Wiederaufbau

Haus 6 nach dem Krieg

1945

Nach dem Krieg werden von der Militärregierung die Übergangsdirektoren Dr. Heinrich Cordes und Dr. Enno Herzfeld eingesetzt. Erst 1948 folgt ihnen der politisch unbelastete Dr. Hans Hundt, als Direktor der Nachkriegszeit. In der Stadt Dortmund bestimmen Schuttbeseitigung und Wiederaufbau die ersten Nachkriegsjahre. Der Aufbau einer City und der Ausbau des Verkehrsnetzes stehen in den fünfziger Jahren im Mittelpunkt. Am 2. Februar 1952 eröffnet die neue Westfalenhalle. Die Städtischen Kliniken werden in einem Großprojekt wieder erbaut. Drinnen räumen die Städtischen Kliniken, seit 1943 ausgebombt und in die Räume der Anstalt gezogen, die von ihnen belegten Häuser und schaffen wieder Platz für die psychisch Kranken. Ein Protokoll der staatlichen Besuchskommission aus dem Jahre 1952 belegt die beengte Situation: „In F13A sind 36 Betten für Sieche, 14 Kranke liegen zu Bett. Die weißen Holzbettstellen sind unschön und harren des Anstrichs. In F 13B liegen statt 35 Kranke 52 Halbruhige, (…). Die Veranda ist mit 5 Betten bestellt. Keine Nachtwache. Das Clo liegt leider offen im Wachsaal. (...)F13C mit 22 Kranken und der Keller mit 19 Patienten, hat meist alte Schizophrene.(…)

1957 Die bedrückende Enge macht zusätzliche Neubauten dringend notwendig. Dr. Hans Hundt lässt sich daher nur zu gern vom Landesrat Dr. Hagemann davon überzeugen, Neubauten in Aplerbeck zu wagen. So entstehen Zug um Zug die Häuser 20, 21 und 22. Alle modernen Backsteinhäuser haben den gleichen Grundriss. Etwa 75 m lang sind sie der Länge nach zweigeteilt und intern gedrittelt. Die Längsteilung sieht auf der einen Seite die Funktionsräume, wie Küche, Bäder etc. vor, auf der anderen Seite befinden sich die Krankenzimmer, und Tagesräume. Ein knapp gehaltener Personaltrakt rundet den Bau ab. Diese Binnenstruktur der Stationsgebäude wird in den folgenden Jahren sukzessive weiterentwickelt und durch die zusätzliche Einrichtung eines therapeutischen Traktes ergänzt. So findet sich die Grundidee der internen Drittelung und der Halbierung auch in der Binnenstruktur des Hochhauses. In neuen Gebäuden soll in den folgende Jahren auch eine neue Krankenbehandlung Fuß fassen. Eine Medizinisierung der Dortmunder Psychiatrie setzt ein. Das Labor wird ausgebaut, ein eigenes Röntgengerät angeschafft. Es werden zudem internistische, chirurgische und neurologische Stationen eingerichtet.
1962 Die Bundesrepublik Deutschland erfährt ihr Wirtschaftswunder. Arbeit gibt es für alle Bürger in Hülle und Fülle. Für die Landesheilanstalt ist es schwierig, nahezu unmöglich, genügend Personal zu gewinnen. Trotz besonderer Vergünstigungen, im Jahre 1958 beginnt an der Allerstraße der Ausbau von 32 Wohneinheiten, 1957 wird der Bau des Schwesternwohnheimes vollendet, finden nicht genug Pflegekräfte nach Aplerbeck. Von 1962 an bildet das Landeskrankenhaus erstmals eigene Pflegekräfte nach dem Krankenpflegegesetz aus. Es werden Menschen aus Hessen und Marsberg rekrutiert. Noch 1970 werden philippinische Krankenschwestern angeworben. Die Zahl der Ärzte bleibt in diesen Jahren mit nur 13 konstant niedrig.
Fotos: LWL-Klinik Dortmund