Vom ersten Weltkrieg bis Weimar

1914 Während des ersten Weltkriegs wird innerhalb der deutschen Anstalten die bis dahin positive Entwicklung der psychiatrischen Behandlung jäh gestoppt. Der Lebensraum psychisch Kranker wird immer enger. In vielen deutschen Anstalten werden Stationen zu Lazaretten umgewidmet. Aplerbeck nimmt zunehmend und zusätzlich, die in den Schützengräben irre gewordenen Soldaten, sogenannte Kriegshysteriker auf. Taubheit, Lähmungen, Sprachstörungen, Anfälle werden als Symptome beschrieben. Am 15. März 1915 wird der erste Soldat, der 41-jährige Franz N. aus Bochum mit einer traumatischen Demenz in die Anstalt eingeliefert. Weitere 224 Soldaten und 28 Kriegsgefangene folgen im Laufe des Krieges. Meist werden deren Erkrankungen als "einfache Seelenstörungen" beschrieben.
1923 In der Anstalt wird Dr. Paul Pohlmann, seit 1919 erster Oberarzt des Direktors, Nachfolger des 1923 verstorbenen Dr. Backenköhler. Im Gegensatz zu Backenköhler betreibt er eine intensive Öffentlichkeitsarbeit. Er übernimmt Ehrenämter und stellt in den Dortmunder Wohlfahrtsblättern die Aplerbecker Anstalt als ein Haus mit wissenschaftlich begründeter Therapie und nicht als eine Zwangs- und Verwahranstalt dar. So beklagt er im Jahre 1928 die hohe Aufnahmeschwelle in der Anstalt, die zu einer verzögert einsetzenden Behandlung führt und letztlich Anstaltspflegebedürftigkeit erst verursacht. Er fördert die Frühentlassung und poststationäre Versorgung der nicht mehr anstaltspflegebedürftigen Menschen.
1928 Erst in den goldenen Zwanzigern kommt es zu einem verhaltenen wirtschaftlichen Aufstieg. Er bringt den Dortmundern eine Verbesserung ihrer sozialen Situation. Nach und nach kann die drückende Wohnungsnot behoben werden. So errichtet der Spar- und Bauverein Dortmund den Althoffblock im Kreuzviertel. Im Jahre 1924 wird der der Neubau der Städtischen Sparkasse (Museum für Kunst- und Kulturgeschichte) fertig gestellt. Schon ein Jahr später eröffnet die erste Westfalenhalle. In der Anstalt errichtet man bis 1928 die Gärtnerei an der Allerstraße und das neue Lazarettgebäude, das heutige Haus 13. In der Region wird durch Mitarbeit der Anstaltsärzte eine ambulante Fürsorge etabliert.
Fotos LWL-Klinik Dortmund