Eine blinde Bürokauffrau? Ja, geht denn das bei all dem Papierkram, der anfällt? Es geht - und sogar sehr gut, wie Sabrina Führer Tag für Tag in der Verwaltung der Uni Witten/Herdecke beweist. Die 25-Jährige hat nach ihrer Ausbildung einen Anschlussvertrag erhalten.
„Leer, leer, leer, Rechnungssumme, 148 Euro 20, Formel ..." Wenn Sabrina Führer an ihrem Schreibtisch in der IT-Abteilung der Uni-Verwaltung mit dem Computerprogramm Excel arbeitet, sagt ihr eine Stimme über Kopfhörer, was sie gerade am Bildschirm sehen könnte. Die Stockumerin ist seit der Geburt blind, kann nur erkennen, ob es dunkel oder hell ist.
Das hindert sie aber nicht, auch mit komplizierten Computerprogrammen wie Excel zu arbeiten. Früher hat Sabrina Führer mit Hilfe eines sprechenden Taschenrechners die kaufmännischen Rechnungen gemacht. Noch in der Handelsschule, so sagt sie über ihre Excel-Kenntnisse, „bin ich da nicht durchgestiegen. Aber ich hab' mich drangesetzt - und irgendwann hat's geklappt."
Überhaupt klappt es prima: In der Ausbildung hat die junge Frau in sämtlichen Bereichen der Uni-Verwaltung gelernt. Und dabei hat sie ihre Kollegen und Vorgesetzten, die anfangs skeptisch waren, ob eine Blinde den Anforderungen denn gerecht werden kann, von sich überzeugt. „Wie, Du kannst Kaffee kochen?" - selbst solche erstaunten Sätze hörte Sabrina Führer anfangs immer wieder. „Die Leute brauchen immer Zeit, mich kennen zu lernen. Das nehme ich ihnen nicht krumm", sagt die 25-Jährige.
Mit der Zeit merkten die anderen Bürokaufleute, dass ihre blinde Kollegin zwar nicht alles, aber doch eine große Palette der anfallenden Büroarbeiten selbstständig und zur großen Zufriedenheit erledigen kann. Sabrina Führer hat ihre kaufmännische Prüfung - zusammen mit den sehenden Azubis - vor der IHK abgelegt. Mit einer Zwei.
Von 2002 bis 2005 hat Sabrina Führer ihre Ausbildung zur Bürokauffrau in der Verwaltung der Universität Witten/Herdecke absolviert. Dabei wurde sie vom Berufsbildungswerk Soest über das Programm „MobiliS“ unterstützt. Und das hat offenbar geklappt, denn: Seit Juli 2005 ist die 25-Jährige als Kauffrau weiterbeschäftigt. Ihr Hauptaufgabenfeld liegt im Telefonservice für die Haustechnik samt Computer. Aber Sabrina Führer arbeitet flexibel und ist auch in anderen Bereichen tätig. „Das kriegt sie hervorragend hin", lobt der Leiter der universitären IT-Abteilung, Thomas Bieker.
Die Anstellung von Sabrina Führer hat die Arbeitsagentur ein Jahr lang mit einem 50-prozentigen Zuschuss zum Bruttolohn gefördert. Einmalig steuerte der Landschaftsverband Westfalen-Lippe 4000 Euro als Eingliederungshilfe bei. Hinzu kommen Hilfen zur Einrichtung eines mobilen Arbeitsplatzes mit Laptop, Sprachsoftware, Braille-Display und sonstigen Dingen, mit denen Sabrina Führer unter Beweis stellen kann, dass sie mehr drauf hat als bloß Hilfsarbeiten zu erledigen.
Zielsicher läuft Sabrina Führer heute mit ihrer Labradorhündin Luna durch das Uni-Gebäude. Die Treppen zu ihrem Büro hüpft die blinde junge Frau herunter. Sie ist angekommen. Im Berufsleben.