Belastungsreaktionen
Schwere Belastungen können psychische und psychosomatische Störungen zur Folge haben.
Der Zusammenhang zwischen einem „belastenden Ereignis“ und der Reaktion der Person, die diesem Ereignis ausgesetzt ist, wird mit den Begriffen „Belastungsstörung“ oder „Belastungsreaktion“ benannt. Beide Begriffe sind relativ jung in der Wissenschaft und sollen helfen, Krankheitsbezeichnungen und Behandlungsmethoden zu veranschaulichen.
Man unterscheidet akute und chronische Formen. Akute Belastungsreaktionen können durch äußere Gewalt wie Naturkatastrophen, Unfälle, Kriegsereignisse, Gewalteinwirkungen oder Vergewaltigung hervorgerufen werden. Die unmittelbaren Reaktionen sind Schock, Betäubung, Angst oder Fluchtgefühle. Nicht steuerbare Symptome sind Herzjagen und Schweißausbrüche. Die Störungen können nach einem begrenzten Zeitraum wieder abklingen. Je nach Persönlichkeit der oder des Betroffenen und je nach dem auslösenden Ereignis ist die Belastungsreaktion mehr oder weniger stark, geht schnell vorüber oder ist länger anhaltend.
Davon unterschieden – allerdings ohne scharfe Grenzlinie – wird die „posttraumatische Belastungsstörung“, eine über einen sehr langen Zeitraum anhaltende Reaktion auf schwerste Belastungen und Bedrohungen. Auch hier stehen Kriege und Katastrophensituationen ganz obenan, des Weiteren ausgeprägte frühkindliche Mangelerscheinungen. Die Belastungen sind in diesem Falle von „katastrophalem“ Ausmaß, womit die Krankheitsdauer erklärt wird. Relativ gering belastbare, neurotisch veranlagte Menschen sind davon noch stärker betroffen als andere.
Zu den schon erwähnten Symptomen kommen dann noch Ängste, Schlafstörungen, Teilnahmslosigkeit und gedrückte Stimmung hinzu. Die Angst machende Situation kann sehr lange in Erinnerung bleiben und sich z.B. in Träumen wiederholen. Nicht selten versuchen erkrankte Menschen, mittels Alkohol und Tabletten sich in Form einer „Eigentherapie“ von diesen Belastungen zu befreien, was natürlich den gegenteiligen Effekt hervorruft. Belastungsreaktionen treten in der Regel erst mit einer Verzögerung von einigen Tagen oder sogar Wochen auf. Ihr Verlauf ist nicht konstant, sondern wechselhaft. In extremen Fällen bleiben sie sehr lange, manchmal sogar zeitlebens bestehen.
Das zeigen z.B. die Schicksale politisch und rassisch Verfolgter oder Opfer sexuellen Missbrauchs.
Anpassungsstörungen
Im Zusammenhang mit Belastungsreaktionen spricht man auch von Anpassungsstörungen.
Der Begriff „Anpassung“ ist allerdings so unscharf, dass er leicht missverstanden werden kann. Hierbei handelt es sich nämlich nicht um Menschen, die sich ihrer Umgebung wie bei einer Trotzreaktion nicht anpassen wollen. Das wäre nicht krankhaft, sondern eher unsozial.
Mit Anpassungsstörungen im medizinisch-therapeutischen Sinn sind die Folgen stärkerer Belastungen im Sinne eines Traumas gemeint, also einer tief greifenden schockartigen Erfahrung. Stärkere Belastung soll heißen, dass die Betroffenen selbst nicht mehr in der Lage sind, die Störung zu irgendeinem Zeitpunkt in den Griff zu bekommen und sich der neuen Situation anzupassen.
Anpassungsstörungen haben vielfältige Ursachen. Sie können z.B. aus der Trauer um den Verlust eines besonders nahe stehenden Menschen resultieren (Trauerreaktion) oder aus Schwierigkeiten, die Menschen, die sich in einem neuen Kulturkreis zurechtfinden müssen, manchmal schmerzhaft erleben. Die Störungen bestehen hauptsächlich in Depressivität und Angst, einem Gefühl der eigenen Unzulänglichkeit, Unsicherheit und Unfähigkeit sowie eingeschränkter sozialer Fähigkeiten im Alltag.
Bei den Anpassungsstörungen handelt es sich im Wesentlichen um das Krankheitsbild, das auch mit „reaktiver Depression“ bezeichnet wird. Die reaktive Depression tritt in den meisten Fällen nach extremen Veränderungen der Lebenssituation auf. Das betrifft z.B. den Verlust des gewohnten Lebensraumes und damit der vertrauten Atmosphäre ebenso wie die Umstände, die mit einem Berufs- und womöglich einem Ortswechsel verbunden sind. Zu reaktiven Depressionen kann auch die Pensionierung führen. In allen Fällen ist weniger das unmittelbare Ereignis als vielmehr das ganz persönliche Erleben der Veränderung ausschlaggebend.
Depressive Reaktionen können außerdem durch schwere Kränkungen und Minderwertigkeitsgefühle hervorgerufen werden. Neben den sachlichen Ereignissen muss die persönliche Erfahrung dieser Ereignisse berücksichtigt werden.
Die individuelle Belastbarkeit der Betroffenen ist auf Grund ihrer Biographien und Persönlichkeitsstrukturen sehr unterschiedlich. Das zeigen z.B. die fortwährenden, von Depressionen begleiteten Anpassungsstörungen nach – medizinisch gesehen – eher harmlosen Unfällen.
Eine Übersicht über unser Angebot zur Behandlung von Belastungs- und Anpassungsstörungen und eine Liste mit Ihren Ansprechpartner/innen finden Sie hier.
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