarbeitet werden. Das erlaubt den Schülern die größtmögliche Konzentration auf die vermittelten Inhalte – ein Vorteil, den der realistisch denkende Andreas Vollmer für sich zu nutzen wusste.
Seine nicht gerade alltägliche Leistung wurde von IHK-Vizepräsident Gerhard Rüschenbrink bei seiner Ansprache während der Bestenehrung in Dortmund eigens gewürdigt: „Zu Ihrer ganz besonderen Leistung, lieber Herr Vollmer, möchte ich Ihnen an dieser Stelle schon sehr herzlich gratulieren. Ich denke, Ihr Beispiel macht vielen Mut.“
Andreas Vollmer selbst reagiert entsprechend seiner Art eher ruhig und sachlich auf seinen Erfolg und die sich daraus ergebende Publicity, lächelt darauf angesprochen nur leise. Ihm ist es wichtig, einen Platz im Berufsleben gefunden zu haben und finanziell unabhängig zu sein: „Das ist das Beste, was mir passieren konnte“, erklärt er schlicht. Von Abheben keine Spur, als echter Westfale bleibt Andreas Vollmer, wie man so schön sagt, auf dem Teppich.
Autorin:
Adelheid Oeser
LWL-Berufsbildungswerk Soest
Tel.: 02921 684-255
eMail: Adelheid.Oeser@lwl.org