Krankheitsbilder

Essstörungen

Essstörungen entstehen zumeist aus seelischen Belastungen.

Zu den Essstörungen zählen Magersucht (Anorexia nervosa), Bulimie* (Bulimia nervosa) und die sogenannte Binge Eating-Störung**. Letztere ist durch unkontrollierte Essattacken gekennzeichnet, die mehrfach in der Woche auftreten, ohne dass die Betroffenen kompensatorische Gegenmaßnahmen - wie z. B. extremen Sport, Hungern oder Erbrechen - ergreifen.

Essstörungen entstehen zumeist aus seelischen Belastungen und können schwere körperliche Folgen nach sich ziehen. Die Prognose insbesondere der Magersucht ist sehr ernst. So liegt die Letalität der Magersucht bei 5 % nach fünf Jahren, fast 15 % nach 20 Jahren. Widersprüchlich erscheint, dass sich an Essstörungen erkrankte Menschen fast ständig mit Essen und Trinken beschäftigen. Anfallartigen Essattacken folgen Phasen tiefer Niedergeschlagenheit und intensiver Selbstanklagen wegen der vermeintlich ''ruinierten'' Figur. Durch gegenregulatorische Maßnahmen wie Fasten, Erbrechen, Abführmittel oder exzessiven Sport wird jeder auch phantasierten Gewichtszunahme entgegengewirkt. Im Unterschied zu den magersüchtigen Menschen halten die bulimischen in der Regel ein normales oder nur gering unterdurchschnittliches Gewicht. Fasten ist die Voraussetzung für die Bulimie wie auch für die Anorexie. Da aber jede zweite Frau in Deutschland in ihrem Leben eine längere Fastenperiode einlegt, stellt Fasten eine notwendige, keinesfalls aber hinreichende Voraussetzung für die Entstehung dieser beiden Essstörungen dar. Während wir die Ursachen der Magersucht noch wenig verstehen, wahrscheinlich neben genetischen Faktoren psychische Probleme in der Kindheit und Adoleszenz eine Rolle spielen, liegt der Bulimie in der Regel ein problematisches Selbstwertgefühl zugrunde, dem die junge Frau mittels Gewichtsabnahme begegnen will. Das angestrebte Körpergewicht hat in der Regel ein permanentes Fasten- bzw. Diätverhalten zur Konsequenz. Kopfgesteuert müssen Gefühle des Hungerns permanent abgewehrt oder zumindest kontrolliert werden. Die Konsequenz dieses ''gezügelten Essverhaltens'' kann der Kontrollverlust sein, der Essanfall. Nicht zu unterschätzen hierbei ist die Rolle von Werbung und Medien, die makellose und extrem schlanke Körper propagieren, denen in der Realität kaum jemand entsprechen kann. Auf dieser Grundlage entstehen Depressivität und ein mangelndes Selbstwertgefühl, die der Bulimie den Weg ebnen.

Die Einsicht in das Vorhandensein einer Störung ist zumeist der erste und zugleich schwierigste Schritt auf dem Weg zur effektiven Behandlung der Essstörung. Sie ist langwierig und kompliziert, von vielen Rückfällen gekennzeichnet. Bei der Magersucht ist in der Regel eine stationäre Psychotherapie unumgänglich.

  • * Bulimie: Auf Phasen des Heißhungers bzw. unkontrollierten Essens folgen unmittelbar Phasen rigiden Fastens, selbst ausgelösten Erbrechens, Gebrauch von Abführmitteln oder exzessiven Sports. Vor allem jüngere Frauen sind von Bulimie betroffen und leiden häufig zusätzlich an depressiven Symptomen.
  • ** ''To binge'' heißt übersetzt ''schlingen'' oder ''ein Fressgelage abhalten''.