Ein vollbesetztes Haus

Landhaus Lesung mit Borwin Bandelow

Von Tätern und Opfern

wusste Borwin Bandelow in der, bis zum letzten Platz ausverkauften, Landhaus Lesung am 29. August zu berichten. Er las aus seinem Buch: Wer hat Angst vorm bösen Mann. Für die Entwicklung zum Täter machten der Autor das endogene Opiatsystem, als das interne Belohnungssystem und seine Fehlfunktion verantwortlich. Er vertrat überzeugend die These, das psychopathische Täter versuchen, ihr Wohlfühlsystem massiv zu triggern. Endogen Opiate, so Bandelow, werden durch zahlreiche physiologische Reize freigesetzt. Psychopathen scheinen auf solche typischen Reize wie Musik, Sex, Erfolg oder auch befriedigte Neugier, wie wir es beim Lernen erleben, nicht zu reagieren. Sensation seeking, risikoträchtiges Verhalten soll diesen Mangel ausgleichen.

Borwin Bandelow

Neben der Täterbetrachtung und Analyse beschäftigte sich der als Angstpapst bekannte Psychiater aus Göttingen mit den Reaktionen der Opfer von Schwerverbrechern. Eindrucksvoll erklärte er seinem interessiertem Publikum, weshalb Opfer keine Rachegelüste empfinden und sich häufig den Tätern nahe und manchmal verbunden fühlen und solidarisieren. Bandelow hält dieses Verhalten für eine Überlebensstrategie. Wer von Opfern massiver Gewalt Rachegelüste erwartet, traumatisiere die Oper erneut.

Der Lesung folgte eine intensive und interessierte Diskussion. Sie soll in der nächsten Woche mit Prof. Hans-Joachim Markowitsch fortgesetzt werden. Er wird in der Landhaus Lesung sein Buch:Tatort Gehirn vorstellen. 

 

Borwin Bandelow mit Organisatorin Angelika Nehm und Moderator Hans Joachim Thimm (Foto: Rüdiger Barz)