Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Psychiatrie sind während ihres Arbeitsalltages regelmäßig mit Menschen konfrontiert, die krankheits- und situationsbedingt unter Stress stehen. Diese Menschen zeigen evt. auch eine höhere Bereitschaft zu aggressiven und unkontrollierten Verhaltensweisen bis hin zur Selbst- und Fremdgefährdung. Dies bedingt wiederum Stress bei Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die deshalb für solche Situationen in besonderer Weise geschult sein müssen. Es kann begründet vermutet werden, dass gewalt- und konfliktpräventives Verhalten in solchen Situationen nicht nur die einzelne Situation an sich zufriedenstellender gestaltet und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vor Übergriffen schützt, sondern die Behandlung auch durch die Patientinnen und Patienten konfliktärmer erlebt wird und somit nachhaltig zur Verbesserung des Stationsmilieus beiträgt.
Im Jahr 1998 entwickelte sich eine erfreuliche Zusammenarbeit mit der Polizeidirektion Münster, die jahrelange Erfahrungen mit Deeskalationstechniken sowie Schutztechniken hatte und diese für ihre Beschäftigten zusammenstellte, vermittelte und evaluierte. Nachdem mit den Trainern der Polizei die Inhalte für die Klinik konkretisiert und eingegrenzt wurden, führten diese viermal ein dreitägiges Seminar mit jeweils 16 Teilnehmern, vorrangig von den geschützten Stationen der LWL-Klinik Münster, mit sehr gutem Ergebnis durch. Der LWL-Klinik Münster ist es im ersten Schritt wichtig, dass Gewaltsituationen erst gar nicht aufkommen, eine Eskalation möglichst vermieden werden kann. Sollte es doch zu einem Übergriff kommen, so müssen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erst im zweiten Schritt erlernen, wie solche Situationen beherrscht und gesteuert werden können und wie man sich dabei am besten schützt.
Aufgrund enger personeller Ressourcen der Polizei und den nicht unerheblichen Kosten für die LWL-Klinik Münster wurde im Jahre 2000 eine Trainerausbildung für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Kliniken gemeinsam mit der Polizei erarbeitet, so dass die Kliniken die Präventionsschulungen selbständig durchführen können. Diese Trainerausbildungen fanden bisher siebenmal mit jeweils durchschnittlich zehn Teilnehmern statt.
Die Trainerausbildung umfasst zwei Elemente.
Die LWL Klinik Münster hat bisher für sich ausreichend Trainer ausgebildet. Diese werden mittlerweile auch von anderen Einrichtungen angefordert, was aus Sicht der Klinik wünschenswert ist, da auf diese Weise die Trainer ständig praktische Erfahrungen sammeln.
Deeskalationstrainer/-innen/Schutztechnikentrainer/-innen:
Elisabeth Sycha-Nergert, Stationen 15.2, 15.3, Suchtambulanz
Heike Voß, Station 15.2
Rainer Heckendorf, Station 16.1
Julius Piehl, Stationen 25.2 und 26.4
__
Heinz Geldermann, Schule, Deeskalationstrainer
Markus Glaß, Station 15.1, Schutztechnikentrainer
Daniela Deußing, Station 17.1, Schutztechnikentrainerin
Matthias Mohring, Station 17.2, Schutztechnikentrainer
Carolin Ahlers, Station 21.2, Schutztechnikentrainer
__
In-Ausbildung Deeskalation, Schutztechniken:
Sandra Schaffasch, Schule
Robert Schmitz, Station 26.1
__
Die Trainerausbildungen werden von der Klinik unter der Voraussetzung für externe Teilnehmer weiter angeboten, dass mindestens acht Teilnehmer für einen Kurs angemeldet werden.
Mindestens dreimal jährlich werden in der Klinik dreitägige Seminare zur Gewaltprävention für alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter angeboten. Es schließt sich ein Tag zum Erlernen der Schutztechniken an. Dieses Seminar ist auch für externe Teilnehmer offen, die mittlerweile mehr als 25% aller Teilnehmer ausmachen. Das Seminar wird ebenfalls in jedem 1. Ausbildungsjahr der Krankenpflegeschule angeboten.
Jeden dritten Donnerstag eines Monats bieten die Trainer für alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die das Seminar zur Gewaltprävention durchlaufen haben, eine Auffrischung der Schutztechniken in der Sporthalle für 2 Stunden an. Erfahrungen haben gezeigt, dass diese Techniken ständig eingeübt werden müssen, da sonst deren Anwendung unsicher wird. Diese Auffrischung der Techniken ist mittlerweile zur Pflichtfortbildung erklärt worden, die alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Pflege nach spätestens drei Jahren absolviert haben müssen.
Besonders belastende Situationen auf einzelnen Stationen (massive Fremdgefährdung bis hin zu Übergriffen, aber auch umfangreichere Selbstverletzung bis zum Suizid) werden mit einzelnen Trainern möglichst zeitnah im Team besprochen. Hier gilt der Grundsatz der möglichst frühen Intervention, da eine frühzeitige Aufarbeitung Schuldgefühle reduziert, psychische Folgeschäden vermieden bzw. vermindert werden und im Bedarfsfall weiterführende Hilfen schnell vermittelt werden können. Es ist auch ein Ziel, aufgrund der gemachten Erfahrungen, Verbesserungspotentiale am aktuellem Beispiel in Bezug auf Kommunikation, Organisation und evtl. Handhabung von Schutztechniken zu erkennen.
Die Stationen melden sich bei einem Trainer nach einem Zwischenfall bzw. die zuständige Abteilungsleitung involviert diesen unverzüglich nach der Kenntnisnahme. Die Trainer sprechen sich untereinander ab und gehen eigenaktiv auf die Stationen bzw. einzelne Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu. Sollten einzelne der betroffenen Mitarbeiterinnen oder Mitarbeiter nicht angetroffen werden, so ist telefonisch Kontakt aufzunehmen bzw. ein Besuch abzustatten.
Wenn einzelne Mitarbeiterinnen oder Mitarbeiter den Wunsch nach einer externen psychotherapeutischen Beratung oder Behandlung äußern, wird dies von der Klinik unterstützt. Die Klinik hat mit drei niedergelassenen Psychotherapeuten Absprachen über eine bevorzugte Berücksichtigung und kurzfristige Terminvergabe (innerhalb von 2 Wochen) getroffen. Selbstverständlich ist auch die Wahl anderer Therapeuten möglich.
Die drei kooperierende Praxen sind:
Dipl. Psych. Dr. Christa Franke, MS, Uppenbergstr. 16, Tel.: 297 587
Dipl. Psych. Helga Koch, MS, Windhoststr. 68, Tel.: 482 8778
Dr. Cornelia Hartmann-Jansen, MS, Brüggefeldweg 30a, Tel.: 861 200
Nach Rücksprache mit dem Chefarzt der Abteilung oder der Abteilungsleitenden Pflegekraft können Mitarbeiter kurzfristig psychologische Betreuung in Anspruch nehmen. Die Unfallkasse NRW übernimmt unbürokratisch die Kosten für fünf Sitzungen, ggf. auch länger, wenn ein entsprechender Bedarf besteht und der Zusammenhang mit dem belastenden Ergebnis eindeutig ist.
Für die Kostenbeantragung werden folgende Bescheinigungen benötigt: