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Forschung und Projekte

Adherencetherapie

Allgemeine Informationen

Menschen mit einer chronischen Erkrankung sind – losgelöst von der Diagnose und Art der Erkrankung – häufig mit dem Problem konfrontiert längerfristig Medikamente einnehmen zu müssen. Studien zeigen auf, dass 50 bis 70% dieser Menschen ihre Medikamente innerhalb von eineinhalb Jahren eigenmächtig und ohne Rücksprache mit dem Behandler absetzen. Vielfach ist dies ein Grund für eine Wiedererkrankung und für eine erneute stationären Behandlung
In der Fachsprache wird dann oft von mangelnder "Compliance" (engl. für Einverständnis/Fügsamkeit) gesprochen, d.h. den Patienten/-innen wird hier indirekt die Schuld für das Scheitern der Therapie gegeben.
Abbrüche der medikamentösen Therapie sind jedoch kein spezifisches Problem von Menschen mit psychischen Erkrankungen, sondern lassen sich ebenso bei Patient/innen z.B. mit Bluthochdruck, Diabetes und weiteren chronischen Erkrankungen beobachten. Die Gründe für das Absetzen der Medikamente sind vielfältig, dabei können beispielsweise unangenehme Nebenwirkungen oder geringes Vertrauen in die Wirksamkeit der verordneten Arzneimittel ebenso Gründe sein wie die schlechte Erreichbarkeit einer Apotheke. Vielfach werden diese Probleme jedoch nicht im Gespräch zwischen Behandlern und Patienten/-innen thematisiert.
Daher gilt es, ein Arbeitsbündnis zwischen dem Behandlerteam und den Behandelten zu schaffen, das Raum lässt, derartige Probleme anzusprechen. Indem nicht mehr nur die Behandelnden vorschreiben, was die Patienten/-innen tun müssen, sondern diese ein Mitspracherecht bekommen, können Therapieabbrüche vermieden werden. Die Einhaltung der gemeinsam von Patienten/-innen und Behandelnden verabredeten Therapiepläne wird auch mit dem Begriff „Adherence“ (engl. für Festhalten, befolgen) beschrieben. Anders als im vormals genutzten Begriff der „Compliance“ geht es hier um ein gemeinsames Festhalten an den Therapieverabredungen und nicht um Anweisungen des Behandlerteams, die unreflektiert von den Patienten/-innen befolgt werden müssten.
Ziel ist es, dass Betroffene aus eigener Kraft heraus und auf der Grundlage der eigenen Entscheidung in der Lage sind therapeutische Vorgaben langfristig umzusetzen und Verhalten entsprechend anzupassen. Ein Schlüsselprinzip dieses Ansatzes stellt die partnerschaftliche Zusammenarbeit mit dem Betroffenen dar. Hier kommt dem Willen und der Eigenverantwortung der Patienten eine hohe Bedeutung zu und Bedenken in Hinblick auf die Behandlung werden ernst genommen.
Zur Anwendung kommen Elemente der motivierenden Gesprächsführung der Verhaltens- und der Compliancetherapie. Geschult und beraten wird in Einzelkontakten im Rahmen der Bezugspflege.

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Adherencetherapie

Die Adherencetherapie ist eine therapeutische Kurzintervention für psychiatrisch Pflegende, die von Richard Gray und seinen Kolleginnen und Kollegen vom Institute of Psychiatry in London entwickelt wurde. Im Rahmen von acht Einzelsitzungen werden die Patienten/-innen in die Lage versetzt, therapeutische Vorgaben langfristig umzusetzen und fundierte Entscheidungen z. B. für oder gegen die Einnahme von Medikamenten – mit dem Wissen um die möglichen Folgen – treffen zu können. In allen Stationen der Abteilungen Allgemeinen Psychiatrie und IPP der LWL-Klinik Warstein und Lippstadt gibt es ausgebildete Adherencetherapeuten/-innen die betroffenen Patienten/-innen bei Bedarf ein entsprechendes Angebot machen können.

Die Wirksamkeit der Adherencetherapie wurde in einer Studie, u.a. in unseren Kliniken, überprüft. Sowohl in Warstein als auch in Lippstadt und Bielefeld nahmen auf jeweils vier Stationen 160 Patienten/-innen an diesem Forschungsprojekt teil. Dieses Projekt wurde 2009 mit dem Berliner Gesundheitspreis ausgezeichnet. Eine Ergebnispräsentation ist zeitnah geplant.

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Dachverband Adherence

Ein weiterer, wesentlicher Entwicklungsschritt ist die Gründung des Dachverbandes (DV) der die Entwicklung der Adherence Therapie, die Ausbildung, Qualitätssicherung und Evaluation verantwortlich begleitet.
Der Dachverband wurde auf im März 2010 in Warstein gegründet. Zweck des Vereins ist die Aus-, Fort- und Weiterbildung, die Forschung und weitere Tätigkeiten zur Förderung der Adherence und partnerschaftlichen Arbeit im Gesundheitswesen sowie angrenzenden wissenschaftlichen Bereichen und Therapieformen. Wichtige Aspekte der Ausbildung, Qualitätssicherung und begleitenden Evaluation sollen so von hier aus initiiert und koordiniert werden. Die Unterstützung bei der Implementierung von Interventionen zur Förderung der Adherence Therapie in klinischen und nicht klinischen Einrichtungen, und die Verbreitung und Sensibilisierung der Öffentlichkeit zum Thema Adherence sind weitere Ziele des Dachverbands.
Auf Initiative des DVs ist eine Lehrtrainerausbildung begonnen worden und es konnten bereits mehrer Trainer aus verschiedenen Einrichtungen ausgebildet werden u. a. auch aus der Schweiz und Österreich. Der erste Lehrgang wurde hier durch Richard Gray, der die Adherence Therapie entwickelt hat, persönlich geleitet. Die Ausbildung der Adherence Therapeuten hat einen guten Start genommen und es gibt mittlerweile eine Reihe, nach einem einheitlichen Curriculum ausgebildeter Therapeuten in den unterschiedlichsten Einrichtungen der stationären und ambulanten psychiatrischen Versorgung.
Eine Internetplattform soll den Mitgliedern und interessierten Anwendern die Möglichkeit zur Kommunikation und Information bieten.

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Ansprechpartner und weitere Informationen

Bei  Fragen und dem Wunsch nach weiteren Informationen wenden Sie sich gerne an:

Personengrafik

Hubert Lücke
Leiter des Pflegedienstes
der Abteilungen Allgemeinen Psychiatrie und IPP

Telefon 02902 82-1335
E-Mail hubert.luecke@wkp-lwl.org





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Wichtige Links

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