Die Anpassungsstörung

Oberarzt Ulrich Zielke

Die Anpassungsstörung

Die Anpassungsstörung ist so etwas wie eine Erkältung der Seele. Die „Krankheitserreger“ sind dabei belastende Situationen. Das können körperliche Krankheiten sein wie z. B. ein Herzinfarkt, das können Konflikte sein, Trennungen oder auch Überlastungen. Wie der Name der Erkrankung schon andeutet, gelingt keine adäquate Anpassung an diese Belastungen.

Die Symptome sind dabei vielfältig, oft wird das Krankheitsbild durch eine depressive Symptomatik bestimmt. Angst, Reizbarkeit oder unangemessenes Verhalten können dazu kommen oder auch das Bild bestimmen. Im Unterschied zu den Diagnosen Depression oder Angst sind die Beschwerden entweder nicht sehr ausgeprägt, oder sie bestehen nur für kurze Zeit, Stunden oder Tage. Kurze und heftig kann die Anpassungsstörung etwa nach einem Partnerschaftsstreit sein. Es kann dann zu Suizidhandlungen kommen, die eine stationäre Aufnahme zur Folge haben können, insbesondere wenn Alkohol konsumiert wird, um den Ärger runterzuschlucken. Im Falle von Überlastungen oder schwereren Krankheiten kommt es eher zu längeren (bis 6 Monate), aber im Vergleich zur Depression oder Angst leichten Symptomen. Dazu gehört etwa auch das Konzept des Burn-Out.

Weil die Symptomatik so vielfältig und dabei meist gering ausgeprägt ist, gibt es kaum Daten zur Häufigkeit. Man schätzt, dass zwischen 10 und 30 % der ambulanten psychiatrischen Patienten diese Diagnose haben.

Die Therapie ist ähnlich wie bei einer Erkältung. Meist genügt es, sich eine Auszeit zu nehmen, Dinge zu tun, die einem gut tun, mit vertrauten Menschen zu reden und sich auf seine Stärken zu besinnen. Beachtet man das nicht oder ist man nicht gewohnt, zu diesen „Heilmitteln“ zu greifen, kann es schlimmer werden, also z. B. in eine Depression münden.