Olaf Blumberg liest vor voll besetzten Rängen

Landhaus Lesung mit Olaf Blumberg

Seinen kleinen Dämon

nannte Olaf Blumberg seine Tourette-Besonderheit. Ja, Besonderheit will er seine Erkrankung genannt wissen, denn auf diese Weise gelingt den Betroffenen und auch alle anderen Menschen ein entspannter Zugang zum Tourette Syndrom. Syndrom, so Blumberg, das klingt nach Krankheit und Behinderung, der Begriff Besonderheit aber macht neugierig.

Zu Beginn der Lesung am 5. Mai 2015 erschrak der eine oder andere Zuhörer als Blumberg plötzlich und unvermittelt lautgrelle Schreie ausstieß, oder einen Fluch von sich gab, der so gar nicht in den Kontext einer Lesung passte. Blumberg forderte sein Auditorium ausdrücklich auf, seine Besonderheit mit Humor zu nehmen, sich das Lachen nicht zu verkneifen. 

So schilderte der Autor im ersten Teil der Lesung, seinen durchaus schwierigen Weg zur Akzeptanz seiner unheilbaren Erkrankung. Verstecken und Vermeiden war eine seiner ersten Strategien. Die lauten Bremsgeräusche einer in den Bahnhof einfahrenden U-Bahn entspannte ihn genauso, wie laute Disko-Musik. In solchen Situationen gab er seinen Tics, die ihn in ruhiger Umgebung auffällig erscheinen liessen, freien Lauf, ohne  mit verwunderten Blicken seiner Umwelt konfrontiert zu werden.

Blumberg entspannt in der Lesepause

Mit der Akzeptanz der eigenen Erkrankung wurde er offener, ja offensiver. Ihm gelang ein humorvoller Zugang zu seiner Besonderheit.

Sein lebendiger, spontaner Humor riss am Leseabend seine Zuhörerinnen und Zuhörer mit. Blumbergs Landhaus Lesung, in der viel und ausgiebig gelacht wurde, geriet zu einem brillianten, unterhaltsamen und informativen Leseabend - und die mitunter plötzlichen und hellgrellen Ausrufe des Autors blieben  Nebensache, wurden schließlich nicht mehr wahrgenommen. Kein Wunder, dass sich der voll besetzte Saal nicht leeren wollte und sich eine interessierte Diskussion entwickelte.

Dieser Mann beherrscht seine Besonderheit.