Ulrich Zielke

Autismus

Ulrich Zielke, Oberarzt

Autismus

Die Häufigkeit autistischer Erkrankungen wird zwischen 4-5/10.000 und 112/10.000 angegeben. In den letzten 20 Jahren sind die Zahlen gestiegen, was mit vermehrter Aufmerksamkeit für diese Störugen einhergehen könnte.

Menschen mit Autismus sind nur eingeschränkt in der Lage, sich flexible an Situationen anzupassen. Insbesondere fällt es ihnen schwer, „zwischen den Zeilen zu lesen“, was andere Menschen gerade bewegt. Das hat unter anderem zur Folge, dass Abstimmungsprozesse in Begegnungen schwer fallen. Autisten neigen vermutlich zur Kompensation dieses Problems dazu, sehr rigide an Verhaltensritualen festzuhalten. Manchmal fragen sie auch unermüdlich nach kleinsten Details, um Abläufe verstehen zu können. Das führt in der Regel rasch zu Konflikten, und die Betroffenen werden zu Außenseitern.

Autismus beginnt in der Kindheit. Es gibt eine Form, die mit einer Entwicklungsverzögerung einhergeht, d. h. die Kinder lernen unter anderem die Sprache nur schlecht, diese Form heißt frühkindlicher oder Kanner-Autismus. Eine andere Form wird erst etwa im 4. Lebensjahr erkennbar, bis dahin ist die Entwicklung der Kinder im Wesentlichen ungestört, wenngleich es einige Frühsymptome gibt. Dieses Krankheitsbild heißt Asperger-Syndrom, und wird oft erst im Erwachsenenalter erkannt. Wenn das Krankheitsbild nicht komplett ausgeprägt ist, so spricht man vom Atypischen Autismus. Diese 3 Gruppen, Kanner-Autismus, Asperger-Syndrom und Atypischer Autismus bilden zusammen die Autismus-Spektrum-Störungen.

Für die Diagnose müssen Symptome aus folgenden Symptomgruppen vorliegen:

  1. Auffälligkeiten in der gegenseitigen Kommunikation: deutlich eingeschränkte Fähigkeit, die Körpersprache zur Kommunikation einzusetzen, wie etwa Vermeidung von Blickkontakt; Unfähigkeit, Interessen, Aktivitäten oder Gefühle altersgemäß mit Gleichaltrigen zu teilen; Mangel an Abstimmungsprozessen im Miteinander (kein angemessenes Eingehen auf das Gegenüber); Mangel, spontan Freude und Interessen mit anderen zu teilen.
  2. Relative Unfähigkeit, über Sprache einen angemessenen Kontakt aufzunehmen; stereotype Verwendung von Teilen der Sprache (unnötiges Wiederholen einzelner Sätze oder auch Themen); Mangel an Als-Ob-Spielen oder entsprechenden Phantasien.
  3. Begrenzte Verhaltensmuster, die wiederholt werden, erkennbar zum Beispiel an Spezialinteressen (etwa Fahrpläne); an zwanghafter Anhänglichkeit an Rituale (etwa immer die gleiche Sendung sehen müssen, egal in welcher Situation); an tic-artigen Bewegungen; an vorherrschender Beschäftigung mit Teil- oder Nebenaspekten von Spielmaterialien (Geruch, Oberflächenbeschaffenheit).

Die Behandlung von Erwachsenen mit Autismus-Spektrum-Störungen wird von spezialisierten Zentren durchgeführt.