Sucht

Experteninterview

Interview mit Glücksspielexperte Dr. Meinolf Bachmann (LWL-Klinikum Gütersloh) über die Suchtgefahr von Glücksspielen im Internet.

Geldspielgeräte in Spielhallen, Kasinoautomaten und Roulette in Spielbanken. Bei diesen Glücksspielen ist die Suchtgefahr am größten. Doch auch das Internet ist ein gefährliches Pflaster. Dr. Meinolf Bachmann ist Spielsuchtexperte in der LWL-Klinik Gütersloh. Er weiß, wie hoch die Suchtgefahr unter Online-Zockern ist.

Herr Dr. Bachmann, ist der süchtige Online-Glücksspieler ein verbreitetes Phänomen?

In den vergangenen Jahren stieg die Zahl der Gütersloher Patienten, die Glücksspiel im Internet betrieben haben, erheblich. Sie konnten vor allem von typischen Casinospielen wie Roulette, Black Jack oder Poker nicht die Finger lassen. Auch Live-Wetten und Lotterien ziehen viele Spieler an. Das Suchtpotenzial ist hier besonders hoch.

Wird mit dem Verbot das Problem aus der Welt geschafft?

Zwar sind die meisten Glücksspiele im Internet in Deutschland nicht mehr erlaubt. Ausgetrocknet sind die Suchtquellen damit aber nicht. Zocken bei ausländischen Anbietern ist für jeden Online-Spieler möglich, wenn auch riskant. Der Spieler macht sich einerseits strafbar und hat zum anderen im Falle eines Gewinns keinen rechtlichen Anspruch, wenn das Geld nicht ausgezahlt wird.

Anders als Casino oder Daddelhalle kennt das Internet keine Öffnungszeiten. Ist die Suchtgefahr im Netz größer?

Vieles spricht zumindest für ein hohes Gefährdungspotenzial. Online-Zocker können zu jeder Zeit von zuhause aus spielen. Dabei können sie in sehr kurzer Zeit viele Spiele absolvieren. Außerdem werden durch die Anonymität des Internets soziale Hemmungen schnell überwunden. Auch andere Hürden wie lange Anfahrtswege, Ausweiskontrollen oder eine unbekannte Umgebung fallen weg.

Locken Internetanbieter mit größeren Gewinnerwartungen?

Betreiber von Online-Glücksspielen haben nur sehr geringe Betriebskosten. Es fällt ihnen deshalb leicht, kundenfreundliche Angebote zu schneidern. Sie bieten attraktivere Auszahlungsquoten und gestalten Spielformen häufig benutzerfreundlicher. Gezahlt wird per Überweisung oder Kreditkarte. Was da an Kohle auf den Kopf gehauen wird, ist schnell nicht mehr überschaubar. Einige Spieler fahren auf Anhieb hohe Verluste ein und kehren schockiert zum ''bewährten'' Glücksspiel zurück. Oder sie entschließen sich für eine Behandlung.

Woran ist zu erkennen, ob jemand abhängig ist?

Zu den Auffälligkeiten zählt am Anfang das Vernachlässigen von Pflichten in Beruf oder Familie. Meist wird auch über den finanziellen Verhältnissen gespielt. In der eigentlichen Suchtphase verliert der Spieler vollends die Kontrolle. Er verspürt einen inneren Zwang und kann vom Glücksspiel nicht mehr ablassen. Wie ein Drogensüchtiger muss er die Dosis steigern, um die erwartete psychische Wirkung zu erzielen.

Der Süchtige muss sich der Droge entziehen?

Ja. Doch zunächst geht es darum, sich nicht länger der Illusion hinzugeben, man könnte mit dem Problem allein fertig werden. Danach ist das Glücksspielverhalten zu stoppen. Nicht der Verzicht steht hier im Vordergrund, sondern die Entwicklung von alternativen Verhaltensweisen. Spieler müssen sich wieder für andere Dinge interessieren, bei denen sie Spaß und Freude finden. Die Aufarbeitung der Ursachen soll schließlich dafür sorgen, dass der Spieler nicht mehr zum Ausgangspunkt seiner Sucht zurückkehrt.