Tanztherapie - Erfahrung durch Bewegung

Tanztherapie ist ein körperorientierter kreativer psychotherapeutischer Ansatz, bei dem es darum geht, mit Tanz, Bewegung und Körperarbeit dabei zu helfen, Reifungsprozesse nachzuholen, neue, heilsame Erfahrungen zu machen und diese ins alltägliche Verhalten im eigenen Leben zu integrieren. Das breit gefächerte Anwendungsspektrum pädagogischer, sowie therapeutischer Bewegungsarbeit bietet zahlreiche Möglichkeiten der Selbstwahrnehmung und -veränderung und kann dort wirksam werden, •wo verbale Therapie an Grenzen stößt oder - viel mehr noch - sinnvoll ergänzt wird. Die Auseinandersetzung mit dem eigenen Körper mit den dazugehörigen Regungen und Gefühlen ist erwartungsgemäß -leider- nicht immer leicht. Gerade in der Wachstumsphase Jugendlicher und junger Erwachsener gibt es oftmals Angst und Verunsicherung, Orientierungslosigkeit, verzerrte Selbstbilder, Mißtrauen gegenüber Gleichaltrigen und Erwachsenen, Selbstzweifel etc.

Kommen in der Entwicklung bis dahin noch schwere seelische Verletzungen oder psychische Krankheiten dazu, kann aus der Begegnung mit sich selbst harte Konfrontation werden. Bei so manchen Jugendlichen stößt man daher zunächst nicht selten auf Zurückhaltung und Skepsis, wenn sie die Begriffe ‘Tanztherapie‘ oder ‘Körperwahrnehmung‘ hören.

Auf der anderen Seite äußern die PatientInnen häufig aber auch ihren großen Wunsch nach Verbesserung, Hilfe, Gesundung und Normalität. So ist ihre eigene Motivation ebenso Bedingung für die Teilnahme an tanztherapeutischen Maßnahmen wie eine vorher erteilte schriftliche ärztliche Verordnung dafür und die Festlegung eines individuell relevanten Therapiezieles in tanz-, bewegungs- oder körperbezogener Hinsicht.

Im ersten einführenden Gespräch gibt es dann die Möglichkeit, Ängste und Befürchtungen abzubauen, falsche Erwartungen zu korrigieren, aus verschiedenen Alternativen eine Einstiegsmöglichkeit zu wählen, gemeinsam die Richtung der nächsten Arbeitsschritte zu vereinbaren und so eine vertrauensfördernde Basis zu schaffen.

Zum Therapieziel gehört immer die Entwicklung von Achtsamkeit und Akzeptanz sich selbst gegenüber, ein JA zur eigenen Person zu finden. Am eigenen Körper und seinen Empfindungen damit zu beginnen, ist eine Möglichkeit mit der Aussicht, sich mit diesem (wieder) anzufreunden.

So kann ich z.B. über die vorsichtige Erweiterung meines Bewegungsradius‘ den Schutz der Enge verlassen und Ängste überwinden, mich in die Weite, in die Welt zu trauen. Andererseits kann ich die Erfahrung machen, wie wichtig es ist, mich abzugrenzen und selbst den für mich nötigen Raum zu bestimmen. Vielleicht finde ich im tänzerischen Selbstausdruck Befreiung, vielleicht geben mir aber auch vorgegebene Rhythmus- und Bewegungsstrukturen notwendige Sicherheit und Orientierung.

Durch Leichtigkeit und Ausgelassenheit bei Tanz und Bewegung entdecke ich Freude und Unbekümmertheit wieder, die vielleicht schon lange nicht mehr zu meinem Leben gehört haben. Spannungen und Blockaden lösen sich langsam durch fließende Bewegungen, oder sie machen sich als zurückgehaltene Wut und Ärger Luft und werden als ernstzunehmend und berechtigt erlebt, sodass sie nicht länger unterdrückt und selbstzerstörerisch gegen mich selbst oder andere gerichtet werden müssen. In der Wahrnehmung meines Körpers werde ich sicherer in meinem Standpunkt, meiner Selbstständigkeit und realistischen Selbsteinschätzung. In der Veränderung meiner Körperhaltung traue ich mich allmählich, mich aufzurichten, durchzuatmen Raum einzunehmen, mich zu zeigen und mache die Erfahrung, daß ich dadurch von außen ernst genommen werde und ich mich selbst entsprechend verhalten kann.

Der Kontakt mit den eigenen Gefühlen, seien sie schön und angenehm oder unangenehm und auch gegensätzlich, wird auf diese Weise aktiviert, sodass mit ihren Möglichkeiten und Begrenzungen gearbeitet werden kann.