Die Bipolare Störung

Prof. Dr. Hans-Jörg Assion, Ärztlicher Direktor

Bipolare Störung

Die bipolare Störung hat viele Gesichter. Sie ist durch nacheinander auftretende depressive und manische Zustände gekennzeichnet. Auch Übergänge und Mischzuständen gibt es. Die Diagnose erfolgt durch die Bewertung von Krankheitszeichen. Wichtig sind Informationen der Betroffenen und Angehörigen über Beschwerden und Erlebnisse, Vorbehandlungen, Lebensereignisse, persönliche Eigenschaften und soziale Kontakte.

Krankheitszeichen
Depressive Verstimmung
• Vermindertes Interesse, weniger Freude
• Gefühle von Wertlosigkeit, Schuldgefühle
• Verminderter Schwung, weniger Entschlusskraft
• Schlaflosigkeit, Unruhe
• Müdigkeit und Energieverlust
• Konzentrationsstörung
• Gewichtsverlust oder –zunahme
• Körperbeschwerden
• Lebensüberdruss, Suizidgedanken

Manische Zustände
• gehobene oder gereizte Stimmung
• übersteigertes Selbstwertgefühl
• gesteigerte Betriebsamkeit
• Rededrang und viele Ideen
• erhöhte Ablenkbarkeit
• vermindertes Schlafbedürfnis
• Aktivitäten haben eventuell nachteilige Folgen

Diagnose
Bipolar affektive Störung (F31)
- Hypomanische Episode (F31.0)
- Manische Episode (F31.1, F31.2)
- mittelgradige oder leichte depressive Episode (F31.3)
- schwere depressive Episode (F31.4, 31.5)
- gemischte Episode (F31.6)

Typisches
In der Bevölkerung erkranken etwas weniger als 1 % an einer bipolaren Störung. Typischerweise beginnt die Erkrankung vor dem 20. Lebensjahr. Eine Besonderheit ist ein Verlauf mit häufigem Wechsel der Phasen („Rapid Cylcing“). Fachleute unterscheiden eine Bipolar I (Depression und Manie) von einer Bipolar II Störung (Depression und Hypomanie).

Verlauf
Ohne Behandlung ist zu erwarten, dass es zu neuen Krankheitsphasen kommt. Die depressiven Zustände überwiegen im Verlauf deutlich.

Behandlung
Die Behandlung der bipolaren Störung ist eine Herausforderung. Die (fach)ärztliche Behandlung ist zu empfehlen. Wichtig ist es, die akute Phase der Erkrankung zu beenden. Danach gilt es, neue Episoden zu verhindern. Dafür stehen Medikamente zur Verfügung. Um sich vor neuen Episoden zu schützen ist die langfristige Einnahme eines Medikaments (Prophylaxe) wichtig. Unterstützend sind Psychotherapie und Psychoedukation. Oft fehlt zu Beginn die Einsicht in die Krankheit - das verzögert den Heilungsprozess. Wichtig ist es, die Zeichen der Krankheit Ernst zu nehmen.

Hinweise
Die LWL-Klinik Dortmund hat eine Sprechstunde für bipolar Betroffene und bietet „Psychoedukation für Bipolare“ in der Ambulanz der AP 1 an.

Hinzuweisen ist auf Selbsthilfegruppen und Gruppen für Angehörige. Weitere Informationen geben Fachgesellschaften, wie die „Deutsche Gesellschaft für bipolare Störungen“ (www.dgbs.de).