Fachinformationen

Krankheitsbilder

Hier erhalten Sie nähere Informationen zu Krankheitsbildern, die in der LWL-Klinik Marsberg behandelt werden.

Angststörungen

Bei diesen Störungen stellen Manifestationen von unrealistischer bzw. übermäßig ausgeprägter Angst die Hauptsymptomatik dar. Mit Ausnahme der Trennungsangststörung ist die Angst jedoch nicht, wie bei den phobischen Störungen , auf bestimmte Objekte bzw. Situationen begrenzt. Depressive und Zwangssymptome, sogar einige Elemente phobischer Angst, können vorhanden sein, vorausgesetzt, sie sind eindeutig sekundär oder weniger ausgeprägt.

Panikstörung
Auftreten wiederkehrender, ausgeprägter Angstattacken, die sich nicht auf eine spezifische Situation oder besondere Umstände beschränken, nicht vorhersehbar sind und deshalb zu Erwartungsangst führen können.

Generalisierte Angststörung
Frei flottierende, anhaltende Angst mit vielfältigen, insbesondere vegetativen Symptomen; im Kindes- und Jugendalter häufig weniger typische Beschwerden und spezifische vegetative Symptome (andere emotionale Störung des Kindesalters, Störung mit Überängstlichkeit.

Angst und depressive Störung, gemischt
Gleichzeitiges Bestehen von Angst und Depression, ohne dass eine der beiden Störungen überwiegt. Die Symptome erfüllen nicht die Kriterien einer Angst- oder depressiven Störung.

Sonstige gemischte Angststörungen
Gleichzeitiges Bestehen von generalisierter Angststörung und Merkmalen einer neurotischen, Belastungs- oder somatoformen Störung , deren Kriterien jedoch nicht vollständig erfüllt sind. In dieser Kombination treten am häufigsten Symptome einer Zwangsstörung, einer dissoziativen Störung, von Somatisierungsstörungen oder einer hypochondrischen Störung auf.

Emotionale Störung mit Trennungsangst des Kindesalters
Angst vor der Trennung von wichtigen Bezugspersonen, die erstmals während der ersten Lebensjahre auftritt und durch außergewöhnlichen Schweregrad sowie abnorme Dauer zu einer Beeinträchtigung sozialer Funktionen führt.

Leitsymptome
Die Symptomatik muss primäre Manifestation der Angst sein.

Panikstörung

  • Auftreten wiederholter Panikattacken mit weitgehend angstfreien Intervallen
  • Eine Panikattacke ist eine klar abgrenzbare Episode von intensiver Angst oder Unbehagen, bei der die nachfolgend genannten Symptome abrupt auftreten und innerhalb weniger Minuten ein Maximum erreichen können: Herzklopfen, Schwitzen, Zittern, Mundtrockenheit, Erstickungsgefühl, Hyperventilation, Brustschmerz oder Beklemmungsgefühl, Übelkeit oder Magen-Darm-Beschwerden, Schwindel, Entfremdungsgefühle (Derealisation oder Depersonalisation), Angst, die Kontrolle zu verlieren oder verrückt zu werden, Angst zu sterben, Hitzegefühle oder Kälteschauer, Parästhesien.
  • Die intensive Angst führt meist zum fluchtartigen Verlassen des Ortes.
  • Die einzelnen Anfälle dauern meist nur wenige Minuten.
  • Die Situation, in der eine Panikattacke auftritt, wird danach häufig vermieden.
  • Einer Panikattacke folgt meist die ständige Furcht vor einer erneuten Attacke.

Generalisierte Angststörung

  • Das wesentliche Symptom ist eine generalisierte und anhaltende Angst, die sich aber nicht auf bestimmte Situationen in der Umgebung beschränkt, sondern frei flottiert.
  • Symptome von Angst treten an den meisten Tagen über eine Dauer von mindestens mehreren Wochen auf: Befürchtungen (übertriebene Sorgen bezüglich alltäglicher Ereignisse und Probleme wie die Schul- oder Arbeitssituation; Sorgen über zukünftiges Unglück; Schwierigkeiten, die Sorgen zu kontrollieren; Konzentrationsschwierigkeiten, Nervosität).
  • Symptome der Anspannung (Muskelverspannung, akute und chronische Schmerzen, körperliche Unruhe, Zittern, Unfähigkeit zum Entspannen)
  • Vegetative Übererregbarkeit (Tachykardie, Tachypnoe, Schwitzen, Schwindel, Benommenheit, Mundtrockenheit, Oberbauchbeschwerden)
  • Bei Kindern herrschen oft das Bedürfnis nach Beruhigung und somatische Beschwerden vor.

Angst und depressive Störung, gemischt

  • Vorhandensein von Angst und Depression in milder Ausprägung, ohne Vorherrschen des einen oder anderen
  • Zumindest vorübergehendes Auftreten von vegetativen Symptomen
  • Die Symptome erfüllen weder die Kriterien einer Angst- noch einer depressiven Störung.

Emotionale Störung mit Trennungsangst des Kindesalters

  • Unrealistische und anhaltende Besorgnis, der Bezugsperson könne etwas zustoßen oder der/die Betroffene könne durch unglückliche Ereignisse von der Bezugsperson getrennt werden
  • Andauernder Widerwille oder Weigerung, zur Schule/zum Kindergarten zu gehen, um bei der Bezugsperson oder zu Hause bleiben zu können
  • Anhaltende Abneigung oder Weigerung, ohne Beisein einer engen Bezugsperson oder weg von zu Hause schlafen zu gehen
  • Anhaltende, unangemessene Angst davor, allein oder ohne eine Hauptbezugsperson zu Hause zu sein
  • Wiederholte Alpträume, die Trennung betreffend
  • Wiederholtes Auftreten somatischer Symptome (Übelkeit, Bauchschmerzen, Erbrechen oder Kopfschmerzen) vor oder während der Trennung
  • Extremes und wiederholtes Leiden in Erwartung, während oder unmittelbar nach der Trennung von einer Hauptbezugsperson (z.B. Unglücklichsein, Schreien, Wutausbrüche, Anklammern).

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Belastungs- und Anpassungsstörungen

Akute Belastungsreaktion
Es handelt sich um eine vorübergehende Störung von beträchtlichem Schweregrad, die als Reaktion auf eine außergewöhnliche körperliche und/oder seelische Belastung auftritt und im Allgemeinen innerhalb von Stunden oder Tagen abklingt, längstens innerhalb von 4 Wochen.

Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS)
Es handelt sich um eine verzögerte oder protrahierte Reaktion auf ein belastendes Ereignis oder eine Situation außergewöhnlicher Bedrohung. Die Störung folgt dem Trauma mit einer Latenz, die Wochen oder Monate (selten mehr als 6) dauern kann.

Anpassungsstörungen
Es handelt sich um Zustände von subjektivem Leid und emotionaler Beeinträchtigung, die soziale Funktionen und Leistungen behindern und während des Anpassungsprozesses nach einer entscheidenden Lebensveränderung auftreten. Die Störung beginnt im Allgemeinen innerhalb eines Monats nach dem belastenden Ereignis und hält meist nicht länger als 6 Monate an.

Leitsymptome:

Als primäre Kausalfaktoren sind außergewöhnlich belastende Lebensereignisse oder Veränderungen im Leben vorhanden.

Akute Belastungsreaktion

  • Gemischtes und gewöhnlich wechselndes Bild mit Dissoziation, Derealisation, Depression, Angst, Ärger, Verzweiflung, Hyperaktivität und Rückzug; bei Kindern auch regressive Phänomene, Anklammern, Mutismus.
  • Kein Symptom ist längere Zeit vorhanden.
  • Rasche Remission, längstens innerhalb von wenigen Stunden, wenn eine Entfernung aus der belastenden Umgebung möglich ist. Ansonsten klingen die Symptome in der Regel nach 24-72 Stunden ab (ICD-10) und sind gewöhnlich nach 3 Tagen nur noch minimal vorhanden.

Posttraumatische Belastungsstörung
Grundlegende Dimensionen der Symptomatik sind die 3 Faktoren Wiedererleben (z.B. in Form von Intrusionen), Vermeidung (aktive Vermeidung von Schlüsselreizen oder -situationen oder passive Vermeidung von emotionaler Belastung), oft begleitet von emotionaler Taubheit oder emotional negativen Aktivitäten und Rückzug, sowie autonome Übererregung.

  • Auftreten innerhalb von 6 Monaten nach einem traumatischen Ereignis ungewöhnlicher subjektiver Schwere und Bedrohlichkeit (des eigenen Lebens/der eigenen Gesundheit oder des Lebens einer nahen Bezugsperson), selten auch - mit längerer Latenz und ggfs. erneutem Auslöser - später
  • Wiederholte unausweichliche Erinnerung oder Wiederinszenierung der Ereignisse in Gedächtnis, Tagträumen, Traum (bei Kindern auch unspezifische Albträume), Spiel (erfordert sorgfältige Beobachtung)
  • Häufig deutlicher emotionaler und sozialer Rückzug, Gefühlsabstumpfung, Vermeidung von Reizen, die eine Wiedererinnerung an das Trauma hervorrufen könnten; Interessenverlust
  • Vegetative Störungen, (Schlafstörungen, Hypervigilanz), Schreckhaftigkeit, Übererregtheit
  • Beeinträchtigungen der Stimmung (oft: Depression, Angst, bei Kleinkindern auch aggressive Erregungszustände) tragen zur Diagnosestellung bei.

Die Diagnose hängt ab von einer sorgfältigen Bewertung der Beziehung zwischen

  • Art, Inhalt (v.a. bei Jugendlichen) und Schwere der Symptome
  • Anamnese und Persönlichkeit sowie belastendem Ereignis
  • Die Störung wäre ohne das belastende Ereignis nicht aufgetreten.

Anpassungsstörungen

  • Die Symptomatik äußert sich in emotionalen Störungen (Depressive Stimmung und/oder Angst, Sorge) mit sekundären sozialen Beeinträchtigungen, dem Gefühl der Überforderung und/oder in Störungen des Sozialverhaltens
  • Die Diagnose hängt ab von einer sorgfältigen Bewertung der Beziehung zwischen
  • Art, Inhalt und Schwere der Symptome
  • Anamnese und Persönlichkeit im Sinne einer Vulnerabilität sowie
  • belastendem Ereignis, Situation oder Lebenskrise (Beispiele: erlebte Trennung oder Tod, schwere Erkrankung, Umzug/Migration, Ein- und Umschulung), die Situation kann auch positive Ereignisse betreffen (z.B. Erreichen einer Auszeichnung, Schulabschluss).
  • Die Störung wäre ohne das Ereignis nicht aufgetreten.

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Bindungsstörungen

Die Bindungsstörungen des Kindes gehören gemäß ICD-10 zu einer heterogenen Gruppe gestörter sozialer Funktionen. Sie beginnen in den ersten 5 Lebensjahren und sind nicht durch eine offensichtliche konstitutionelle Beeinträchtigung oder Defizite aller sozialen Funktionen charakterisiert. Vermutlich spielen schwerwiegende Milieuschäden oder Deprivation eine entscheidende Rolle in der Pathogenese. Umschriebene Entwicklungsstörungen kommen häufig vor; es handelt sich dabei oft um kombinierte Entwicklungsstörungen. Primär organische Ursachen und/oder tiefgreifende Entwicklungsstörungen liegen nicht vor. Manchmal finden sich Wachstums- und Gedeihstörungen.


Leitsymptome:

Reaktive Bindungsstörung des Kindesalters

Störungen der sozialen Funktionen

  • Abnormes Beziehungsmuster zu Betreuungspersonen mit einer Mischung aus Annäherung und Vermeidung und Widerstand gegen Zuspruch
  • Eingeschränkte Interaktion mit Gleichaltrigen
  • Beeinträchtigung des sozialen Spielens
  • Gegen sich selbst und andere gerichtete Aggressionen

Emotionale Auffälligkeiten

  • Furchtsamkeit
  • Übervorsichtigkeit
  • Unglücklichsein
  • Mangel an emotionaler Ansprechbarkeit
  • Verlust/Mangel an emotionalen Reaktionen
  • Apathie
  • "frozen watchfulness"

Bindungsstörung des Kindesalters mit Enthemmung

Störungen der sozialen Funktionen

  • Inadäquate Reaktionen auf Beziehungsangebote von fremden Bezugspersonen
  • Nicht selektives Bindungsverhalten mit wahlloser Freundlichkeit und Distanzlosigkeit
  • Gleichförmige Interaktionsmuster gegenüber Fremden
  • Eingeschränkte Interaktion mit Gleichaltrigen
  • Beeinträchtigung des sozialen Spielens
  • Gegen sich selbst und andere gerichtete Aggressionen
  • Emotionale Auffälligkeiten stehen nicht im Vordergrund, kommen aber vor.

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Entwicklungsstörungen (tief greifende)

Frühkindlicher Autismus

  • Tief greifende, meist wahrscheinlich genetisch bedingte Entwicklungsstörung
  • Manifestation vor dem vollendeten dritten Lebensjahr
  • Persistiert während der gesamten Lebenszeit

Das Asperger-Syndrom sowie der atypische Autismus umfassen Teilaspekte des frühkindlichen Autismus.

Rett-Syndrom: Beginn erst nach normaler Entwicklungsperiode mit Sprach- und Kommunikationsstörungen, neurologischen Koordinationsstörungen und charakteristischen stereotypen Handbewegungen (fast nur Mädchen betroffen).

Sonstige desintegrative Störung des Kindesalters: Zunächst normale Entwicklung, dann bleibender Verlust erworbener Fertigkeiten der Sprache, der gegenseitigen sozialen Interaktion und Kommunikation (s. Autismus) sowie stereotype Verhaltensmuster.

Hyperaktive Störung mit Intelligenzminderung und Bewegungsstereotypien: Exzessive Aktivität, Stereotypien, Selbstbeschädigung, intellektuelle Behinderung.


Leitsymptome:

Für die Diagnosestellung des frühkindlichen Autismus sind folgende Symptome wesentlich:

Qualitative Auffälligkeiten der gegenseitigen sozialen Interaktion

  • Unfähigkeit, soziale Interaktionen durch nichtverbales Verhalten zu regulieren (Blickkontakt, soziales Lächeln, subtiles Mienenspiel, mimischer Ausdruck von Gefühlen; interaktionsbegleitendes Mienenspiel fehlt weitgehend)
  • Unfähigkeit, Beziehung zu Gleichaltrigen aufzunehmen (ausgeprägter Mangel an Interesse an anderen Kindern, an Phantasiespielen mit Gleichaltrigen; fehlende Reaktion auf Annäherungsversuche anderer; Unfähigkeit, Freundschaft einzugehen)
  • Mangel an Aufmerksamkeit oder Freude, die mit anderen geteilt wird (andere werden nicht auf Dinge gelenkt, um sie daran zu interessieren)
  • Mangel an sozio-emotionaler Gegenseitigkeit (Annäherungsversuche des Kindes und seine Reaktionen in sozialen Situationen sind unangemessen oder unpassend; Gefühlsäußerungen, wie jemanden zu trösten, fehlen; andere Personen scheinen wie Gegenstände benutzt zu werden).

Qualitative Auffälligkeit der Kommunikation und Sprache

  • Bei der Hälfte der Kinder (in neueren Studien evtl. nur 1/3) mit frühkindlichem Autismus entweder keine oder unverständliche Sprache
  • Keine Kompensation der mangelnden Sprachfähigkeiten durch Mimik oder Gestik, kein spontanes Imitieren der Handlungen anderer, insbesondere bei Kindern unter 4 Jahren, später kein spontanes oder phantasievolles Spielen bzw. Symbolspielen
  • Stereotype, repetitive oder idiosynkratische sprachliche Äußerungen (neologische Wortbildungen, Vertauschung der Personalpronomina, verzögerte Echolalie, kein sprachlicher Austausch im Sinne einer informellen Konversation).

Repetitive, restriktive und stereotype Verhaltensmuster

  • Ausgedehnte Beschäftigung mit stereotypen, ungewöhnlichen Handlungen und eng begrenzten Spezialinteressen (zwanghaftes Festhalten an nicht funktionalen Handlungen oder Ritualen, extrem ängstliche oder beunruhigte Reaktion beim Unterbrechen dieser Handlungen)
  • Stereotype und repetitive motorische Manierismen (Drehen oder Flackern der Finger vor den Augen, Schaukeln, Auf-und-ab-Hüpfen)
  • Beschäftigung mit Teilobjekten oder nicht funktionellen Elementen von Gegenständen (ungewöhnliches Interesse an sensorischen Teilaspekten wie am Anblick, Berühren, an Geräuschen, am Geschmack oder Geruch von Dingen oder Menschen).

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Untergruppen

Asperger-Syndrom

  • Qualitative Beeinträchtigung der gegenseitigen sozialen Interaktion
  • Begrenzte, repetitive und stereotype Verhaltensmuster, Interessen und Aktivitäten
  • Es fehlt eine klinisch eindeutige, allgemeine und schwerwiegende Verzögerung der gesprochenen oder rezeptiven Sprache und/oder der kognitiven Entwicklung.
  • Die Kommunikationsstörung wird im ICD-10 nicht erwähnt; sie stellt aber eine bedeutsame Beeinträchtigung dar und wird nicht durch die gute Sprachfähigkeit kompensiert.
  • Die kommunikativen und sprachlichen Fähigkeiten sind in den ersten 3 Lebensjahren unauffällig.

Atypischer Autismus
Auffällige oder beeinträchtigte Entwicklung entsprechend den Autismus-Kriterien, jedoch kann das Manifestationsalter nach dem dritten Lebensjahr liegen, und/oder nicht alle Störungsbereiche entsprechen der Definition des Autismus (atypisches Erkrankungsalter und/oder atypische Symptomatik).

Rett-Syndrom

  • Nach eindeutig normaler Entwicklung Abnahme des Kopfwachstums zwischen dem fünften Lebensmonat und vierten Lebensjahr
  • Gleichzeitig Verlust der erworbenen zielgerichteten Handbewegungen zwischen fünftem und dreißigstem Lebensmonat
  • Gleichzeitig Kommunikationsstörung mit beeinträchtigter sozialer Interaktion und Störungen der Koordination beim Gang und den Rumpfbewegungen
  • Verlangsamung mit Störung der expressiven und rezeptiven Sprache
  • Stereotype Handbewegungen vor dem Körper
  • Nur das weibliche Geschlecht ist betroffen.

Sonstige desintegrative Störungen

  • Verlust erworbener Fertigkeiten nach normaler Entwicklung in den ersten 2 Jahren
  • Auffälligkeiten der gegenseitigen sozialen Interaktion und der Kommunikation, Auftreten stereotyper Verhaltensmuster und Interessensverlust an der Umwelt
  • Störungen in der expressiven und rezeptiven Sprache, im Spiel und in den sozialen Fertigkeiten
  • Nicht alle Gebiete müssen gleichzeitig betroffen sein, wesentlich ist der Abbau erworbener Fähigkeiten.

Überaktive Störung mit Intelligenzminderung und Bewegungsstereotypien

  • Motorische Ruhelosigkeit und exzessive Aktivitäten, oft in unangemessenen Situationen
  • Repetitives und stereotypes Verhalten
  • Die soziale Interaktionsfähigkeit, die Kommunikationsfähigkeit und die Kontaktaufnahme zu anderen Personen sind nicht beeinträchtigt.
  • Intellektuelle Fähigkeiten im mittleren geistigen Behinderungsbereich oder darunter.

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Essstörungen

Da die Essstörungen beim weiblichen Geschlecht deutlich häufiger als beim männlichen auftreten, wird im Folgenden von Patientinnen gesprochen. Die Leitlinien beziehen sich aber auch auf Jungen bzw. junge Männer.

Anorexia nervosa
Selbst verursachter bedeutsamer Gewichtsverlust, Beibehaltung eines für das Alter zu niedrigen Körpergewichtes oder unzureichende altersentsprechende Gewichtszunahme, die mit der überwertigen Idee einhergeht, trotz Untergewicht zu dick zu sein. Der Häufigkeitsgipfel liegt bei 14 Jahren.

Bulimia nervosa
Häufig auftretende Essattacken gefolgt von dem Versuch, dem dick machenden Effekt der Nahrung durch unterschiedliche Verhaltensweisen (Erbrechen, Laxantienabusus, Fasten etc.) entgegenzuwirken vor dem Hintergrund einer krankhaften Furcht, zu dick zu werden bzw. zu sein. Der Häufigkeitsgipfel der Störung liegt bei 18-20 Jahren.


Leitsymptome:

Anorexia nervosa
Körpergewicht unterhalb 85% des zu erwartenden Gewichtes (Body-Mass-Index < 10. BMI-Perzentile).

  • Absichtliche Gewichtsabnahme, unzureichende Gewichtszunahme oder Bestehen auf einem für das Lebensalter zu niedrigen Körpergewicht
  • Gewichtsphobie
  • Vermeidung hochkalorischer Speisen oder fast vollständiger Verzicht auf Nahrung und/oder Beschränkung auf spezifische Lebensmittel (z.B. Vegetarismus)
  • Extrem langsames und auffälliges Essverhalten, Rituale beim Essen, Horten von Lebensmitteln
  • Ggf. Erbrechen und/oder Laxantienabusus und/oder Missbrauch anderer Substanzen zur Gewichtsreduktion
  • Exzessive Gewichtskontrollen (z.B. mehrfach tägliches Wiegen)
  • Übertriebene körperliche Aktivität, die von einigen Patientinnen wie ein Zwang erlebt wird
  • Mangelnde Krankheits- und Behandlungseinsicht
  • Überbewertung von Figur und Gewicht
  • Amenorrhö über mindestens 3 aufeinander folgende Zyklen (gilt nicht bei medikamentöser Hormonsubstitution) als Zeichen der Starvation (nicht zwingend)
  • Libidoverlust
  • Somatische Folgen des Hungerns (s.u.).

Bulimia nervosa

  • Wiederholte "objektive" Essattacken, bei denen große Nahrungsmengen konsumiert werden
  • Sehr häufig Erbrechen im Anschluss an Essattacken
  • Ggf. Missbrauch von Laxantien und/oder Diuretika und/oder Appetitzüglern und/oder anderen Medikamenten zur Gewichtsreduktion
  • Episoden restriktiver Nahrungszufuhr und/oder körperlicher Hyperaktivität
  • Ggf. Menstruationsstörungen
  • Überbewertung von Figur und Gewicht (s.o.)
  • Bei einem Teil der Patientinnen zusätzliche Störung der Impulskontrolle:
  • Ladendiebstähle (in der Mehrzahl Nahrungsmittel)
  • Alkohol-, Tabletten-, Drogenabusus
  • Unkontrolliertes Geldausgeben
  • Selbstverletzendes Verhalten.

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Depressive Episoden

Es handelt sich um eine mindestens 2 Wochen andauernde Störung mit gedrückter Stimmung, Verlust von Freude und Interesse und erhöhter Ermüdbarkeit. Die Symptomatik ist vielfältig, z.T. altersabhängig und wenig situationsgebunden. Somatische und/oder psychotische Symptome können zusätzlich vorhanden sein.
Nach der ICD-10 wird für die Symptomatik einer depressiven Episode eine Dauer von mindestens 2 Wochen gefordert. Kürzere Zeiträume können berücksichtigt werden, wenn die Symptome ungewöhnlich schwer oder schnell auftreten.
Die Leitsymptome drücken sich in emotionalen und vegetativ-körperlichen Störungen aus, wobei die ersten drei für die Diagnosestellung immer vorhanden sein müssen:

  • Gedrückte Stimmung ohne deutliche Abhängigkeit von bestimmten Lebensumständen
  • Verlust von Interesse oder Freude
  • Erhöhte Ermüdbarkeit
  • Verlust von Selbstvertrauen oder Selbstwertgefühl
  • Unbegründete Selbstvorwürfe
  • Wiederkehrende Gedanken an den Tod oder an Suizid oder suizidales Verhalten
  • Änderung der psychomotorischen Aktivität (Agitiertheit oder Hemmung), verminderter Antrieb
  • Kopfschmerzen, gastrointestinale Beschwerden
  • Schlafstörungen (typisch sind Ein- und Durchschlafstörungen sowie Früherwachen)
  • Störungen des Appetits
  • Vermindertes Denk- oder Konzentrationsvermögen.

Zu beachten sind entwicklungs- und altersabhängige Symptome bzw. die Veränderungen, die sich im Vergleich zur an Erwachsenen erhobenen Leitsymptomatik ergeben.

Die aus dem Erwachsenenalter bekannte Schweregradeinteilung ist vor allem nach der Pubertät auch im Jugendalter weitgehend gültig. Für das Kindesalter gibt es noch keine einheitliche Schweregradeinteilung; sie erfolgt v.a. nach dem klinischen Bild der Beeinträchtigung. Aufgrund des heterogenen Erscheinungsbildes sind im Einzelfall die Ausprägungen der Symptomatik abzuwägen.
Im Jugendalter gelingt meist eine Annäherung an die ICD-10-Einteilung der Erwachsenen:
Die depressiven Episoden werden jeweils in leicht, mittelgradig und schwer unterteilt.
Bei der leichtgradigen Störung kann der Betreffende unter Schwierigkeiten seine normalen schulischen und sozialen Aktivitäten fortsetzen, eine mittelgradige Störung führt zu erheblichen Schwierigkeiten bei sozialen, häuslichen und schulischen Aufgaben. Eine schwere episodische oder rezidivierende depressive Störung führt zu einer sehr begrenzten Fortführung oder zu dem völligen Erliegen der allgemeinen Aktivitäten.

Veränderung der Symptome im Entwicklungsverlauf

Im Kleinkindalter (1-3 Jahre)

  • wirkt traurig
  • ausdrucksarmes Gesicht
  • erhöhte Irritabilität
  • gestörtes Essverhalten
  • Schlafstörungen
  • selbststimulierendes Verhalten: Jactatio capitis, exzessives Daumenlutschen
  • genitale Manipulationen
  • auffälliges Spielverhalten: reduzierteKreativität und Ausdauer
  • Spielunlust
  • mangelnde Phantasie

Im Vorschulalter (3-6 Jahre)

  • trauriger Gesichtsausdruck
  • verminderte Gestik und Mimik
  • leicht irritierbar und äußerst stimmungslabil
  • mangelnde Fähigkeit, sich zu freuen
  • introvertiertes Verhalten, aber auch aggressives Verhalten
  • vermindertes Interesse an motorischen Aktivitäten
  • Eßstörungen bis zu Gewichtsverlust/-zunahme
  • Schlafstörungen: Alpträume, Ein- und Durchschlafstörungen

Bei Schulkindern

  • verbale Berichte über Traurigkeit
  • suizidale Gedanken
  • Befürchtungen, dass Eltern nicht genügend Beachtung schenken
  • Schulleistungsstörungen

Im Pubertäts- und Jugendalter

  • vermindertes Selbstvertrauen
  • Apathie, Angst, Konzentrationsmangel
  • Leistungsstörungen
  • zirkadiane Schwankungen des Befindens
  • psychosomatische Störungen
  • Kriterien der depressiven Episode
  • psychische und somatische Symptome zu früherem Zeitpunkt vorhanden

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Hyperkinetische Störungen

Hyperkinetische Störungen (HKS) sind durch ein durchgehendes Muster von Unaufmerksamkeit, Überaktivität und Impulsivität gekennzeichnet, das in einem für den Entwicklungsstand des Betroffenen abnormen Ausmaß situationsübergreifend auftritt. Die Störung beginnt vor dem Alter von 6 Jahren und sollte in mindestens 2 Lebensbereichen/Situationen (z.B. in der Schule, in der Familie, in der Untersuchungssituation) über mehr als 6 Monate auftreten. Leitsymptome sind Unaufmerksamkeit (Aufmerksamkeitsstörung, Ablenkbarkeit), Überaktivität (Hyperaktivität, motorische Unruhe) und Impulsivität. Nach ICD-10 (klinische Kriterien) müssen sowohl Unaufmerksamkeit als auch Überaktivität vorliegen. Die Forschungskriterien verlangen das Vorliegen von Unaufmerksamkeit, Überaktivität und Impulsivität.

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Persönlichkeitsstörungen

"Persönlichkeitsstörungen" erfassen für das Individuum typische stabile und beherrschende (pervasive) Verhaltensweisen, die sich als rigide Reaktionsmuster in unterschiedlichsten Lebenssituationen manifestieren und mit persönlichen Funktionseinbußen und/oder sozialem Leid einhergehen.
Diese Definition beinhaltet, dass die Diagnose einer Persönlichkeitsstörung in der Adoleszenz aufgrund der noch vorhandenen Entwicklungspotenziale zurückhaltend gestellt werden sollte. Andererseits lässt sich bei einigen Persönlichkeitsstörungen ein eindeutiges Kontinuum zwischen den Verhaltensmustern in Kindheit und Jugend und denen des Erwachsenenalters nachweisen, sodass auch aus klinisch-praktischen Erwägungen die Diagnose einer Persönlichkeitsstörung in der späten Adoleszenz sinnvoll sein kann.
Aufgrund neuerer Verlaufsuntersuchungen ist allerdings auch im Erwachsenenalter die Vorgabe der Klassifikationssysteme nach hoher Stabilität der Störung kaum aufrecht zu erhalten.


Leitsymptome:

Persönlichkeitsstörungen beginnen in der Kindheit und Jugend, nehmen eine lebenslange Entwicklung und manifestieren sich in typischer Form im frühen Erwachsenenalter.
Aufgrund des Entwicklungsaspektes einer psychischen Störung im Kindes- und Jugendalter darf in der ICD-10 die Diagnose einer Persönlichkeitsstörung vor Abschluss der Pubertät, d.h. vor dem 16.-17. Lebensjahr nur dann gestellt werden, wenn die geforderte Mindestzahl der Kriterien für die jeweilige Störung erfüllt ist und die Verhaltensmuster bereits in diesem Alter andauernd, durchgehend und situationsübergreifend auftreten. Die Stabilität der Diagnose einer Persönlichkeitsstörung im Jugendalter ist geringer als im Erwachsenenalter.
Die Zustandsbilder der Persönlichkeitsstörungen dürfen nicht auf andere psychiatrische Störungen zurückzuführen sein und nicht als Folge einer organischen Schädigung oder Erkrankung auftreten.

Sie sind gekennzeichnet durch:

  • Beeinträchtigungen mehrerer Bereiche wie Affektivität, Antrieb, Impulskontrolle, Wahrnehmung und Denken sowie der sozialen Interaktion
  • Lange zeitliche Dauer der Verhaltensstörung
  • Tief greifende Verwurzelung der Verhaltensweisen und situationsübergreifendes Auftreten
  • Einschränkung der sozialen, schulischen und beruflichen Leistungsfähigkeit
  • Persönliches Leid des Betroffenen, das aber in vielen Fällen erst im Erwachsenenalter auftritt; im Jugendalter ist eine ego-dystone Symptomatik seltener als beim Erwachsenen.


Schweregradeinteilung

Der Schweregrad hängt von der Anzahl der jeweils für die spezifische Persönlichkeitsstörung erfüllten Kriterien und von dem Ausmaß der individuellen und sozialen Beeinträchtigung ab.
So kann z.B. ein Patient mit einer ängstlich-vermeidenden Persönlichkeitsstörung leichteren Schweregrades Routineanforderungen in Beruf und Privatleben nachkommen, wohingegen eine schwere Persönlichkeitsstörung zu vollständiger Funktionseinbuße führen kann.


Untergruppen
Die ICD-10 weist für die einzelnen Persönlichkeitsstörungen Merkmalskataloge mit definierten Ein- und Ausschlusskriterien auf, die den jeweiligen Typus exemplarisch kategorisieren. Auf der Basis der o.g. Einschränkungen für die Diagnose von Persönlichkeitsstörungen im Kindes- und Jugendalter sollen im Folgenden nur diejenigen Erscheinungsbilder differenzierter dargestellt werden, bei denen aufgrund empirischer Studien eine klinisch relevante Prävalenz für das Kindes- und Jugendalter wahrscheinlich ist oder eine ausdrückliche Beziehung zu Störungen dieses Lebensalters gegeben ist (z.B. dissoziale Persönlichkeitsstörung).

Dissoziale Persönlichkeitsstörung
Während das DSM-IV die Diagnose einer dissozialen Persönlichkeitsstörung ausdrücklich erst ab dem 18. Lebensjahr gestattet, gibt die ICD-10 keine entsprechend enge Grenze vor. Die ICD-10-Kriterien beschreiben neben sozialer Devianz charakterologische Besonderheiten, insbesondere Egozentrik, mangelndes Einfühlungsvermögen und defizitäre Gewissensbildung. Kriminelle dissoziale Handlungen sind also keine Bedingung sine qua non!
Mindestens 3 der in der ICD-10 genannten Merkmale müssen erfüllt sein. Hierzu gehören:

  • Mangelnde Empathie und Gefühlskälte gegenüber anderen
  • Missachtung sozialer Normen
  • Beziehungsschwäche und Bindungsstörung
  • Geringe Frustrationstoleranz und impulsiv-aggressives Verhalten
  • Mangelndes Schulderleben und Unfähigkeit zu sozialem Lernen
  • Vordergründige Erklärung für das eigene Verhalten und unberechtigte Beschuldigung anderer
  • Anhaltende Reizbarkeit.

Emotional instabile Persönlichkeitsstörung, Borderline-Typus
Die Diagnose einer Borderline-Störung wird in der Kinder- und Jugendpsychiatrie vor allem bei Mädchen in der Adoleszenz gestellt. Die Borderline-Störung ist eine Untergruppe der emotional instabilen Persönlichkeitsstörung, wobei Impulsivität und Affektinstabilität im Vordergrund stehen. Der zweite, impulsive Subtypus scheint dagegen häufiger beim männlichen Geschlecht vorzukommen.
Für die emotional instabile Persönlichkeitsstörung müssen mindestens 2 der folgenden Merkmale erfüllt sein:

  • Mangelhafte oder fehlende Impulskontrolle
  • Affektinstabilität
  • Unzureichende Handlungsplanung
  • Neigung zu aggressivem oder streitsüchtigem Verhalten
  • Wutausbrüche, insbesondere wenn impulsives Verhalten behindert oder kritisiert wird.

Zusätzlich muss ein weiteres, für die Borderline-Störung spezifisches Kriterium erfüllt sein:

  • Unsicherheit über das eigene Selbstbild und die Identität sowie der inneren Präferenzen (einschl. der sexuellen)
  • Intensives, unbeständiges (in heterosexuellen Beziehungen häufig promiskuides) Beziehungsverhalten, das nicht selten Auslöser emotionaler Krisen ist
  • Parasuizidale oder automutilative Handlungen.

Histrionische Persönlichkeitsstörung
Hier handelt es sich um eine Persönlichkeitsstörung mit oberflächlicher und labiler Affektivität bei insgesamt starkem Verlangen nach Anerkennung und Aufmerksamkeit. Mindestens 3 der folgenden Kriterien müssen für die Diagnose vorliegen:

  • -Dramatisierung bezüglich der eigenen Person mit theatralischem Verhalten und übertriebenem Ausdruck von Gefühlen
  • Suggestibilität durch andere Personen oder Umstände
  • Oberflächliche und labile Affektlage
  • Egozentrik, fehlende Bezugnahme auf andere
  • Andauerndes manipulatives Verhalten zur Befriedigung eigener Bedürfnisse
  • Andauerndes Verlangen nach Anerkennung und Wunsch, im Mittelpunkt zu stehen.

Als weiteres Merkmal findet sich oft ein unangemessen verführerisches Verhalten sowie ein übermäßiges Interesse an der eigenen körperlichen Attraktivität.

Ängstliche (vermeidende) Persönlichkeitsstörung
Als Kernpunkt der ängstlich-vermeidenden Persönlichkeitsstörung wird eine Selbstwertproblematik angesehen, die sich insbesondere in einem Konflikt zwischen dem Wunsch nach Bindung und der Angst vor Beschämung durch andere manifestiert. Merkmale sind:

  • Ständige Anspannung und Überbesorgtheit
  • Tief greifende Störung des Selbstwertgefühls
  • Angst vor Kritik oder Zurückweisung
  • Kontaktscheu, außer man ist sich der Zuneigung der anderen sicher
  • Einschränkung von Aktivitäten aus Angst vor Gefahren
  • Vermeidung sozialer Situationen aus Angst vor Ablehnung.

3 der 6 Merkmale müssen für die Diagnose der ängstlich-vermeidenden Persönlichkeitsstörung erfüllt sein.

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Phobische Störungen bei Kindern und Jugendlichen

  • Gruppe von Störungen, bei der Angst ausschließlich oder überwiegend durch eindeutig definierte, im Allgemeinen ungefährliche Situationen oder Objekte - außerhalb der betreffenden Person - hervorgerufen wird
  • Diese Situationen oder Objekte werden charakteristischerweise gemieden oder mit ausgeprägter Angst ertragen.
  • Phobische Angst ist subjektiv, physiologisch und im Verhalten von anderen Angstformen nicht zu unterscheiden, sie variiert zwischen leichtem Unbehagen bis zur Panik.
  • Befürchtungen des Betroffenen können sich auf Einzelsymptome wie Herzklopfen oder Schwächegefühl beziehen, sie treten häufig zusammen auf mit sekundären Ängsten vor dem Sterben, Kontrollverlust oder dem Gefühl, verrückt zu werden.
  • Die Angst wird nicht durch die Erkenntnis gemildert, dass andere solche Situationen oder Objekte nicht als gefährlich oder bedrohlich betrachten.
  • Allein die Vorstellung, dass die phobische Situation eintreten könnte, erzeugt gewöhnlich schon Erwartungsangst.
  • Psychische oder vegetative Symptome sind primäre Manifestationen der Angst und beruhen nicht auf anderen Symptomen wie Wahn- oder Zwangsgedanken.

Agoraphobie

  • Hauptmerkmal ist die Angst, sich an Orten oder in Situationen zu befinden, von denen aus ein Rückzug an einen sicheren Platz, im Allgemeinen nach Hause, schwierig oder peinlich ist.
  • Die Angst muss in mindestens 2 der folgenden umschriebenen Situationen auftreten: In Menschenmengen, auf öffentlichen Plätzen, bei Reisen mit weiter Entfernung von zu Hause oder bei Reisen alleine.
  • Die Vermeidung der phobischen Situation ist wesentlich.

Soziale Phobien

  • Diese Störungen zentrieren sich um die Furcht vor prüfender Betrachtung durch andere Menschen in verhältnismäßig kleinen Gruppen (nicht dagegen in Menschenmengen).
  • Die Angst ist auf bestimmte soziale Situationen beschränkt oder überwiegt in solchen Situationen.
  • Die phobischen Situationen werden vermieden.
  • Der Beginn liegt häufig im Jugendalter.

Spezifische Phobien

  • Die Angst bezieht sich isoliert auf bestimmte Objekte oder spezifische Situationen.
  • Diese Objekte oder Situationen werden vermieden.
  • Spezifische Phobien entstehen gewöhnlich in der Kindheit oder im frühen Erwachsenenalter und können unbehandelt jahrzehntelang bestehen.


Phobische Störungen des Kindesalters

  • Abnorm gesteigerte Furcht vor alterstypisch angstbesetzten Objekten oder Situationen
  • Der Beginn liegt in der entwicklungsangemessenen Altersstufe
  • Ausgeprägtes Vermeidungsverhalten gegenüber solchen Objekten oder Situationen
  • Die Angst ist nicht Teil einer generalisierten Störung.

Störung mit sozialer Überempfindlichkeit des Kindesalters

  • Kinder mit dieser Störung zeigen eine durchgängige oder wiederkehrende altersunangemessene Furcht vor Fremden oder meiden diese.
  • Dieses Verhalten führt zu einer bedeutsamen sozialen Beeinträchtigung.
  • Die Störung beginnt vor dem sechsten Lebensjahr und ist nicht Teil einer generalisierten Störung.


Leitsymptome

Agoraphobie

  • Die Angst kann sich darauf beziehen, die Wohnung/das eigene Haus zu verlassen, Geschäfte zu betreten, sich in eine Menschenmenge oder auf öffentliche Plätze zu begeben, alleine in Zügen, Bussen oder Flugzeugen zu reisen bzw. darauf, sich aus einer bestimmten Situation nicht sofort und leicht an einen sicheren Platz, im Allgemeinen nach Hause, zurückziehen zu können.
  • Ängste, zu kollabieren und hilflos in der Öffentlichkeit liegen zu bleiben, führen häufig zur Panik.
  • Das Fehlen eines sofort nutzbaren "Fluchtweges" kennzeichnet viele dieser agoraphobischen Situationen.
  • Die Angst wird von vegetativen Symptomen wie Tachykardie, Schweißausbrüchen, Tremor, Mundtrockenheit, Atembeschwerden, Beklemmungsgefühl, Thoraxschmerzen, Übelkeit oder Erbrechen begleitet.
  • Auch wenn der Schweregrad der Angst und das Ausmaß des Vermeidungsverhaltens variieren, ist diese Phobie besonders einschränkend; einige Betroffene sind schließlich völlig an ihr Haus gefesselt.
  • Depressive und zwanghafte Symptome sowie soziale Phobien können zusätzlich vorhanden sein, beherrschen aber das klinische Bild nicht.
  • Der Beginn liegt meist im frühen Erwachsenenalter, überwiegend sind Frauen betroffen.
  • Ohne effektive Behandlung chronifiziert die Störung häufig.

Soziale Phobien

  • Zentral ist die Furcht vor prüfender Betrachtung in überschaubaren Gruppen (nicht in Menschenmengen).
  • Die Angst kann sich auf bestimmte Situationen wie Essen oder Sprechen in der Öffentlichkeit oder Treffen mit dem anderen Geschlecht beschränken; sie kann aber auch unbestimmt sein und in fast allen sozialen Situationen außerhalb der Familie auftreten.
  • Häufig bestehen niedriges Selbstwertgefühl und Furcht vor Kritik.
  • Als Begleitphänomene können Erröten, Vermeiden von Blickkontakt, Zittern, Übelkeit oder Drang zum Wasserlassen auftreten.
  • -Die Symptomatik kann sich bis zu Panikattacken verstärken.
  • Ausgeprägtes Vermeidungsverhalten kann zu vollständiger sozialer Isolierung führen.
  • ie Störung wird oft nicht erkannt, neigt zu chronischem Verlauf und geht im Erwachsenenalter mit vermehrter sozialer Beeinträchtigung und häufigen komorbiden Störungen einher.

Spezifische Phobien

  • Die Angst bezieht sich isoliert auf spezifische Objekte oder Situationen wie bestimmte Tiere, Höhe, Donner, Dunkelheit, Fliegen, geschlossene Räume, Prüfungen, Urinieren oder Defäzieren auf öffentlichen Toiletten, Verzehr bestimmter Speisen, Zahnarztbesuch, Anblick von Blut oder Verletzungen oder darauf, bestimmten Erkrankungen (Strahlenkrankheiten, Geschlechtskrankheiten, AIDS) ausgesetzt zu sein.
  • Obwohl die auslösende Situation sehr spezifisch ist, kann sie Panik auslösen.
  • Spezifische Phobien entstehen gewöhnlich in der Kindheit oder im frühen Erwachsenenalter und können unbehandelt jahrzehntelang bestehen.
  • Das Ausmaß der spezifischen Angst bleibt in der Regel konstant.
  • Das Ausmaß der Funktionsbeeinträchtigung hängt vom Vermeidungsverhalten ab.

Phobische Störungen des Kindesalters

  • Unangemessen ausgeprägte Angst vor bestimmten Objekten oder Situationen, die in bestimmten Entwicklungsphasen von der Mehrheit der Kinder als beängstigend erlebt werden, z.B. laute Geräusche, imaginäre Gestalten (Gespenster), Tiere (Hunde), Dunkelheit oder Gewitter
  • Typische vegetative Begleiterscheinungen sind Herzklopfen, Schwitzen, Zittern, Atembeschwerden sowie Beklemmungs- und Schwindelgefühle.
  • Ausgeprägtes Vermeidungsverhalten gegenüber solchen Objekten oder Situationen
  • Erzwungene Konfrontation mit dem angstbesetzten Objekt bzw. der angstbesetzten Situation löst ausgeprägte Angst aus und wird typischerweise mit Weinen, Schreien, Fortlaufen oder Anklammern an Bezugspersonen beantwortet.

Störungen mit sozialer Überempfindlichkeit im Kindesalter

  • Anhaltende und ausgeprägte Ängstlichkeit in sozialen Situationen, in denen das Kind auf fremde Personen trifft
  • Es besteht Befangenheit, Verlegenheit oder übertriebene Sorge über die Angemessenheit des eigenen Verhaltens Fremden gegenüber.
  • Auf neue oder erzwungene soziale Situationen wird mit deutlichem Leid und Unglücklichsein, mit Weinen, Schweigen oder Rückzug reagiert.
  • Die Angst kann sich entweder auf Erwachsene oder auf Gleichaltrige sowie auf beide Gruppen beziehen.
  • Typischerweise werden solche Situationen vermieden.
  • Zu Familienmitgliedern oder anderen vertrauten Personen bestehen unbeeinträchtigte selektive Bindungen.
  • Die sozialen Beziehungen sind deutlich beeinträchtigt.

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Psychische und Verhaltensstörungen durch psychotrope Substanzen

Diese Gruppe umfasst verschiedene Störungen, deren Schweregrad von einer akuten, unkomplizierten Intoxikation und schädlichem Gebrauch bis hin zu psychotischen Störungen oder schweren Abhängigkeitssyndromen reicht. Die Gemeinsamkeit besteht im Gebrauch einer oder mehrerer psychotroper Substanzen.


Leitsymptome:

Akute Intoxikation
Ein vorübergehendes Zustandsbild nach Aufnahme von Alkohol oder anderen psychotropen Substanzen mit Störungen von Bewusstsein, kognitiven Funktionen, Wahrnehmung, Affekt, Verhalten oder anderer psychophysiologischer Funktionen und Reaktionen.

Schädlicher Gebrauch
Ein Konsumverhalten, das zu einer Gesundheitsschädigung führt. Diese kann eine körperliche Störung sein, z.B. eine Hepatitis durch Selbstinjektion von Substanzen, oder eine psychische Störung, z.B. eine depressive Episode durch massiven Alkoholkonsum. Diese Kategorie umfasst aber auch Kinder und Jugendliche, bei denen das Konsumverhalten zu einer signifikanten Entwicklungsbeeinträchtigung führt, die also aufgrund ihres Substanzgebrauchs gravierende negative Konsequenzen in Familie, Schule und in ihren Beziehungen zu Gleichaltrigen mit einer Verschlechterung ihres psychosozialen Funktionsniveaus aufweisen.

Abhängigkeitssyndrom
Ein entscheidendes Charakteristikum der Substanzabhängigkeit ist der oft starke, gelegentlich übermächtige Wunsch, psychotrope Substanzen oder Medikamente (ärztlicherseits verordnet oder nicht), Alkohol oder Tabak zu konsumieren.
Diese Diagnose soll nur dann gestellt werden, wenn 3 oder mehr der folgenden Kriterien in den letzten 12 Monaten mindestens einen Monat lang gleichzeitig bestanden oder während der letzten 12 Monate wiederholt vorhanden waren:

  • Starker Wunsch oder eine Art Zwang, psychotrope Substanzen zu konsumieren
  • Verminderte Kontrollfähigkeit bezüglich des Beginns, der Beendigung und der Menge des Konsums
  • Auftreten eines Entzugssyndroms bei Beendigung oder Reduktion des Konsums, entweder in Form substanzspezifischer Entzugssymptome oder durch die Einnahme der gleichen oder einer nahe verwandten Substanz, um Entzugssymptome zu mildern oder zu vermeiden
  • Nachweis einer Toleranz: Um die ursprünglich durch niedrigere Dosen erreichten Wirkungen der psychotropen Substanz hervorzurufen, sind zunehmend höhere Dosen erforderlich.
  • Fortschreitende Vernachlässigung anderer Vergnügen oder Interessen zugunsten des Substanzkonsums, erhöhter Zeitaufwand, um die Substanz zu beschaffen, zu konsumieren oder sich von den Folgen zu erholen
  • Anhaltender Substanzkonsum trotz eindeutiger körperlich, psychisch oder sozial schädlicher Folgen; dabei sollte festgestellt werden, dass der Konsument sich tatsächlich über Art und Ausmaß der schädlichen Folgen im Klaren war oder dass zumindest davon auszugehen ist.

Entzugssyndrom
Ein Entzugssyndrom kann bei absolutem oder relativem Entzug einer Substanz auftreten, die wiederholt und zumeist über einen längeren Zeitraum oder in hoher Dosierung konsumiert worden ist. Beginn und Verlauf des Entzugssyndroms sind zeitlich begrenzt und abhängig von der Substanzart und der Dosis, die unmittelbar vor dem Absetzen verwendet worden ist. Meistens zeigen sich Schlafstörungen, Gespanntheit, Unruhe, verminderte Impulskontrolle und Affektlabilisierung, vegetative Symptomatik wie Herzklopfen und Schweißausbrüche, gelegentlich Kreislaufbeschwerden. Auch eine deutliche Verschlechterung der Stimmung im Sinne einer depressiven oder gar suizidalen Krise ist möglich. Ein Entzugssyndrom kann durch Krampfanfälle kompliziert werden.
In sehr abgeschwächter Form kann eine Entzugssymptomatik Wochen bis Monate fortbestehen, z.B. in Form von innerer Unruhe, Schlafstörungen und Verlangen nach dem Suchtmittel (Craving). Craving kann jedoch auch längere Zeit nach dem körperlichen Entzug noch durch konditionierte Stimuli ausgelöst werden.

Entzugssyndrom mit Delir
Das klassische Entzugssyndrom mit Delir, z.B. als alkoholbedingtes Delirium tremens, ist bei Jugendlichen selten zu finden, da die Dauer des Missbrauchs für dessen Entwicklung in der Regel zu kurz ist.

Psychotische Störung
Durch psychotrope Substanzen (u.a. Alkohol, Amphetamine und verwandte Substanzen, Cannabis, Kokain, Halluzinogene, Phencyclidin und psychotrope Alkaloide) können psychische Syndrome induziert werden, die nicht substanzinduzierten psychotischen oder wahnhaften Störungen ähneln oder gleichen. Kennzeichnend sind lebhafte Halluzinationen, typischerweise akustische, oft aber auf mehr als einem Sinnesgebiet, Personenverkennungen, Beziehungs- oder Verfolgungsideen sowie Wahn. Psychomotorische Störungen, wie Erregung oder Stupor, sowie ein abnormer Affekt in Form von intensiver Angst, erheblicher Aggression oder auch Ekstase kommen vor.
Die Symptome treten gewöhnlich während oder unmittelbar (meist innerhalb von 48 Stunden) nach dem Substanzgebrauch auf, gehen typischerweise innerhalb eines Monats zumindest teilweise zurück, innerhalb von 6 Monaten in der Regel vollständig. Wenn eine substanzinduzierte psychotische Störung mehr als 2 Wochen nach dem Substanzkonsum beginnt, ist sie als "Verzögert auftretende substanzbedingte psychotische Störung" einzuordnen.

Insbesondere

Störungen durch Alkohol
Bei akuter Alkoholintoxikation kommt es zu affektiver Enthemmung, Aggressivität und Affektlabilität, Stand- und Gangunsicherheit und verwaschener Sprache, bei sehr hohen Blutspiegeln zu Sedierung und Bewusstseinsstörung bis hin zum Koma.
Beim Alkoholentzugssyndrom können vegetative Hyperaktivität, Tremor, Schlaflosigkeit, Übelkeit und Erbrechen, flüchtige visuelle, taktile oder akustische Halluzinationen oder Illusionen, psychomotorische Agitiertheit, Angst und Grand-mal-Anfälle auftreten.

Störungen durch Cannabinoide
Eine Cannabisintoxikation beginnt in der Regel mit einem Hochgefühl, gefolgt von unangemessenem Lachen und Gefühlen von Großartigkeit, Sedierung und Lethargie, Beeinträchtigungen von Reaktionsgeschwindigkeit, Kurzzeitgedächtnis und Urteilsvermögen, verlangsamtem Zeiterleben. Manchmal kommt es zu Dysphorie, Angst, Misstrauen und paranoiden Vorstellungen. Bei höherer Dosis können auch akustische, optische oder taktile Illusionen oder Halluzinationen bei erhaltener Orientierung, Depersonalisation und Derealisation sowie eine drogeninduzierte Psychose auftreten. Somatische Symptome einer akuten Cannabisintoxikation sind Augenrötung, Appetitsteigerung, Mundtrockenheit und Tachykardie.
Eine Cannabisentzugssymptomatik manifestiert sich in starkem Verlangen nach erneuter Einnahme von Cannabis, Unruhe, Reizbarkeit, Aggressivität, Schlaflosigkeit, Träume mit ungewöhnlichen Inhalten ("strange dreams"), Appetitminderung und Gewichtsverlust [Budney et al. 2004].

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Schizophrenie, schizotype und wahnhafte Störungen

Die Schizophrenie ist gekennzeichnet durch eine grundlegende Störung des Realitätsbezuges. Die Klarheit des Bewusstseins ist in der Regel nicht beeinträchtigt. Es treten jedoch verschiedene Wahrnehmungsstörungen auf, vor allem im akustischen und optischen Bereich. Die Störung verläuft häufig in Phasen oder Schüben. Bei der Early Onset Schizophrenia (EOS) liegt der Beginn vor dem 18. Lebensjahr; bei der Very Early Onset Schizophrenia (VEOS) sogar vor dem 13. Lebensjahr.
Bei schizoaffektiven Störungen treten sowohl schizophrene als auch affektive Symptome während derselben Krankheitsphase auf. Schizotype Störungen weisen ähnliche Symptome wie die Schizophrenie auf, jedoch ohne Halluzinationen und Wahn.
Wahnhafte Störungen sind charakterisiert durch einen anhaltenden Wahn, der weder als organisch noch als schizophren oder affektiv klassifiziert werden kann. Der Zusammenhang mit der Schizophrenie ist unklar.


Leitsymptome:

Gruppe 1

  • Gedankenlautwerden, Gedankeneingebung oder Gedankenentzug, Gedankenausbreitung
  • Kontrollwahn, Beeinflussungswahn, Gefühl des "Gemachten" (eigene Gedanken, Gliederbewegungen, Empfindungen, Stimmungen und Wahrnehmungen werden als durch fremde Mächte und Kräfte hervorgerufen - gemacht - erlebt)
  • Kommentierende oder dialogische Stimmen
  • Anhaltende Wahnideen

Gruppe 2

  • Anhaltende Halluzinationen jeder Sinnesmodalität ohne deutliche affektive Beteiligung
  • Formale Denkstörungen wie Gedankenabreißen oder Einschiebungen in den Gedankenfluss, was zu Zerfahrenheit, Danebenreden oder Neologismen führt
  • Katatone Symptome wie Erregung, Haltungsstereotypien, wächserne Biegsamkeit, Mutismus oder Stupor
  • Negative Symptome wie auffällige Apathie, Sprachverarmung, Affektverflachung, sozialer Rückzug und allgemeine Verringerung der Leistungsfähigkeit, die nicht durch eine Depression oder eine neuroleptische Medikation verursacht werden.

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Störungen des Sozialverhaltens

Die Störungen des Sozialverhaltens umfassen ein Muster dissozialen, aggressiven oder aufsässigen Verhaltens mit Verletzungen altersentsprechender sozialer Erwartungen, welches länger als 6 Monate besteht. Sie kommen oft gleichzeitig mit schwierigen psychosozialen Umständen vor und können mit deutlichen Symptomen einer emotionalen Störung, vorzugsweise Depression oder Angst, kombiniert sein Leitsymptome sind u.a. ein deutliches Maß an Ungehorsam, Streiten oder Tyrannisieren, Ungewöhnlich häufige oder schwere Wutausbrüche , Grausamkeit gegenüber anderen Menschen oder Tieren, Erhebliche Destruktivität gegenüber Eigentum, Zündeln, Stehlen, Häufiges Lügen, Schuleschwänzen, Weglaufen von zu Hause.

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Auf den familiären Rahmen beschränkte Störungen des Sozialverhaltens

Diese Störung des Sozialverhaltens umfasst ein Muster dissozialen, aggressiven oder aufsässigen Verhaltens mit Verletzungen altersentsprechender sozialer Erwartungen, welches länger als 6 Monate besteht und auf den familiären Rahmen beschränkt ist.
Sie kommt oft gleichzeitig mit schwierigen psychosozialen Umständen vor und kann mit einer hyperkinetischen Störung oder mit einer emotionalen Störung, vorzugsweise Depression oder Angst, kombiniert sein.
Ob die auf den familiären Rahmen beschränkten Störungen des Sozialverhaltens insgesamt eine leichte Form der ganzen Gruppe der Störungen des Sozialverhaltens oder eine eigene Störung darstellen, ist nicht hinreichend geklärt. Leitsymptome sind u.a. ein deutliches Maß an Ungehorsam, Streiten oder Tyrannisieren, ungewöhnlich häufige oder schwere Wutausbrüche, Grausamkeit gegenüber anderen Menschen oder Tieren, Erhebliche Destruktivität gegenüber Eigentum, Zündeln, Stehlen, häufiges Lügen , Weglaufen von zu Hause.

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Zwangsstörungen

Die Zwangsstörung ist gekennzeichnet durch sich wiederholende unangenehme Gedanken, Impulse oder Handlungen, die nach ICD-10 wenigstens 2 Wochen lang an den meisten Tagen bestehen müssen, als zur eigenen Person gehörig erlebt werden und gegen die zumindest partiell Widerstand geleistet wird (häufig erfolglos), da der Betroffene sie als sinnlos empfindet. Die ständige stereotype Wiederholung erscheint den Betroffenen an sich nicht angenehm, meist bestehen Angst, Leidensdruck und eine deutliche Beeinträchtigung der allgemeinen Aktivität.


Leitsymptome:

Zwangsgedanken sind Ideen, Vorstellungen oder Impulse, die den Patienten immer wieder stereotyp beschäftigen. Zwangshandlungen oder -rituale sind ständig wiederkehrende Handlungsmuster, z. B. der Reinigung oder Kontrolle, an sich dysfunktional, die aus Sicht der Patienten oft der Abwehr einer vermeintlichen Gefahr dienen.

  • Die Zwangssymptome müssen als eigene Gedanken oder Impulse für Patienten erkennbar sein.
  • Einem Gedanken oder einer Handlung muss noch, wenn auch erfolglos, Widerstand geleistet werden.
  • Zwangsgedanke oder Zwangshandlung dürfen nicht als angenehm erlebt werden. Bei Kindern (ggf. auch bei Jugendlichen) müssen nach DSM-IV die Zwangssymptome nicht unbedingt als eigene Gedankenimpulse erkennbar sein.

Untergruppen

Vorwiegend Zwangsgedanken oder Grübelzwang
Vorherrschend sind zwanghafte Ideen, bildhafte Vorstellungen oder Zwangsimpulse. Zwanghafte Grübeleien bestehen manchmal in endlosen pseudophilosophischen Überlegungen unwägbarer Alternativen, häufig verbunden mit der Unfähigkeit, notwendige Entscheidungen des täglichen Lebens zu treffen. Bei Kindern sind isolierte Zwangsgedanken jedoch sehr selten.

Vorwiegend Zwangshandlungen
Vorherrschend sind Zwangshandlungen. Sie beziehen sich häufig auf Reinlichkeit (Händewaschen), Ordnung, Sauberkeit und Kontrollen. Das Ritual ist ein wirkungsloser, symbolischer Versuch, eine subjektiv erlebte Gefahr (die objektiv nicht besteht) abzuwenden. Die rituellen Handlungen können täglich stundenlang, unentschieden und langsam ausgeführt werden.