Musiktherapie

Musiktherapie ist eine relativ junge, moderne Therapieform, in der mit dem Medium Musik gearbeitet wird.

Es wird zwischen der sog. aktiven und der rezeptiven Musiktherapie unterschieden.
In der aktiven Musiktherapie steht die freie Improvisation im Mittelpunkt, die es ermöglicht, inneren Gefühlen, Empfindungen, Stimmungen und Wünschen, die sprachlich nicht erfasst werden können, einen Ausdruck zu verleihen, oder auch neue Umgehensweisen damit – spielerisch – zu erproben.

Dazu können musikalische Rhythmen und Melodien, Töne, Klänge und Geräusche eingesetzt werden und kann damit frei experimentiert werden. Es ist auch möglich, mit bekannten Songs zu spielen, neue Instrumente kennen und spielen zu lernen, eigene Texte zu vertonen – oder fertige Musik zu hören (rezeptive Musiktherapie).

Vereinfacht kann man das, was in der Musiktherapie passiert, wie folgt beschreiben:

"Musik spielen - aber anders als im Konzert
Musik lernen - aber anders als in der Schule" (zit. nach F.J. Plum)

Es steht ein vielseitiges Angebot an bekannten Musikinstrumenten und weniger bekannten (z.T. aus anderen Kulturkreisen) zur Verfügung: E-, Bass- und Akustikgitarre, Vibraphon, Klavier, Schlagzeug, Steeldrum, Congas, Djemben, Schlitztrommeln, Pauke, Kalimba, Flöten, kleinere Percussioninstrumente, Keyboards, kleine Saiteninstrumente...                Die Instrumente haben einen hohen Aufforderungscharakter und laden einen geradezu ein, sie auszuprobieren. Aufgrund ihrer Unterschiedlichkeit in Klang, Aussehen, Spielweise, Material aus dem sie gebaut sind, eignen sie sich gut als Träger von symbolischen Bedeutungen. Beim Improvisieren werden keine Vorkenntnisse benötigt. Es gibt keine falschen Töne. Ein wenig Neugierde und die Bereitschaft, neue Erfahrungen zu machen, reichen aus, um den Zugang zur Musiktherapie zu finden. Etwas Gewöhnung ist allerdings nötig, bis man in den erklingenden Tönen seine eigen Musik, seine eigenen Töne wiedererkennen kann.

Mögliche Zielsetzungen der Musiktherapie:

  • emotionale Ausdrucksfähigkeit stärken
  • sich selbst erleben, seine Kreativität entdecken und entfalten
  • sich im Kontakt mit anderen erleben
  • eigene Verhaltensmuster in der Musik aufdecken
  • alternative Bewältigungsstrategien durch spielerisches Probehandeln entwickeln
  • Aufmerksamkeit schulen
  • Erlebnis- und Wahrnehmungsfähigkeit stärken

„Musik ist eine der größten menschlichen Leistungen aller Zeiten und Kulturen. Sie entstand aus dem lebenswichtigen Bedürfnis des Menschen, zur sichtbaren und unsichtbaren Welt in Beziehung zu treten. Sie umfasst alle Gefühle, jede Sehnsucht des Menschen, sie öffnet die Tür zur schöpferischen Schönheit und Ausdruck des Gefühls. Sie hilft dem Menschen als Bestandteil seiner kulturellen und sozialen Umgebung, Brücken zu Mitmenschen und Gemeinschaft zu bauen.“ (vgl. Alvin, J., 1984: „Musiktherapie“. DTV \ Bärenreiter, 9)

Was können Patienten in der Musiktherapie machen?

Musiktherapie wird in der LWL-Kinder- und Jugendklinik auf vier verschiedenen Jugendlichen-Stationen angeboten. Sie findet im Allgemeinen als Einzeltherapie statt.
Hierin wird ganz individuell auf den Patienten eingegangen.

So gibt es Jugendliche, die eigene Texte schreiben, die wir gemeinsam vertonen und schließlich auf eine CD aufnehmen.

Einige schreiben Texte auf ihre Situation um, rappen oder singen sie, während die Musiktherapeutin sie auf einem Instrument begleitet.

Andere Jugendliche wiederum lernen, ein Instrument zu spielen (Schlagzeug, Klavier, Gitarre...), was ihnen einen ganz eigenen Einstieg in das therapeutische Arbeiten ermöglicht.

Andere wieder entdecken die freie Improvisation für sich, spielen „einfach so“, ohne „falsch“ oder „richtig“ an einem Instrument, begleitet von der Musiktherapeutin – und entdecken darin eine Möglichkeit, das, was sie beschäftigt, loszuwerden und dem einen Ausdruck zu verleihen, was nicht ausgesprochen werden kann.

Es gibt in der Kinder- und Jugendklinik Marsberg auch eine Band, eine Percussiongruppe, eine Musik-Gestaltgruppe und einen Projektchor.

In der Band spielen wir Stücke nach (in eigenen Interpretationen), bzw. machen und spielen inzwischen auch eigene Stücke. So schreiben einzelne Patienten Texte, die wir dann gemeinsam vertonen, wobei jedes Bandmitglied seine Ideen einbringen kann.

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