Ehemaliges Zisterzienserinnenkloster

LWL-Wohnverbund Lippstadt

Historie

Die Einrichtung des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) in Benninghausen – heute "LWL-Wohnverbund Lippstadt" – kann auf eine bis an den Anfang des 19. Jahrhunderts zurückgehende Geschichte der öffentlichen Sozialfürsorge zurückblicken.

Landarmen- und Arbeitshaus

Der preußische Oberpräsident v. Vincke, ein liberaler und philanthropisch gesinnter Jurist und Mitstreiter des Reichsfreiherrn von und zum Stein, gründete hier auf Order Friedrich Wilhelm IV. hin ein Landarmen- und Arbeitshaus für die seit dem Wiener Kongress bestehende neue preußische Provinz Westfalen. Das säkularisierte Kloster Benninghausen erschien ihm dafür als geeigneter Ort, fast in der geographischen Mitte der Provinz gelegen.

1827 bildete der Provinziallandtag auf Anregung von Vinckes eine sogenannte "Ständische Kommission", welche das Budgetrecht und damit die Finanzkontrolle gegenüber dem "Landarmen- und Arbeitshaus" wahrnahm. Daraus entwickelten sich später die Provinzialversammlung und der Provinzialverband – die Vorläufer des heutigen Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe.

Die Zusammenfassung der sozial randständigen Teile der ländlichen Bevölkerung wurde bei von Vincke durchaus von einem Gedanken der Resozialisierung bestimmt. Damals herrschten innerhalb des Hauses recht rigide Methoden, welche mithilfe der hausinternen "Polizeiordnung" den Umganges der sogenannten Insassen regelten. Mit der Definition der Benninghäuser Einrichtung als Korrigendenanstalt, die noch bis weit in das 20. Jahrhundert genutzt wurde, wurde ein normativer Anspruch formuliert, der die Korrektur gesellschaftlich unerwünschten Verhaltens zum Ziel hatte.

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Von der Landespflegeanstalt zur Westfälischen Klinik für Psychiatrie

Mit den gesellschaftlichen Verwerfungen in Folge der Industrialisierung und der sozialen Katastrophen des 20. Jahrhunderts wurde die Klientel des Hauses vielfältiger: neben Trinkern, Fürsorgezöglingen, Prostituierten in medizinisch begründeter Quarantäne kamen immer mehr Menschen mit psychischen Problemen nach Benninghausen.

So ließen Krieg, Flucht und Vertreibung nicht nur die psychiatrischen Heil- und Pflegeanstalten größer werden, auch Benninghausen hatte zunehmend mehr Insassen, wurde nach dem letzten Krieg als "Landespflegeanstalt" geführt, erst 1962 wurde die Arbeitshausabteilung geschlossen. Mit der zunehmenden Notwendigkeit, die Menschen hier auch psychiatrisch zu versorgen, wurde die Einrichtung erst "Westfälisches Landeskrankenhaus", dann "Westfälische Klinik für Psychiatrie". Aufgrund fehlender komplementärer Wohn- und Pflegeeinrichtungen lag der Versorgungsschwerpunkt bei den so genannten "Langzeitpatientinnen und- patienten".

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Beispielbild

Außerklinische Wohn- und Fördereinrichtung

Der "LWL-Wohnverbund" ist aus der "Westfälischen Klinik für Psychiatrie Benninghausen" entstanden. Diese psychiatrische Langzeiteinrichtung, die über keine akutklinische Versorgungsverpflichtung verfügte, wurde in Folge der Gesundheitsstruktur-gesetzgebung zum 31.12.1996 aufgelöst.

Die verbliebenen ca. 530 nichtkrankenhaus-behandlungsbedürftigen Menschen mit einer psychischen oder geistigen Behinderung wurden im "Westfälischen Pflege- und Förderzentrum Lippstadt-Benninghausen" zusammengefasst. Dadurch entstand im “Pflegezentrum“ eine Einrichtung, die stationäre Pflege nach dem Pflegeversicherungsgesetz ermöglichte. Aus dem "Förderzentrum" entstand mit dem LWL-Wohnverbund Lippstadt eine außerklinische Wohn- und Fördereinrichtung, die Leistungen der Eingliederungshilfe ermöglichte. Gleichzeitig wurde die Arbeitstherapie der ehemaligen Klinik zu einer "Werkstatt für behinderte Menschen" in eigener Trägerschaft umgestaltet.

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Themenbild

"Ambulant vor stationär"

In den folgenden Jahren wurde das differenzierte Wohn- und Förderangebot für Menschen mit einer geistigen Behinderung oder psychischen Behinderung sowie einer Suchterkrankung kontinuierlich weiterentwickelt.

Gemäß der sozialhilferechtlichen Maxime „Ambulant vor stationär“ richten sich die Betreuungs- und Förderangebote sowohl an Menschen, die krankheitsbedingt einen vollstationären Hilfebedarf aufweisen, als auch an jene, deren Betreuungsbedarf teilstationär oder ambulant abgedeckt werden kann.

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