Die Hauptaufgabe der Bewegungs-, Moto- und Physiotherapie im LWL-Wohnverbund besteht darin, Menschen in Bewegung zu bringen. Dies wird erreicht durch:
· Psychomotorik
· Mobilitätstraining
· funktionelle Bewegungsübungen
· basale Stimulation und Kommunikation
· Airtramp
· Snoezelen
· Schwimmen
· Reittherapie
Zur Mototherapie kommen Menschen aus dem gesamten Wohnverbund mit motorischen Auffälligkeiten und Beeinträchtigungen. Dabei sind Bewegungseinschränkungen, Defizite der Muskulatur, Kontrakturen, Auffälligkeiten in der Grob-und Feinmotorik und Gleichgewichtsstörungen die Indikationen für die Behandlung.
Unsere Bewohner sind meist geistig behindert, manche sogar schwerst- oder mehrfach behindert. Zu unserem Klientel gehören auch autistische, auto-und fremdaggressive Menschen und Bewohner mit unterschiedlichsten Verhaltensauffälligkeiten, die oft nicht gruppenfähig sind, d.h. das Angebot der Arbeitstherapie und der Tagesförderstätte nicht nutzen können.
Durch psychomotorische Einzelförderung und anschließender Kleingruppentherapie versuchen wir sie im emotional-sozialen Bereich so zu fördern, dass sie den Anforderungen einer Gruppe gewachsen sind.
Da jeder Mensch am besten lernt, wenn er motiviert ist, setzen wir bei unserer Arbeit vielfältige Materialien ein, angefangen bei Kleingeräten wie Igelbällen und bunten Luftballons, bis hin zu Großgeräten wie Schaukel, Hängematte und Rollbrett.
Zur basalen Stimulation nutzen wir Massagegeräte, Schwämme, Bürsten und natürlich unsere eigenen Hände.
Der Einsatz von entspannender Musik und verschiedenen Düften soll zum Wohlbefinden der Behinderten beitragen.
Den engen Körperkontakt und die individuelle Zuwendung genießen die meisten Bewohner so sehr, dass es nie ein Problem ist, sie aufzufordern, wenn der wöchentliche Therapietermin ansteht. Viele Bewohner werden direkt von der Wohngruppe abgeholt, so dass auf dem Wege zum Gymnastik-oder Snoezelraum schon wichtige Bewegungsabläufe oder Alltagsbewegungen, wie z.B. das Treppensteigen, eingeübt werden können.
Besonders hervorheben möchten wir folgende Therapiebereiche:
Airtramp
Herr D. geht jeden Montag mit drei anderen Bewohnern seiner Gruppe zum Airtramp. in die Festhalle.
Für ihn ist das ein gelungener Start in die Woche. Das ständige Hüpfen auf dem großen Luftkissen, das ähnliche Eigenschaften aufweist wie das Trampolin, ist ein gutes Training für sein Herz-Kreislaufsystem. Reaktionsfähigkeit und Gleichgewicht werden nebenbei mit geschult. Und das alles ohne bewusste Anstrengung, denn der Spaß ist hierbei der beste Trainer.
In seiner Gruppe gibt es einen Teilnehmer, der große Angst vor dem wackligen Untergrund hat. Er traut sich nicht, aufzustehen und sitzt ängstlich auf dem Luftkissen. Aber selbst dieser profitiert von den Bewegungen der anderen. Er wird bewegt! Dadurch wird seine Muskulatur aktiviert, er muss sich aufrechthalten, abstützen, sein Gleichgewicht finden. Herr D. dagegen lernt Rücksichtnahme gegenüber seinem ängstlichen Mitbewohner.
Schwimmen
Frau B. kommt seit vielen Jahren jeden Freitagnachmittag ins Lehrschwimmbecken .Sie wird mit ca.10-14 anderen Teilnehmern nach der Arbeitswoche bei der Caritas mit dem Bulli dorthin gebracht. Im Wasser kann sie nach der langen Arbeitswoche mal richtig entspannen oder sich körperlich verausgaben. Zwischendurch werden zwischenmenschliche Kontakte gepflegt, man kommt sich näher im Wasser.
Wir wissen, Wasser hat einen positiven Einfluss auf Kreislauf und Muskeltonus, entlastet den Stütz-und Bewegungsapparat, wodurch viele Bewegungen erleichtert werden, gibt taktile und tiefensensorische Anregungen und verbessert die allgemeine Körperkontrolle.
Trotz aller Therapieeffekte: Ein Freitagnachmittag im Schwimmbad ist sicher ein toller Wochenausklang.
Reittherapie
Zwei-bis dreimal wöchentlich begleiten wir unsere Bewohner zur Reittherapie in die Reithalle. Die ausgebildeten Therapeutinnen, Frau Behrens und Frau Kremeyer stellen sich mit viel Gefühl auf diese ein und schaffen es fast immer, ihnen ihre Ängste zu nehmen. Denn diese sind zweifelsfrei vorhanden, wenn es darum geht, zum ersten Mal ein Pferd zu besteigen.
Die Ziele des therapeutischen Reitens sind sehr vielfältig, u.a. Schulung von Gleichgewicht , Koordination, Ausdauer und Geschicklichkeit, Kräftigung und Dehnung von Muskeln und Sehnen, Verbesserung der Körperhaltung, Lockerung der Spastik und anderen Verkrampfungen, Training von Herz, Kreislauf und Atmung, Abbau von Ängsten und Förderung von Konzentration und Ausdauer.
Der Kontakt zum Pferd bleibt natürlich immer das Wichtigste, deshalb gehören Streicheleinheiten, die Pflege und das Führen des Pferdes, wenn möglich, dazu.