Krankheitsbilder

Sucht

Jeder Mensch, der lange genug und häufig genug eine ausreichende Menge Alkohol trinkt, wird alkoholabhängig.

Häufig wird zwischen ''stoffgebundenen'' (Nikotin, Alkohol, Medikamente, illegale Drogen) und ''nicht stoffgebundenen'' bzw. ''verhaltensbezogenen'' Süchten (Computer, Internet, Glücksspiel, Arbeit, Sex) unterschieden. Nachfolgend wird am Beispiel der Alkoholabhängigkeit ''Sucht'' erklärt.

Wie wird man abhängig?

Jeder Mensch, der lange genug und häufig genug eine ausreichende Menge Alkohol trinkt, wird alkoholabhängig. Dabei können Dauer, Häufigkeit und Trinkmenge individuell sehr unterschiedlich sein. Fest steht aber: Je jünger die Menschen bei Beginn, je höher das genetische Risiko, je unkritischer das jeweilige Umfeld den Alkoholkonsum sieht und je größer die tägliche Menge konsumierten Alkohols ist, um so schneller wird sich die Abhängigkeit entwickeln.

Warum wird man alkoholabhängig?

Jeder Mensch ist im Laufe seines Lebens diversen Belastungen und kritischen Situationen ausgesetzt. Jeder Mensch ist dabei unterschiedlich belastbar und verfügt über unterschiedliche Strategien, mit Belastungen umzugehen. Eine zunächst sehr erfolgreiche Strategie ist der Einsatz von Alkohol! Er hilft dem Ängstlichen, mutiger zu werden, dem Gestressten, besser zu entspannen, dem Traurigen, fröhlicher zu sein, und, und, und ... Da Alkohol in so vielen Lebenssituationen hilfreich erscheint, wird er immer öfter eingesetzt.

Warum ist Alkoholabhängigkeit eine Krankheit?

Wenn Alkohol sehr häufig getrunken wird, setzt eine Gewöhnung ein. Reichte früher ein ''Feierabend-Bier'', müssen es im weiteren Verlauf zunächst zwei und dann immer mehr sein. Dies ist kein psychologischer Effekt, sondern ein körperlich-biologischer Prozess. Alkohol wirkt im Körper überwiegend - zumindest in höherer Dosierung - dämpfend, wie eine ''Bremse'' für Probleme und seelische Nöte. Der Körper gleicht diese Dämpfung im Rahmen der Gewöhnung aus, indem er der bremsenden Wirkung entgegensteuert - sozusagen ''Gas gibt''. Das führt beim Ausbleiben von Alkohol zum Überwiegen der Gegenregulation (da der Körper weiter ''Gas gibt'') - die Betroffenen werden unruhig, nervös, gereizt. Blutdruck und Puls steigen an - typische Entzugserscheinungen.

Was kann das Umfeld tun?

Verwandte, Freunde und Kollegen von Betroffenen sehen oftmals viel früher die Folgen des Alkoholkonsums, als der Betroffene selbst sich dies eingestehen kann. Angehörige sollen aber nicht Diagnosen stellen wie zum Beispiel ''Du bist Alkoholiker'', sondern die negativen Veränderungen aktiv ansprechen, diese nicht entschuldigen und auch die Folgen nicht herunterspielen. Erst wenn für die Betroffenen erkennbar wird, dass die negativen Folgen des Alkoholkonsums größer sind als die Vorteile, wird die Veränderungsmotivation wachsen. Dann sind sie in aller Regel auch bereit, fachliche Hilfen in Anspruch zu nehmen.

Was kann man selbst tun?

Es gibt in Deutschland ein wohnortnahes, gut ausdifferenziertes Hilfesystem für jede Phase der Erkrankung. Ambulante Beratungen bieten Institutsambulanzen der LWL-Kliniken sowie Suchtberatungsstellen. Stationären Entzug bieten die psychiatrischen oder die suchtmedizinischen Abteilungen der LWL-Kliniken an. Weitere (nachstationäre) Hilfen gibt es in den LWL-Rehabilitationszentren und -instituten, Selbsthilfegruppen, psychiatrischen Institutsambulanzen und Beratungsstellen.