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Pflegekonzepte und Pflegeangebote

Pflegetheoretische Grundlagen

Die Grenzen zwischen Selbstpflegefähigkeit und Pflegeabhängigkeit sind fließend und vom subjektiven Empfinden, den individuellen Lebenserfahrungen und dem soziokulturellen Umfeld eines jeden Bewohners / einer jeden Bewohnerin geprägt.

Pflege in den Einrichtungen des LWL unterstützt im Rahmen eines Problemlöse- und Beziehungsprozesses die Betroffenen bei der Bewältigung ihrer Alltagsanforderungen und beim Umgang mit Bedürfnissen sowie bei der Erhaltung, Anpassung/Kompensation oder Wiederherstellung physischer, psychischer oder sozialer Funktionen. Pflege unterstützt und begleitet beim Umgang mit existenziellen Erfahrungen. Pflegende sind für die Bewohner/-innen fachkundige und fürsorgliche Begleiter und Assistenten.

Allgemeine Ziele der Pflege sind die Erhaltung der Lebensqualität (diese definiert jeder Bewohner / jede Bewohnerin individuell), die Förderung der Gesundheit und des Wohlbefindens, die Kompensation von Defiziten, sowie die Förderung von sozialer Einbindung und Aktivität. Selbstpflegefähigkeiten, Autonomiewünsche und Ressourcen werden gewürdigt und gefördert.

Für ein modernes Pflegeangebot geben unterschiedliche Pflegemodelle wertvolle Impulse. Die Modelle von KROHWINKEL und OREM betonen die Pflegeziele Unabhängigkeit und Wohlbefinden. Beide erfassen Pflegebedarfe (Selbstpflegedefizite, Pflegeprobleme) wie auch Selbstpflegefähigkeiten (bzw. Ressourcen), um das individuelle Hilfeangebot zu planen. Beide beschreiben in ähnlicher Weise unterschiedliche Pflegemethoden; dies wurde auch vom MDK aufgegriffen.

Demnach werden die Unterstützungsangebote unterteilt in

- Beratung

- Motivation

- Beaufsichtigung

- Anleitung

- Mithilfe (Teilweise Übernahme)

- Vollständige Übernahme

Die Pflegeprozessplanung und –dokumentation wird über die von KROHWINKEL beschriebenen 13 AEDL (Aktivitäten und Elemente des Lebens) strukturiert.

Grundlegende Pflegeleistungen

- Aktivierende Pflege fordert die mögliche Eigenständigkeit und Mithilfe der Bewohner/-innen ein; eine ressourcenorientierte Pflege hilft den Betroffenen verloren gegangene Fertigkeiten zu kompensieren. Bewohnerorientierte Pflege beinhaltet, dass bei allen Problemen das subjektive Empfinden der Betroffenen besondere Würdigung erfährt, ebenso ihre soziokulturelle Prägung.
- Bei allen Leistungen darf jedoch nicht außer Acht gelassen werden, dass der Aufenthalt im Pflegezentrum für viele der Bewohner/-innen zugleich der Lebensabend ist und entsprechend den sich daraus ergebenden individuellen Erwartungen gerecht werden muss. Die Gratwanderung zwischen Aktivierung und der Vermeidung von Überforderung bedarf der besonderen Beachtung. Sterbende Menschen und deren Angehörige und Freunde/-innen werden unter Wahrung der Würde über ihren Tod hinaus begleitet.
- Bei der Aufnahme in das Pflegezentrum verlassen die Menschen ihre vertraute Umgebung; es wird von ihnen eine hohe Anpassungsleistung gefordert. Vor, während und nach der Aufnahme werden die Bewohner/-innen daher intensiv begleitet. Wünsche, Bedürfnisse und Besonderheiten des Bewohners werden vorab erhoben (nach Möglichkeit im Rahmen eines Hausbesuchs) und von Anfang an gewürdigt. Eine vor der Aufnahme bereits erforderliche professionelle Hilfe soll Kontinuität erfahren. Bei notwendigen Verlegungen in ein Krankenhaus oder eine andere Einrichtung stellen wir eine Pflegeüberleitung sicher.
- Die Einbindung von Angehörigen, Betreuer/-innen und Freund/-innen und die Unterstützung ihrer Beziehungen zu den Bewohner/-innen ist ein wichtiges Anliegen.
- Neben individuellen Angeboten für Bewohner/-innen und ihre Angehörigen/ Betreuer/-innen gehören auch Gruppenangebote und vor allem die Milieugestaltung und Tagesstrukturierung zum Aufgabenfeld der Pflege.
o Zum Milieu gehören die Räumlichkeiten, die Tagesabläufe, das Zusammenleben mit Mitbewohner/-innen, der Kommunikationsstil und der Umgang miteinander. Das Milieu wird so gestaltet, dass es anregend aber nicht überfordernd und orientierungsvermittelnd aber freilassend ist. Das Milieu vermittelt Wohnlichkeit und Vertrautheit.
o Regelmäßige Tagesstruktur unterstützt den chronobiologischen Rhythmus und vermittelt Verlässlichkeit und Orientierung. Unterschiedliche Aktivitäten am Tage ermöglichen Beschäftigung, Interessenbefriedigung und Freude. Gruppenangebote schaffen soziale Erfahrungen. Jahreskreisbezogene Aktivitäten und Feste schaffen Verbindung zur Welt und stellen Normalität her. Pflege und Sozialer Dienst sind diesbezüglich gemeinsam tätig.
- Herausfordernde und schwierige Verhaltensweisen werden als (unglückliche) individuelle Lösungsversuche in einer überfordernden Situation betrachtet. In der Situation wird freundlich und gelassen, doch verbindlich reagiert. Die Klärung aller Umstände und die Beseitigung von Ursachen kann hilfreich sein; teilweise müssen alternative Verhaltensweisen gefunden und eingeübt werden. Akute Krisen (Deeskalationen, Psychotische Schübe, etc.) können in aller Regel durch sorgfältige Beobachtung („Frühwarnzeichen“) und rechtzeitige Intervention vermieden werden. Eine Klarheit der Regeln und Grenzen, feste Strukturen und ein konsequenter Stil vermitteln Sicherheit und Schutz – für den Betroffenen wie auch für die Mitbewohner/-innen.
- Fortlaufende Reflexion des eigenen Handelns und intensive Fort- und Weiterbildung sind selbstverständlich und notwendige Voraussetzung für professionelles Handeln.

Pflegeprozess

Pflege ist ein Problemlöse- und Beziehungsprozess.
Der Problemlöseprozess besteht aus einem fortlaufenden Assessment, der Pflegediagnostik (dem Benennen von Ressourcen und Problemen), der Festlegung individueller Ziele, der Planung und Durchführung der Pflege sowie der Evaluation des gesamten Prozesses.

Zum Assessment gehören – neben der Erfassung von Fertigkeiten und Hilfebedarfen, u.a. das Verstehen der individuellen Lebensgeschichte, außerdem das Identifizieren von persönlichen Vorlieben und Neigungen sowie von spezifischen Vulnerabilitäten und persönlichen erfolgreichen Bewältigungsformen. (Vulnerabilität meint eine besondere Verletzlichkeit, die im Kontext mit psychischer Erkrankung oder geistiger Behinderung und den damit verbundenen Beziehungserfahrungen sehr häufig vorliegt und einen behutsamen Umgang einfordert.)

Festzustellende Probleme und Ressourcen beziehen sich auf:
- die individuellen Bedürfnisse und Wünsche des Bewohners / der Bewohnerin. Dazu gehört auch die Akzeptanz von nicht-mehr-können und Zulassen von Wünschen nach Rückzug und Ausruhen
- die Fähigkeiten und Einschränkungen im Rahmen chronischer Krankheit oder Behinderung
- die Integration in die Gemeinschaft der Mitbewohner/-innen und alle weiteren sozialen Bindungen
- die aktuellen und vergangenen Verhaltensweisen (Verhaltensauffälligkeiten oder gar Rückfälle in frühere destruktive Verhaltensmuster sind Indikatoren für unbewältigte Probleme)
- die körperlichen und seelischen Veränderungsprozesse im Alter
- den Umgang mit Vulnerabilitäten und Risiken sowie mit Krankheitssymptomen und deren Auswirkungen
- die erforderlichen Bewältigungs- und Anpassungsstrategien.

Pflegeziele müssen vorsichtig und „kleinschrittig“ formuliert werden, sie sollen die Bewohner/-innen (und die Mitarbeiter/-innen) nicht überfordern und Enttäuschungen vermeiden. Jeder Bewohner / jede Bewohnerin braucht individuelle Lösungen für seine Situation, deshalb werden Ziele einzelfallbezogen formuliert bzw. ausgehandelt.

Die wichtigste Intervention ist die Begleitung im Sinne des Dabei- und Daseins. Über die alltagsbezogene Hilfestellung, die aufgrund der Krankheit/Behinderung notwendig ist, entscheidet der Bewohner / die Bewohnerin („Assistenz“). Bei kognitiver Einschränkung werden nonverbale Zugangswege gesucht und eingesetzt u.a. auch Techniken der Basalen Stimulation und der Validation. Trainings helfen beim Erwerb oder Erhalt von Kompetenzen. Wichtig ist die Wahl der richtigen Pflegemethode bei den Interventionen (Beratung – Motivation – Beaufsichtigung – Anleitung – Teilweise Übernahme – Übernahme). Die Regelmäßigkeit der Angebote vermittelt Verlässlichkeit, die sinnvolle zeitliche Zuordnung verhilft neben weiteren Maßnahmen zur Tagesstruktur.

Ein Pflegeplan wird in den ersten Tagen bis Wochen nach der Aufnahme erstellt und im Rahmen von Pflegevisiten und Fallbesprechungen fortlaufend modifiziert. Dies geschieht selbstverständlich in Koordination mit dem Betroffenen, mit Angehörigen und Betreuer/-innen, behandelnden Ärzten und in Abstimmung mit den sozialen Angeboten.

Bezugspflege - Beziehungsgestaltung

Menschen mit psychosozialem Hilfebedarf brauchen ermutigende und stützende Kontakte, emotionale Bindung und soziale Sicherheit in besonderer Weise.
Jedem Bewohner / jeder Bewohnerin wird eine feste Bezugsperson zugeordnet, diese ist u.a. verantwortlich für den Pflegeprozess. Das Bezugspflegesystem sichert die Kontinuität der Beziehung und schützt den Bewohner / die Bewohnerin ggf. vor einer überfordernden Anzahl an Kontakten.
Verlässlichkeit, Kongruenz, Empathie und Wertschätzung, Fürsorge und Kontinuität sind die Eckpfeiler der Pflegebeziehung. Spezielle Techniken in der Kommunikation (wie aktives Zuhören, bewusster Einsatz von offenen oder geschlossenen Fragen, genaue Steuerung der Informationsmengen, Einsatz nonverbaler Kommunikationsmittel u.a.m.) kommen zum Einsatz. Enttäuschen, Täuschungen („austricksen“) und Herabwürdigungen (z.B. kindliche Sprache) werden vermieden, die Beziehungsangebote sind stabil (Kontinuität hat einen höheren Stellenwert als Intensität).