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Die Depression

Erster Oberarzt Jan Schäfer

Jeder Mensch kennt Phasen von Trauer und Unglücklich-Sein, sie gehören ebenso wie Freude und Glück zu unserem Leben. Wann aber wird aus Traurigkeit eine behandlungsbedürftige Erkrankung?

Wann denkt man an eine Depression? Bestimmte Anzeichen sprechen dafur, dass eine depressive Erkrankung vorliegt und nicht nur eine vorübergehende Niedergeschlagenheit.

Die drei wichtigsten Anzeichen sind:
■ eine gedrückte, depressive Stimmung
■ Interessenverlust und Freudlosigkeit
■ Antriebsmangel und erhöhte Ermüdbarkeit

Wenn zwei dieser drei Anzeichen bei Ihnen länger als zwei Wochen bestehen, kann dies auf eine Depression hinweisen. Weitere Beschwerden können dazu kommen:
■ verminderte Konzentration und Aufmerksamkeit
■ vermindertes Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen
■ Gefühle von Schuld und Wertlosigkeit
■ übertriebene Zukunftsangste und „Schwarzsehen“
■ Schlafstörungen
■ Gedanken an den Tod oder Suizidgedanken

Daneben können auch korperliche Beschwerden auftreten, zum Beispiel Appetitstörungen, Magen-Darm-Beschwerden, Kopfschmerzen oder andere Schmerzen, wie etwa Kreuzschmerzen, Herzrasen, Schwindel, Luftnot oder auch ein Druckgefühl in Hals und Brust. Diese Beschwerden sind unspezifisch und können naturgemäß auch andere Ursachen haben. Bestehen sie zeitgleich mit den oben angeführten psychischen Zeichen, können sie gleichwohl ein weiterer Hinweis auf eine depressive Erkrankung sein.
Depression ist ein Krankheitsbild mit vielen Gesichtern. Selbst wenn Sie bei sich Anzeichen fur eine depressive Erkrankung feststellen, heist das nicht unbedingt, dass Sie an einer Depression leiden.

DER ZWEI-FRAGEN-TEST
Ein einfacher Test kann den Verdacht auf eine depressive Storung erhärten: der sogenannte „Zwei-Fragen-Test“.
■ 1. Frage: Fühlten Sie sich im letzten Monat häufig niedergeschlagen, traurig, bedrückt oder hoffungslos?
■ 2. Frage: Hatten Sie im letzten Monat deutlich weniger Lust und Freude an Dingen, die Sie sonst
gerne tun?
Wenn Sie beide Fragen mit „Ja“ beantworten, ist es ratsam, sich an einen Arzt oder Psychotherapeuten zu wenden.

UNTERSUCHUNG
Wenn Sie einen Arzt oder Psychotherapeuten aufsuchen, wird dieser Sie in einem eingehenden Gesprach befragen. Vielleicht bittet er sie auch, Fragebögen auszufüllen. Dieses diagnostische Gesprach ist das wichtigste Instrument, um herauszufinden, ob Sie an einer Depression erkrankt sind und wie stark sie ausgeprägt ist. Je offener und genauer Sie antworten, desto besser kann Ihr Arzt oder Psychotherapeut dies feststellen. Das ist wichtig, denn die Behandlung richtet sich danach, wie schwer Sie möglicherweise erkrankt sind.

BEHANDLUNG
Man kann eine Depression in vielen Fallen gut behandeln. Fur die Behandlung stehen Medikamente –
sogenannte Antidepressiva –, psychotherapeutische Verfahren und weitere Möglichkeiten zur Verfügung, zum Beispiel Sport. Welche Behandlung fur Sie infrage kommt, hängt neben Ihrer Krankengeschichte auch von Ihren persönlichen Wünschen und Vorstellungen ab. Genaue Informationen über die einzelnen Behandlungsmöglichkeiten finden Sie z. B. in der Patienten-Leitlinie (siehe Hinweise am Ende) oder im persönlichen Gespräch auf unserer Depressionsstation.
WAS SIE SELBST TUN KÖNNEN
■ Der wichtigste Schritt ist der Gang zum Arzt oder Psychotherapeuten. Sie schämen sich vielleicht, mit Ihrer schlechten Stimmung nicht allein fertig zu werden. Dabei ist eine psychische Erkrankung wie
eine Depression, ebenso wie eine körperliche Erkrankung, keine Frage von Schuld: Niemand wurde
sich schämen, wegen Rückenschmerzen den Arzt aufzusuchen.
■ Manchmal kann es helfen, beim ersten Gang zum Arzt oder Psychotherapeuten einen Angehörigen
oder Freund mitzunehmen, der Sie gut kennt und dem Sie vertrauen. Er kann Sie unterstützen und
vielleicht bestimmte Veränderungen der Stimmung und des Antriebs bei Ihnen „von außen“ beschreiben.
■ Indem Sie sich in Behandlung begeben, haben Sie bereits einen wichtigen Schritt getan. Stellen Sie
sich darauf ein, dass eine solche Behandlung Zeit braucht. Bei vielen Betroffenen kommt es schon
nach zwei bis vier Wochen zu einer spürbaren Besserung. Bis Ihre depressive Episode abgeklungen
ist, kann es aber bis zu einem halben Jahr dauern.
■ Sie selbst konnen die Behandlung unterstützen. Sport und Bewegung sind sehr wichtig. Dabei müssen Sie weder Hochleistungen vollbringen noch sich unnötig anstrengen. Versuchen Sie, sich kleine erreichbare Ziele zu setzen: ein Spaziergang an der frischen Luft, eine kleine Tour mit dem Fahrrad. Wählen Sie das, was Sie gerne tun.
■ Auch andere kleine Aktivitaten können helfen: Ein Anruf bei einem Freund oder einer Freundin, eine
Verabredung, ein Gang zum Friseur oder ein selbstgekochtes Essen können kleine Erfolge sein.
■ Mit Unterstützung lassen sich Krisen leichter überwinden. Nehmen Sie die Gesprächs- und Unterstützungsangebote Ihres Partners, Ihrer Freunde oder Angehörigen an.
■ Vielleicht hilft es Ihnen, sich mit anderen Betroffenen auszutauschen. Andere haben eventuell ähnliche Erfahrungen gemacht und verstehen sehr gut, wie Sie sich gerade fühlen. Dann können Sie sich an eine Selbsthilfegruppe wenden. Dort sind Sie jederzeit willkommen. Man tauscht sich aus, macht sich Mut, man gibt sich konkrete Tipps. Reden hilft!





MEHR INFORMATIONEN

Depressionsstation der LWL-Klinik Dortmund (17/2)
Tel. 0231 4503 2476

Weiterführende Links
PatientenLeitlinie „Unipolare Depression“:
http://www.patienten-information.de/patientenleitlinien

Selbsthilfegruppen:
Wo Sie eine Selbsthilfegruppe in Ihrer Nahe finden, erfahren Sie bei der NAKOS (Nationale Kontakt- und
Informationsstelle zur Anregung und Unterstutzung von Selbsthilfegruppen): www.nakos.de, Tel.: 030 3101 8960
















Quellenverzeichnis:
Arztliches Zentrum fur Qualitat in der Medizin (AZQ)
Gemeinsames Institut von BAK und KBV
Telefon: 030 4005-2500 • Telefax: 030 4005-2555
E-Mail: patienteninformation@azq.de

Bundesarztekammer (BAK)
Kassenarztliche Bundesvereinigung (KBV)
Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF).