von links: Die Referenten des ersten Tages, Prof. Karl-Heinz Beine, Thomas Profazi, Dr. Patrick Debbelt, Prof. Hans-Jörg Assion, Ute Franz, Dr. Jakov Gather, Prof. Martin Heinze, Jörg Holke

Dortmund-Hemeraner Tage 2016

Ein herausragendes Programm

erwartete die Teilnehmer der 18. Dortmund-Hemeraner Tage am 08. und 09. Juni 2016 in der LWL-Kliniik Dortmund. "Freiheit ohne Wenn und Aber" war der Titel der zweitägigen Veranstaltung. Bereits am ersten Tag lösten die Vorträge leidenschaftliche aber auch nachdenkliche Diskussionen aus.

In seinen Begrüssungsworten stellte der Referatsleiter und
interne Vertreter des LWL-Krankenhausdezernenten des Landschaftsverbandes-Westfalen-Lippe, Thomas Profazi, völlig zurecht fest, dass das Thema nicht nur modern und auf der Höhe der aktuellen Diskussion ist, sondern die Veranstalter zudem ausgewiesene, internationale Fachleute aus unterschiedlichen Fachgebieten zum Thema geladen hatten. Psychiater, forensische Psychiater, aber auch Philosophen, Medizinethiker auch Religionswissenschaftler kamen zu Wort und lösten lebhafte, intensive, teils kontroverse Diskussionen aus, die selbst in den Pausen und nach der Veranstaltung nicht enden wollten. 

von links: Die Referenten des zweiten Tages; Prof. Klaus Hoffmann, Tilmann Hollweg, Dr. Patrick Debbelt, Ute Franz, Dr. Noetger Wolf, Prof. Asmus Finzen

Der zweite Tag des Symposiums nahm die Diskussionen des Vortages auf und vertiefte die Fragen, welche im Spannungsfeld von Selbstbestimmung, Freiheit und Zwang entstehen.

So stellte der Abtprimas des Benediktinerordens Badia Primizale S. Anselmo, Italien, die Verantwortung in den Fokus und benannte diese als Garant für die Freiheit des Inidividuums. Kritisch setzte er sich mit den Folgen der 68-er Bewegung auseinander und stellte fest, dass die Betonung der individuellen Freiheit allzuoft dazu geführt hat, die Menschen lebensunfähiger zu machen. Freiheit, so Notker Wolf, bedeute immer auch Verantwortung für sich und andere zu übernehmen.

Während  Michael Quante, Professor für Philosophie am Philosophischen Seminar der Westfälischen Wilhelms Universität, Münster die Freiheit philosophisch beleuchtete und den Gedanken aufwarf, ob die Infragestellung von Freiheit und Verantwortung überhaupt plausibel ist. Er führte zudem aus, welche Konsequenzen die empirischen Erkenntnisfortschritte für unsere ethische Praxis haben können.

Prof. Asmus Finzen stellte die Verbindung zum psychiatrischen Alltag her und zeigte in seinem Vortrag auf, dass Zwangsbehandlung sich oft zwischen Willkür und unterlassener Hilfeleistung bewegen kann.

Prof. Klaus Hoffmann, Medizinischer Direktor der Forensischen Psychiatrie am Zentrum für Psychiatrie in Reichenau, konstatierte, dass die Patientengruppe der Minderbegabten in der Forensik in Baden-Württemberg mehr als ein Drittel der forensichen Langzeituntergebrachten stellen. Er fragte, wieviel Freiheit bei minderbegabten Delinquenten verantwortlich und möglich ist und welche alternativen Versorgungsmöglichkeiten für Minderbegabte die bessere Alternative darstellen können.

Zwei Tage intensiver Auseinandersetzung über den Balanceakt zwischen Selbstbestimmung und Fürsorge in der Psychiatrie ließen Besucher wie Verantwortliche angeregt, nachdenklich aber auch sichtlich zufrieden über die gelungene Veranstaltung zurück.