Klinik-Startseite



Auftrag und Zielgruppen

Weil wir Menschen mit besonderem psychosozialen Hilfebedarf aufgrund besonderer Kompetenzen und besonderer Bedingungen besondere Angebote machen, haben wir uns den Slogan gegeben: „Das Besondere ist unsere Stärke“.

Erhöhter psychosozialer Hilfebedarf

Die meisten Bewohner/-innen des Ernst-Kirchner-Hauses weisen chronische psychiatrische Erkrankungen (Schizophrenien und deren Folgen, Depressionen, chronische Suchterkrankungen, Persönlichkeitsstörungen) mit häufigen Rückfällen auf. Einige Bewohner/-innen sind geistig behindert und mit zunehmendem Alter pflegebedürftig geworden. Andere sind im Alter an einer Demenz erkrankt und sind aufgrund ihrer Verhaltensauffälligkeiten in konventionellen Pflegeeinrichtungen nicht zu betreuen.

Diese Menschen mit ihren zum Teil herausfordernden Verhaltensweisen stellen besondere Anforderungen an die psychiatrische Pflegekompetenz unserer Mitarbeiter/-innen. Einer Aufnahme ins LWL-Pflegezentrum gehen oft Phasen vermehrter Krankenhausbedürftigkeit und/oder wiederholt fehlgeschlagene Versuche zur Akzeptanz anderer Betreuungsformen (auch anderer Pflegeheime) voraus. Viele Bewohner/-innen waren vor der Aufnahme in unsere Einrichtung jahrelang oder jahrzehntelang in anderen Einrichtungen hospitalisiert.

Selbstverständlich haben die Betroffenen über die Jahre einen individuellen, oft originellen, manchmal glücklichen, manchmal unglücklichen Umgang mit den genannten Einschränkungen entwickelt. Diese besonderen Persönlichkeitsprofile und Fähigkeiten sowie die besonderen biografischen Erfahrungen würdigen wir insbesondere.

Wohnbereich für Menschen mit geistiger Behinderung

Für Menschen mit geistiger Behinderung steht ein eigener Wohnbereich zur Verfügung, welcher räumlich, konzeptionell und personell für diese Klientel zugeschnitten ist.

Zunehmend erreichen Menschen mit geistiger Behinderung ein hohes Lebensalter. Damit kann ein vermehrter Pflegebedarf (im Sinne SGB XI), bzw. eine dementielle Entwicklung verbunden sein, denen am aktuellen Lebensort (Familie, Hilfeeinrichtung) nicht optimal begegnet werden kann. Das Hilfeangebot im LWL-Pflegezentrum berücksichtigt:

- Dass ältere geistig behinderte Menschen eine eigene Rangliste von Bedürfnissen haben: Vertrautheit/Routine, Lebenssinn und Anerkennung sind am wichtigsten, bei Menschen ohne Behinderungen stehen an dieser Stelle Gesundheit, Selbstständigkeit und Sicherheit.
- Dass Alterungsprozesse bei Menschen mit geistiger Behinderung oft früher einsetzen und sich deutlicher auswirken als bei nichtbehinderten Menschen. Höhere Unsicherheit im Umgang mit Veränderungen stehen geringeren Bewältigungsmöglichkeiten gegenüber. Verlusterfahrungen werden bedrohlicher erlebt. Verlangsamung, Rückzugstendenzen oder Unruhezustände können die Folge sein. Typische Alterserkrankungen wie Depression oder Demenz treten bei Menschen mit geistiger Behinderung häufiger auf als bei nichtbehinderten Menschen. Außerdem kommen typische psychische Erkrankungen des Erwachsenenalters (z. B. Schizophrenien) bei Menschen mit geistiger Behinderung häufiger vor als bei Nichtbehinderten, sind jedoch schwerer zu diagnostizieren und zu behandeln.
- Dass Alterungsprozesse schneller voranschreiten, wenn die (frühere) Förderung und das Training sensomotorischer, alltagspraktischer und kognitiver Fähigkeiten aufhört. In unserem Haus gelten daher die Grundsätze der Behindertenhilfe weiterhin: Rehabilitation vor Kompensation; Normalität, Autonomie. Die Teilhabe am sozialen Leben innerhalb und außerhalb der Einrichtung sind für uns wichtige Ziele. Wir achten darauf, dass die Fähigkeiten des Einzelne gefördert, er aber nicht überfordert wird. Dem zunehmenden Hilfebedarf aufgrund verstärkter Einschränkungen in der Bewältigung des Alltags begegnen wir mit Anleitung, Assistenz oder Übernahme.

Betreuungsangebote und Gestaltung der Wohngruppe berücksichtigen, dass ältere geistig behinderte Menschen typische Leistungen der Eingliederungshilfe und der Pflege brauchen. Sollten im Einzelfall die Förderung von Autonomie und die Schaffung von Wohlbefinden unvereinbar sein, so ist im LWL-Pflegezentrum das Wohlbefinden (i.d.R.) das wichtigere Pflegeziel.

Im Pflegeteam arbeitet eine pädagogische Kraft mit. Spezifische Tagesstrukturangebote sichern angemessene Beschäftigung. Dieser Wohnbereich ist auch Praktikumsort für Auszubildende in der Heilerziehungspflege. Die psychiatrische Versorgung ist durch die Institutsambulanz für Menschen mit geistiger Behinderung der LWL-Klinik sichergestellt.

Geschützte Plätze

Eine Wohngruppe wird geschützt (geschlossen) geführt. Bei den Bewohner/-innen, die hier wohnen, liegt häufig eine Selbstgefährdung, teilweise auch eine Fremdgefährdung vor, d.h. es ist Aufsicht erforderlich. Die Wohngruppe hat einen Zugang zum großen eingefriedeten Garten.

Kurzzeitpflege

Zeitlich befristete stationäre Pflege kann im Anschluss an eine Krankenhausbehandlung oder in akuten Krisensituationen – wenn häusliche oder teilstationäre Pflege vorübergehend nicht ausreichen – sinnvoll sein (§ 42 SGB XI).

Aufnahmekriterien

Seitens der Einrichtung sind grundsätzlich alle pflegebedürftigen Menschen willkommen. Eine Aufnahme in unserem Pflegezentrum kann für den Einzelnen immer dann sinnvoll sein:

- wenn sich der Hilfebedarf ändert und die Möglichkeiten der Familie bzw. der Behinderteneinrichtung übersteigt. Vorrangig geschieht dies bei einer – meist altersbedingten – Zunahme der Pflegebedürftigkeit i.S. des SGB XI. Aber auch zunehmender krankheitsbezogener (– auch psychiatrisch –) oder psychosozialer Hilfebedarf können vollstationäre Pflege erforderlich machen
- wenn Bewohner/-innen sich das soziale Umfeld Gleichaltriger und eine am höheren Lebensalter orientierte Gestaltung des Alltags wünschen.