Reizendes....

Über die LWL-Klinik Dortmund wird viel geredet. Meist werden Informationen, viel häufiger jedoch Vorurteile ausgetauscht. Die meisten Menschen wissen nicht, was in dieser Klinik vorgeht. Die Psychiatrie bleibt vielen fremd und suspekt. Mangelnde Information wird nicht selten durch Fantasie ersetzt. Die Geschichten über unsere Klinik wundern uns nicht. Aber Vorurteile reizen. Es reizt uns, diesen reizenden Geschichten unsere Sicht entgegen zu halten. Machen Sie sich selber ein Bild.

1. Vorurteil:

Wer einmal in Aplerbeck ist, kommt da nie wieder `raus

Richtig ist: Zu Beginn ihrer Geschichte und für lange Zeit war die "Heilanstalt" auch Heimat. Manche chronisch psychisch kranke und behinderte Menschen wurden hier über Jahre, ja Jahrzehnte betreut. Sie lebten hier wie in einem Heim, hatten hier ihr Zuhause gefunden. Diese Zeiten sind vorbei. Die LWL-Klinik Dortmund hat diese PatientenInnen bereits zu Beginn der 80-er Jahre entlassen. Viele sind in eine eigene Wohnung gezogen, werden dort zum Teil ambulant betreut und mussten nicht wieder in die Klinik kommen. Heute werden PatientenInnen in der Klinik durchschnittlich 20 Tage behandelt und dann wieder in die ambulante Behandlung entlassen.
Keine Zwangsjacke sondern Szene aus unserem Therapieprogramm "Maske und Theater"

2. Vorurteil:

In Aplerbeck werden die Menschen in Zwangsjacken gesteckt.

Richtig ist: In dieser Klinik hat es keine Zwangsjacken gegeben. Unser Haus steht in der Tradition der "no restraint Bewegung" des vorletzten Jahrhunderts. Damals bemühten sich PsychiaterInnen in ganz Europa Restriktionen für PatientenInnen abzubauen und auf "Ketten" zu verzichten. Heute werden die meisten unserer PatientenInnen unter offenen Bedingungen behandelt. Bei tätlicher Aggression, bei Gefahr im Verzug werden PatientenInnen für kurze Zeit gesichert.

3. Vorurteil:

Das färbt doch ab. Die Menschen, die in Aplerbeck arbeiten, werden mit der Zeit doch selber verrückt

Richtig ist: Psychiatrische Erkrankungen sind oft Folge psychosozialer Belastungen oder haben eine organische Ursache. Sie sind nicht ansteckend. Auch der Umgang mit psychisch kranken Menschen "färbt" nicht ab. Wir erleben unsere PatientenInnen oft als offen und ehrlich, feinfühlend und tolerant. Manchmal fragen wir uns, wo es verrückter zugeht, drinnen oder draußen?

4. Vorurteil:

In Aplerbeck werden die Menschen mit Medikamenten vollgepumpt.

Richtig ist: Die medikamentöse Behandlung nehmen wir sehr ernst. Die erste Generation der Medikamente beeinträchtigte unsere Patienten durch zahlreiche unerwünschte Wirkungen. In den letzten Jahren wurde diese durch moderne und hochwirksame Präparate ersetzt. Außerdem gilt: So wenig wie möglich, so viel wie nötig. Deshalb verwenden wir in der Behandlung viel Zeit dafür, die Medikation mit unseren PatientenInnen zu besprechen. Wir wissen, eine positive und gleichzeitig kritische Einstellung zu Medikamenten fördert die Genesung.

5. Vorurteil:

In Aplerbeck werden nur die schlimmen Fälle behandelt.

Richtig ist: Im letzten Jahr sind mehr als 7000 Menschen in der LWL-Klinik Dortmund aufgenommen worden. Psychische Krisen und Erkrankungen sind für die Betroffenen immer einschneidend und verändern ihren Alltag. Insofern ist jede einzelne Krise "schlimm" und bedarf der Behandlung.
Foto: LWL-Klinik Dortmund