Professorin Anne Schulze-Beenken wünscht, dass sein Beispiel Schule macht
Soest • Es ist prima gelaufen. Thomas Friebe hat eine ausgezeichnete Diplom-Arbeit geschrieben. Nun wünscht Prof. Anne Schulz-Beenken, dass sein gutes Beispiel Schule macht: Der 30 Jahre junge Ingenieur ist der erste, der sein Maschinenbau-Studium an der Soester Uni trotz seiner starken Sehbehinderung meisterte und es am 11. November 2008 mit seinem Kolloquium abschloss.
Freudestrahlend hat Thomas Friebe sein Zeugnis entgegen genommen, und er hat auch schon einen Job in Aussicht. Er ist dankbar für die große Unterstützung: Die Lehrenden halfen, wo sie konnten, schildert er, auch Kommilitonen standen ihm zur Seite. Anne Schulz-Beenken möchte weiteren Menschen mit Handicaps Mut machen, den Schritt zu wagen: “Thomas Friebe hat es souverän geschafft, alle Hürden zu nehmen. Das ist nicht nur auf dem Papier möglich.“
Wegen seiner geringen Sehschärfe und seiner gravierenden Kurzsichtigkeit ist Thomas Friebe darauf angewiesen, ganz nah an den Bildschirm zu rücken, die Oberfläche passend mit starken Kontrasten einzustellen, Schriften um etliche Grade zu vergrößern. Dank moderner Techniken sei es auch ohne größeren Aufwand möglich, die meisten Barrieren auszuschalten, hebt Anne Schulz-Beenken hervor.
Thomas Friebe stieg nach seiner erfolgreichen Ausbildung zum Konstruktionsmechaniker im LWL-Berufsbildungswerk Soest erst einmal in den Beruf ein. Nun kam er offenbar hervorragend in den Hörsälen und Laboren am Lübecker Ring zurecht. Dabei hatte er anfangs Bedenken, ob er den Vorlesungen überhaupt folgen kann, ob er die Darstellungen an Wand oder Tafel erkennt. Gern ließ er sich in den folgenden Semestern auf dem Soester Campus eines Besseren belehren.
Thomas Friebe, der in Welver bei Soest lebt, leidet von Geburt an einer Sehbehinderung. Wie sehr er beeinträchtigt ist, sieht ihm niemand auf den ersten Blick an. Doch er wird beispielsweise nie selber hinter dem Steuer eines Wagens sitzen. „Ich darf keinen Führerschein machen.“ In seiner Diplomarbeit beschäftigte sich Friebe mit der „Unrundheit von Ringen“ im Fertigungsprozess. Jörg Janke vom Unternehmen Rote Erde in Lippstadt begleitete ihn. Auch er bestätigte gestern, wie gut sich der Diplomand in den Arbeitsalltag eingefunden hat.
Als Thomas Friebe gespannt auf seine Noten wartete, da leisteten ihm seine Freunde Martin Brockmann, Katrin Reuber und Harald Butterweck – ebenfalls Soester Studenten – gern Gesellschaft. Sie alle haben ihm kräftig die Daumen gedrückt.
Abdruck mit freundlicher Genehmigung des Soester Anzeigers.
Professorin Anne Schulze-Beenken und Jörg Janke gratulieren Thomas Friebe (mitte) zur tollen Leistung. Auch Friebes Freunde (im Hintergrund) freuten sich über den Erfolg.<br />Bild: Peter Dahm