Blinden und sehbehinderten jungen Menschen stehen im LWL-Berufsbildungswerk Soest viele unterschiedliche Wege offen, um sich für den Beruf fit zu machen. Sie finden in dieser Einrichtung des Landschaftsverbandes Westfalen–Lippe (LWL) je nach Interessen und Fähigkeiten das notwendige Know How für ihre Berufsausbildung. Jeder Weg wird auf die individuellen Bedürfnisse der einzelnen Jugendlichen abgestimmt.
Dabei hilft das BBW Soest, die oft hohe Hürde zwischen Schule, Berufsausbildung und Arbeitsmarkt zu überwinden. Das ist für blinde und sehbehinderte junge Menschen besonders wichtig, denn mit einer soliden beruflichen Qualifikation haben sie auch in Zeiten hoher Arbeitslosigkeit gute Chancen, einen Arbeitsplatz zu bekommen.
Ganz wichtig ist der erste Schritt: Die Berufswahl. Im LWL-Berufsbildungswerk Soest haben blinde und sehbehinderte junge Menschen die Möglichkeit, in verschiedene Berufsfelder hineinzuschnuppern, um sich mit den Anforderungen und Aufgaben vertraut zu machen. Noch während ihrer Schulzeit können sie in der Arbeitserprobung oder Eignungsabklärung probieren, ob ihnen der Wunschberuf tatsächlich liegt. In einer berufsvorbereitenden Bildungsmaßnahme oder in der Blindentechnischen Grundausbildung können sie ihre Startbedingungen verbessern.
In der Berufsausbildung macht das LWL-Berufsbildungswerk die Teilnehmerinnen und Teilnehmer fit für den allgemeinen Arbeitsmarkt. Die Hilfe reicht noch weiter: Das LWL-Berufsbildungswerk unterstützt seine Absolventinnen und Absolventen auch dabei, eine Beschäftigung zu finden, und dies mit Erfolg: Regelmäßige Befragungen zeigen, dass der weitaus überwiegende Teil von ihnen seinen Platz in Beruf und Gesellschaft findet. Der große Erfolg ist nur möglich, weil die Jugendlichen auf dem Arbeitsmarkt konkurrenzfähig sind. Im LWL-Berufsbildungswerk lernen sie genau das, was sie im Berufsalltag brauchen. So vorbereitet, können sie die Arbeitgeber davon überzeugen, dass sie leistungsfähig und belastbar sind. Zu dieser Vorbereitung gehören neben den Fachkenntnissen für den jeweiligen Beruf auch die Schlüsselqualifikationen. Dazu zählen technische und wirtschaftliche Grundkenntnisse, selbstständiges Lernen, Eigeninitiative, Leistungsbereitschaft, Kontaktfähigkeit, Teamgeist, Zuverlässigkeit und die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen.
Für blinde und sehbehinderte junge Menschen ist die Berufswahl besonders schwer.
Weil sie nicht oder nur eingeschränkt sehen können, stehen ihnen deutlich weniger Berufe offen als anderen. Der Berufswahlunterricht und die Schülerbetriebspraktika noch in der Schule geben erste Hinweise. Hilfen bieten auch die Reha-Berater und -Beraterinnen in den Agenturen für Arbeit. Bei Bedarf stellen sie den Kontakt zum LWL-Berufsbildungswerk in Soest her.
Das LWL-Berufsbildungswerk Soest öffnet blinden und sehbehinderten jungen Menschen in 15 anerkannten Ausbildungsberufen den Weg in das Berufsleben. Einige sind herkömmliche Ausbildungsberufe, die auch in Betrieben des allgemeinen Arbeitsmarktes angeboten werden (§ 4 Berufsbildungsgesetz). Die übrigen Ausbildungsgänge sind speziell auf die besonderen Fähigkeiten und Bedürfnisse blinder und sehbehinderter junger Menschen zugeschnitten. Diese Ausbildungsberufe sind nach § 66 des Berufsbildungsgesetzes bzw. § 42 m der Handwerksordnung geregelt.
Alle Berufsausbildungen schließen mit Prüfungen vor der Industrie- und Handelskammer, der Handwerkskammer oder der Landwirtschaftskammer ab. Im LWL-Berufsbildungswerk Soest finden alle Berufsausbildungen im dualen System statt, also wie in Betrieben des allgemeinen Arbeitsmarktes auch. Dabei lernen alle Jugendlichen die Fachpraxis in der Abteilung „berufliche Qualifizierung und Integration“ des Berufsbildungswerkes, den theoretischen Teil im Berufsschulunterricht des LWL-Berufskollegs gleich nebenan. So fallen keine zusätzlichen langen Wege an. Praxis und Theorie sind aufeinander abgestimmt, das macht das Lernen leichter.
Wie die Auszubildenden in Betrieben, schließen auch die blinden und sehbehinderten Teilnehmer und Teilnehmerinnen einen Ausbildungsvertrag ab. Dieser Vertrag mit dem LWL-Berufsbildungswerk Soest wird je nach Beruf bei der Industrie– und Handelskammer zu Arnsberg, bei der Handwerkskammer Dortmund oder bei der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen in Münster eingetragen.
Während ihrer Ausbildung stehen den Azubis erfahrene Ausbilderinnen und Ausbilder zur Seite, die für die hohen Anforderungen bei der Ausbildung blinder und sehbehinderter Menschen besonders geschult und fortgebildet werden. Das LWL-Berufsbildungswerk Soest bietet den Auszubildenden großzügige und zweckmäßige Gebäude mit Maschinen und Geräten, die dem neusten Stand der Technik entsprechen. Außerdem stehen den Teilnehmerinnen und Teilnehmern zahlreiche spezielle Hilfsmittel für Blinde und Sehbehinderte zur Verfügung.
Wichtiger Bestandteil der Berufsausbildung sind mindestens zwei mehrwöchige Praktika oder betriebliche Ausbildungsphasen in Betrieben oder Behörden. Dabei werden die Teilnehmerinnen und Teilnehmer eng von Experten aus Soest begleitet. Das erste Praktikum absolvieren die Auszubildenden in der Regel im Raum Soest, weitere Praktika an ihrem Heimatort bzw. in der Region, in der sie künftig leben und arbeiten wollen. Über die Praktika ergeben sich oft langfristige Arbeitsverhältnisse.
Während der Ausbildung können die Teilnehmerinnen und Teilnehmer innerhalb der Berufsfelder den Ausbildungsberuf wechseln, ohne dass deshalb die Ausbildung länger dauern muss. Das große Angebot an Ausbildungsberufen, die unterschiedlich hohe Anforderungen stellen, macht dies möglich. Auch ein Wechsel des Lernortes ist möglich. Je nach fachlicher Entwicklung und persönlichen Interessen kann zwischen der überbetrieblichen Berufsausbilung im LWL-Berufsbildungswerk und einer betrieblichen Ausbildung mit Unterstützung durch das LWL-Berufsbildungswerk gewechselt werden. Voraussetzung ist: Die Leistungen müssen stimmen und die zuständige Kammer sowie der Kostenträger müssen zustimmen.
Im Berufsfeld Metalltechnik bietet das LWL-Berufsbildungswerk Soest sehbehinderten jungen Menschen sechs verschiedene Ausbildungsberufe aus dem Bereich der Metallverarbeitung. Dabei können sie in zwei Fachrichtungen verschiedene Ausbildungsabschlüsse und berufliche Qualifikationen erwerben - je nachdem, was sie leisten können und welche Qualifikationen sie mitbringen.
Das Besondere an diesem Angebot: In jeder Fachrichtung sind die Berufsausbildungen „laufbahnähnlich“ aufeinander aufgebaut und deshalb durchlässig. Wer beispielsweise mit einer Berufsausbildung zum Metallwerker beginnt, kann in die Berufsausbildung zum Metallbearbeiter oder sogar zum Konstruktionsmechaniker wechseln - vorausgesetzt er zeigt gute Leistungen. Natürlich müssen die Industrie- und Handelskammer und der Kostenträger zustimmen.
Im Berufsfeld Wirtschaft und Verwaltung bietet das LWL-Berufsbildungswerk Soest blinden und sehbehinderten jungen Menschen fünf Ausbildungsberufe an. Je nachdem, was sie leisten können und welche Qualifikationen sie mitbringen, können die Auszubildenden im BBW Soest verschiedene Ausbildungsabschlüsse oder berufliche Qualifikationen erwerben.
Natürlich arbeiten die Auszubildenden an Computerarbeitsplätzen, die genau auf ihre jeweiligen Bedürfnisse und Fähigkeiten abgestimmt sind.
Diese Technologie steht ihnen auch bei den Betriebspraktika und während der betrieblichen Ausbildungsphasen zur Verfügung.
Auch im kaufmännischen Bereich besteht die Möglichkeit, bei guter Leistungsentwicklung in eine betriebliche Berufsausbildung zu wechseln, ohne dass dadurch die Ausbildung länger dauern muss.
Im Berufsfeld Ernährung und Hauswirtschaft bietet das LWL-Berufsbildungswerk Soest sehbehinderten jungen Menschen drei Ausbildungsberufe an. Je nachdem, was sie leisten können und welche Qualifikationen sie mitbringen, können die Auszubildenden in diesem Berufsfeld im BBW Soest verschiedene Ausbildungsabschlüsse oder berufliche Qualifikationen erwerben.
Die praktische Ausbildung findet nicht nur in der Lehrküche des BBW statt: Die Jugendlichen arbeiten auch in der Wirtschaftsküche des LWL-Bildungszentrums oder in der Cafeteria, die sie selbst bewirtschaften, oder sie erledigen Auftragsarbeiten für Dritte. Dazu kommen noch Betriebspraktika und betriebliche Ausbildungsphasen, so dass ihre Ausbildung wirklich realitätsnah ist.
Auch im hauswirtschaftlichen Bereich ist die Berufsausbildung speziell auf sehbehinderte Teilnehmerinnen und Teilnehmer zugeschnitten, die wegen ihrer Behinderung besondere Inhalte und Rahmenbedingungen für die Berufsausbildung brauchen. Bei guten Leistungen ist ebenfalls der Wechsel in eine betriebliche Berufsausbildung möglich, ohne dass dadurch die Ausbildung länger dauern muss.
Handwerkliche Berufe sind blinden und sehbehinderten jungen Menschen fast vollständig verschlossen. Es gibt jedoch einige Ausnahmen. Eine Ausnahme bildet das traditionsreiche Korbmacherhandwerk. Die Auszubildenden lernen, Korbwaren herzustellen oder zu reparieren. Dazu gehört auch das Stuhl- und Rahmenflechten, das vorwiegend im Rahmen der Möbelrestaurierung seine Anwendung findet.
Egal, welchen Weg die jungen Menschen im LWL-Berufsbildungswerk Soest auch einschlagen: Bei allen Berufsausbildungen steht der Einzelne mit seinen besonderen Fähigkeiten und seinen individuellen Entwicklungsmöglichkeiten im Mittelpunkt. Für alle Auszubildenden wird regelmäßig ein individueller Qualifizierungsplan erstellt, mit ihnen besprochen und im Laufe der Berufsausbildung je nach Leistungsfortschritt angepasst. Das Besondere an einer Berufsausbildung im LWL-Berufsbildungswerk Soest sind seine zusätzlichen Beratungs- und Lernangebote. Hier werden neben der Praxis in den Ausbildungsabteilungen und der Theorie im Berufskolleg die Fertigkeiten vermittelt, ohne die eine Berufsausbildung bei blinden und sehbehinderten jungen Menschen nicht möglich ist.
Viele blinde und sehbehinderte junge Menschen möchten ihre Berufsausbildung in Betrieben am Wohnort absolvieren. Das BBW Soest hilft bei der Suche nach geeigneten Ausbildungsbetrieben; es unterstützt und berät die blinden und sehbehinderten Auszubildenden und ihre Ausbildungsbetriebe. Die finanzielle Förderung erfolgt auf Antrag durch die zuständige Agentur für Arbeit. Hier erhalten Sie mehr Informationen
Im LWL-Berufsbildungswerk Soest helfen erfahrene Experten den Jugendlichen, die besten Hilfsmittel zu finden und schulen sie im Umgang damit. Außerdem trainieren sie mit den Jugendlichen lebenspraktische Fertigkeiten, Orientierung und Mobilität. Sie bieten aber auch psychologische und sozialpädagogische Unterstützung an. Hilfe zur Selbsthilfe heißt hier das Motto bei der ganzheitlichen Förderung. Und davon profitieren die Auszubildenden auch nach der Berufsausbildung im (Berufs-)Alltag.
Zum umfassenden Angebot gehört auch die sozialpädagogische Förderung im Wohnheim. Im täglichen Zusammenleben und im Sozialtraining sammeln die Jugendlichen Kenntnisse und Erfahrungen, die sie im Berufsleben und im Alltag ständig benötigen. Daneben können die Jugendlichen je nach Interesse aus dem vielseitigen Freizeitangebot auswählen. Denn wer hart arbeitet und viel lernt, braucht auch etwas Abwechslung und Entspannung.
Mit der erfolgreichen Abschlussprüfung verlassen die jungen Menschen das LWL-Berufsbildungswerk Soest.
Der „Ernst des Lebens“ beginnt mit der Suche nach einem Arbeitsplatz. Auch hierbei hilft das LWL-Berufsbildungswerk Soest. Bereits während der Berufsausbildung werden die Auszubildenden auf diesen entscheidenden Schritt in besonderen Seminaren und Kursen vorbereitet. Zusammen mit den Reha-Beratern der Agentur für Arbeit unterstützt das Berufsbildungswerk seine Absolventinnen und Absolventen bei der Suche nach geeigneten Arbeitsplätzen und hilft bei Bewerbungen. Experten des Berufsbildungswerkes geben möglichen Arbeitgebern wichtige Tipps, wie der Arbeitsplatz ausgestattet sein sollte und informiert über finanzielle Fördermöglichkeiten.
Aber auch nach dem Start ins Berufsleben ist noch nicht Schluss: Gibt es am neuen Arbeitsplatz Probleme, beraten Fachkräfte des LWL-Berufsbildungswerkes Soest die Absolventinnen und Absolventen oder ihre Arbeitgeber.
Ziel
Berufsabschluss nach dem Berufsbildungsgesetz bzw. der Handwerksordnung und Vermittlung auf dem Arbeitsmarkt
Dauer
je nach Ausbildungsberuf 2 - 3 1/2 Jahre
Beginn
im August oder September
Voraussetzungen
Es sind keine formalen Voraussetzungen erforderlich. Ein Hauptschulabschluss, teilweise auch die Fachoberschulreife, sind erwünscht
Kosten
Die Agentur für Arbeit übernimmt auf Antrag die Ausbildungskosten mit Unterkunft und Verpflegung, es zahlt die Fahrtkosten für An- und Abreise und zwei Familienheimfahrten im Monat.
Ausbildungsgeld
Zahlt die Agentur für Arbeit abhängig vom Familieneinkommen
Sozialversicherung
Eigene Pflichtversicherung zur Kranken-, Pflege-, Arbeitslosen- und Rentenversicherung. Die Beiträge zahlt das Berufsbildungswerk in voller Höhe.
Ansprechpartner
Ralf-Herbert Fleischer
Telefon 02921/684-224
Fax 02921/684-109
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