Die Ersten Jahre

1890 Der 32. Westfälische Provinziallandtag beschließt, eine 4. Evangelische Anstalt für anstaltspflegebedürftige psychisch kranke Menschen aus der Provinz Westfalen in Dortmund-Aplerbeck zu bauen. Von 1892 bis 1897 wird die Anstalt im Pavillonstil errichtet. Die ersten 92 Patienten sollen am 05.04.1895 aufgenommen werden.
1895 Eine moderne, weitläufige, offen geführte Irren = Anstalt ist an der Marsbruchstraße entstanden. Eine kleine Weißdornhecke zwar, doch keine Mauer stört den Blick von außen, Gitter werden vermieden. Im westlichen Teil des Areals, nahe der Marsbruchstraße entstehen Wohnhäuser. Im östlichen Bereich werden inmitten von Gärten, Zier- und Parkanlagen die Krankengebäude errichtet. Eine Allee führt auf das Verwaltungsgebäude zu.Ihm ist ein Betsaal angeschlossen. Rechts und links davon sind zwei Krankengebäude für so genannte Pensionäre entstanden. Charakteristisch ist die symmetrische Bebauung. Im Ostteil des Areals, in der Achse des Verwaltungsgebäude liegend, gruppieren sich entlang einer neutralen Mittellinie das Wirtschaftsgebäude mit Küche, das Kesselhaus, das Elektrizitätswerk und der Festsaal. Nördlich und südlich davon liegen die Aufnahmeabteilungen, Wachabteilungen für unruhige und halbunruhige kranke Männer und Frauen. Lediglich die beiden unruhigen Häuser, das jetzige Haus 6 und das jetzige Haus 26 sind umfriedet und bleiben geschlossen. In diesen Häusern werden nicht mehr als 12 Kranke pro Wachsaal gepflegt. Ansonsten wird in ruhigeren, offenen Landhäusern auf Behaglichkeit geachtet. Alle Häuser haben eigene Gärten. Die Räume sind mit Blumen und Bildern geschmückt. Die noch beim Bau geplanten Isolierzellen werden schon bald entbehrlich. Zwangsjacken gibt es nicht.
Dr. Gerhard Backenköhler

1895

Erster ärztlicher Leiter der Provinzial=Irren=Anstalt ist, 37-jährig, Dr. Gerhard Backenköhler. Er war bis dahin Assistent und Oberarzt bei Professor Dr. Ludwig Meyer in Göttingen, einem Freund und Kollegen Griesingers. Mit ihm setzt er sich für eine naturwissenschaftlich orientierte Psychiatrie in den Anstalten ein. Meyer ist einer der ersten deutschen Vertreter des aus England kommenden „no-restraint Systems. No Restraint ist die Antwort auf die bis dahin unmenschlichen, auf Sicherung der öffentlichen Ordnung bedachten Anstalten, die psychisch Kranke allzu oft in Ketten legen. Alle Zwangsmittel werden abgeschafft, die naturwissenschaftliche Psychiatrie hält Einzug in die Anstalten. Backenköhler steht seinem Chef und Schwiegervater sehr nahe. Dessen Ideen und Grundsätze in der Behandlung teilt er und setzt sie in Dortmund konsequent um.
1904 1904 erhält das Haus seinen neuen Namen Provinzial Heilanstalt. Man trägt somit der Idee einer vorsichtigen Verwissenschaftlichung der Psychiatrie Rechnung. Nicht mehr pflegen allein, eine umfassende Therapie soll eine Heilung zu ermöglichen und die Menschen als nützliche Gesellschaftsglieder aus der Anstalt zu entlassen. Dies ist inzwischen in Dortmund dringend erforderlich. Die Anstalt, ursprünglich für 500 PatientenInnen konzipiert, ist bereits mit 688 Kranken belegt. Ihre Zahl soll in den nächsten Jahren stetig an-wachsen.
Fotos: LWL-Klinik Dortmund