Die postraumatische Belastungsstörung

Dr. Andrea Rawert

Die Posttraumatische Belastungsstörung ist eine von mehreren möglichen Traumafolgestörungen. Wenn ein Mensch ein außergewöhnlich belastendes Ereignis mit z.T. lebensbedrohlichem Charakter erlebt hat oder Zeuge eines solchen geworden ist, dann kann es sein, dass seine individuelle Schwelle, mit dieser Situation fertig zu werden, überschritten ist. In einer solchen Situation erlebt die Person Gefühle von Ohnmacht, Todesangst, Entsetzen und / oder Hilflosigkeit.

Das Trauma ist vorbei und dennoch erlebt die betroffene Person es in unterschiedlichen Erinnerungsqualitäten erneut. Wie kann das sein? Durch die anschließende Bildung neuronaler Netzwerke, man könnte fast sagen durch „ungünstige Verschaltungen“, im Gehirn können unten genannte Symptome, die oftmals verzögert auftreten, erklärt werden.


Symptome:
Kennzeichnend für die PTBS
- das wiederholte Erleben des Traumas in Form von sich aufdrängenden Erinnerungen, Alpträumen, starken Reaktionen bei Situationen, die an das Trauma erinnern (Trigger)
- Vermeidungsverhalten entwickelt sich, um allem, was an das Trauma erinnert oder erinnern könnte, auszuweichen
- körperlich zeigt sich eine psychomotorische Anspannung mit Schlafstörungen, Schreckhaftigkeit, Reizbarkeit und oder innere Unruhe


Epidemiologie:
Viele Traumatisierte entwickeln unmittelbar nach dem Ereignis eine vorübergehende Belastungsreaktion.
Ob sich nach Erleiden eines Traumas eine PTBS entwickelt, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Mögliche Faktoren sind die Art und Dauer der Traumatisierung. Andererseits ist die Schwelle an einer PTBS zu erkranken dann schneller überschritten, wenn es bereits Vortraumatisierungen gab.

Personen, die ein zwischenmenschliches Trauma erlitten haben (z. B. bei Misshandlung) oder länger dauernde Traumatisierungen (z.B. Folter, Kriegserleben) erkranken wahrscheinlicher an einer PTBS als solche, die ein einmaliges nicht von Mitmenschen verursachtes Trauma erlebt haben. Die meisten Traumatisierten entwickeln aber keine PTBS.

Je nach Art der Traumatisierung, Geschlecht und Alter, in dem die Person traumatisiert wurde, gibt es unterschiedliche epidemiologische Zahlen.

Verlauf:
Oftmals gibt es zwischen dem Trauma und den typischen Symptomen eine symptomlose oder symptomarme Zeit. Das heißt, die PTBS - Symptomatik tritt verzögert ein. Durch gewisse Trigger/Auslöser kann es zum Wiedererleben der Angstsymptome oder anderer Teilerinnerungen an das Trauma kommen. In der Folge wird die betroffene Person die Trigger wahrscheinlich meiden. Dies geschieht nicht immer bewusst.

Die Symptomatik kann spontan besser werden, sie kann aber auch bestehen bleiben und einen sehr großen Leidensdruck verursachen.


Behandlung:
Zunächst ist es wichtig, dass die reale Sicherheit wieder hergestellt wird. Von großem Vorteil für Patienten ist ein stützendes soziales Umfeld. Im Fokus der Therapie stehen Aufklärung über die Erkrankung und psychotherapeutische Verfahren. In der Behandlung wird geklärt, welche individuelle Bedeutung das Ereignis für die Person hatte. Es werden Übungen zur Angstregulierung und Reorientierung im Hier und Jetzt erläutert und eingeübt. Schließlich kann nach ausreichender Stabilisierung auch die Traumabearbeitung mittels spezieller traumazentrierter verhaltenstherapeutischer und tiefenpsychologischer Verfahren (z.B. PITT oder EMDR) erfolgen.

In manchen Fällen ist eine flankierende Medikation erforderlich.