Therapieangebote

Psychiatrische Pflege

Die Pflege begleitet die Patientinnen und Patienten während ihres Klinikaufenthalts und ist in der Regel über 24 Std. ansprechbar. Als Ansprechpartnerinnen und -partner bei Fragen, Sorgen und in Krisen sind die Pflegenden Mittlerinnen und Mittler zwischen den Patienten und Patientinnen und den Anforderungen des Klinikalltags.

Im Fokus der Pflege steht die Frage, welche Auswirkungen Krankheitssymptome oder Beeinträchtigungen oder auch notwendige Behandlungen auf die Durchführung von Alltagsaktivitäten haben. Die Pflegenden unterstützen, begleiten und beraten die Patientinnen und Patienten im Rahmen eines Problemlösungs- und Beziehungsprozesses ...

  • bei der Bewältigung des Alltags,
  • beim Umgang mit Bedürfnissen und beim Streben nach Wohlbefinden,
  • bei der Erhaltung, Anpassung oder Wiederherstellung physischer, psychischer und sozialer Funktionen und
  • beim Umgang mit existenziellen Erfahrungen.

Die konkreten Pflegeangebote für einzelne Patientinnen und Patienten oder Patientengruppen sind abhängig von deren Bedürfnissen und unterscheiden sich sehr. Die Pflege erfasst im Rahmen der Pflegediagnostik, inwiefern bezüglich des Alltagsmanagements Defizite und Einschränkungen – oder auch förderliche Kompetenzen vorliegen. Dann werden gemeinsam Wege gesucht, damit die Alltagsbewältigung wieder gelingen kann. Manche Patientinnen und Patienten müssen befähigt werden mit evtl. bleibenden Beeinträchtigungen oder Symptomen umzugehen und/oder notwendige Behandlungen (z.B. Medikamenteneinnahme, gesunde Ernährung) selbst durchzuführen.

Als Pflegeangebote kommen Beratungsangebote und Informationsgespräche, praktische Übungen und Trainings wie auch Assistenz und Unterstützung in Frage. Psychoedukation und Beratung, Übungen und Trainings werden oft als Gruppenangebote durchgeführt. Ein Teil der Angebote richtet sich (mit) an die Angehörigen.

Gerade in der akuten Phase einer Erkrankung kann das vorrangige Ziel sein, den Betroffenen zu entlasten. Dies leistet die Pflege durch stützende und stärkende Gespräche sowie eine vorübergehende Übernahme einzelner Alltagsaufgaben.

Für und mit jedem Patienten oder jeder Patientin wird in jedem Fall ein individueller Pflegeplan formuliert – unter Einbezug seines Umfeldes und in Abstimmung mit der Therapieplanung. Die erforderliche Pflegedokumentation ist nach den im LWL entwickelten „Pflegeordnungskategorien POK“ strukturiert.

Während der Krankenhausbehandlung ist die Pflege dafür verantwortlich das Alltagsleben und das Zusammenleben auf der Station für alle Patientinnen und Patienten möglichst förderlich zu gestalten. Oft wird dieser Auftrag mit dem Begriff „Milieugestaltung“ umschrieben. So werden u.a. die Spielregeln des Zusammenlebens mit allen Beteiligten ausgehandelt, es wird Orientierung vermittelt und Sicherheit gewährleistet, eine Atmosphäre der Wertschätzung sowie eine positive Kommunikationskultur werden gefördert und hilfreich Kontakte zwischen den Patientinnen und Patienten werden unterstützt.

Die Pflege orientiert ihr Handeln an pflegewissenschaftlichen Erkenntnissen, gültigen Pflegetheorien und aktuellen Konzepten. Jüngere Pflegekonzepte wenden sich mehr den persönlichen Ressourcen als den Funktionseinbußen zu, sie rücken die Patientenautonomie und das individuelle Wohlbefinden als Pflegeziele in den Vordergrund. Beispiele für die praktische Umsetzung dieser Ansätze in den LWL-Kliniken sind die Adhärenzförderung (Adhärenz meint die Einhaltung gemeinsam entwickelter Therapieziele), verschiedene Skilltrainings (Trainings von sozialen und psychischen und alltagspraktischen Fertigkeiten), die Genussgruppen, die Psychoedukation (Schulung und Wissensvermittlung) und anderes mehr. Als Leitidee für die Organisation des Pflegedienstes werden Bezugspflegekonzepte oder Primary Nursing im Rahmen des Möglichen realisiert. Dabei ist jedem Patienten/jeder Patientin eine Pflegefachkraft fest zugeordnet und für die Pflegeplanung verantwortlich.