Motopädie / Mototherapie

Ein mototherapeutisches Angebot besteht in unserer Kinder- und Jugendklinik Marsberg seit 1980 und wird von ausgebildeten Motopäden / Mototherapeuten durchgeführt. Unterstützt von der Klinikleitung wurde der positive Einstieg in das damals noch junge Fachgebiet bei uns möglich. In den Folgejahren auf- und ausgebaut, speziell gerichtet auf den besonderen Bedarf der Patienten ist die Mototherapie fester Baustein unserer stationären und ambulanten Behandlung geworden.

Motopädagogik und Mototherapie

Motopädie umfasst Motopädagogik und Mototherapie.

Ziel der Motopädagogik (als Fachgebiet der Pädagogik: Erziehung durch Bewegung) ist die Vorbeugung, um Störungen und Fehlentwicklungen zu verhüten.

Mototherapie ist Behandlungsmethode und ein wesentlich differenzierteres Fachgebiet mit klarer Indikationsstellung und ärztlicher Verordnung.

Mototherapie ist angezeigt bei Kindern, Jugendlichen (und Erwachsenen),

- die aufgrund von Wahrnehmungs- und Bewegungsstörungen in ihrer körperlichen und psychischen Entwicklung und infolgedessen in ihrem gesamten Lern- und Sozialverhalten auffällig oder erheblich beeinträchtigt sind. Ursachen können sowohl im körperlich organischen Bereich als auch in psychosoziale Störungen oder traumatischen Erfahrungen liegen. (DBM e.V.)

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Mototherapie als psychomotorisches Verfahren

befindet sich im Schnittpunkt zwischen Physio- und Psychotherapie. Insofern kommt ihr eine Mittlerrolle zwischen körperlichen und psychisch orientierten Verfahren zu.

Die Inhalte und Methoden werden individuell abgestimmt auf das Kind/den Jugendlichen und variieren je nach Entwicklungsstand, intellektuellem Vermögen, Art und Ausmaß von Störung/ Fehlentwicklung, Gruppengefüge und Therapieverlaufsphase.

Mototherapie

Die Mototherapie kann als Einzel-behandlung oder in der Kleingruppe erfolgen, arbeitet schwerpunktmäßig mit gezielter körper- und bewegungsbezogener Interaktion. Sie bietet problemorientierte Fragen, die dazu auffordern, selbst nach Lösungen zu suchen. Hilfe wird soweit nötig an-geboten, Gefühle werden unterstützend begleitet, Konflikte gemeinsam bearbeitet. Beratung, ggf. auch Einbeziehung und Anleitung von Eltern/Bezugspersonen können die Behandlung wirkungsvoll unterstützen.
(in Anlehnung an: Förderverein MT, DBM e.V., Kiphard, Zimmer u.a.)

Sie orientieren sich an der gesamten Persönlichkeit, die durch positives (Bewegungs-) Erleben unterstützt und stabilisiert werden soll.

Es werden Wahrnehmungs-, Bewegungs- und Spielsituationen angeboten, in denen das Kind/der Jugendliche sich selbst und seinen Körper besser wahrnehmen und kennen lernen kann, sich auseinandersetzt mit Material, Raum, Zeit und anderen Kindern/Jugendlichen.

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Thrapeutische Angebote

Um den multidimensionalen Störungen unserer Patienten entgegenzuwirken, sind unsere therapeutischen Angebote vielfältig und ganzheitlich:

  • Neuromotorische Angebote
  • Sensomtorische Angebote
  • Psychomotorische Angebote
  • Soziomotorische Angebote
  • Sportmotorische Angebote

Angewandte Verfahren:

  • Sensorisch integrative Mototherapie
  • Psychomotorische Therapie
  • Dialektisch Behaviorale Therapie – Körpertherapie
  • Körperzentrierte Arbeit
  • Entspannungstechniken

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Erfahrungen und Erlebnisse von Patienten in der MT:

Erfahrungen und Erlebnisse

"Guck mal, was ich mich jetzt traue!", raunt der ängstlich gehemmte, bisher tonlose P. (8 Jahre) dem Spielpartner zu und klettert noch etwas zögerlich, aber strahlend in die Höhe.
"Ich liebe das Trampolin! Hier könnte ich ewig 1000 Jahre mit dir bleiben!", verkündet die sonst so langsame, bewegungs- und kontaktarme V. (10 Jahre) ihrer Mitpatientin und springt am liebsten zusammen mit ihr drauflos.

"Moto ist ganz gut. Da kann man richtig was machen und ins Schwit-zen kommen." Das meint der drogenabhängige, zunächst völlig desinteressierte B. (17 Jahre) nach seinen Erfahrungen an Sprung- und Schwunggeräten. "Eigentlich könnte ich wieder in den Sportverein gehen."

"In der Mototherapie habe ich Mut gefasst...." reflektiert die unter Selbstwertstörungen und Magersucht leidende J. (14 Jahre)

"So geht die Notbremse! Und so ist normal!", ruft der oft kaum zu bremsende, schnell aggressiv frustrierte A. (9 Jahre). Stolz präsentiert er, dass und wie er seinen Körper zunehmend beherrscht und beim Springen sofort (“Notbremse“) oder dosiert (“normal“) stoppen kann.

"Jetzt bin ich richtig da! Jetzt kann`s losgeh`n!" strahlt die extrem in sich zurück gezogene, autistische K. (10 Jahre) mich plötzlich an, nachdem sie mal wieder intensiv geschaukelt und ihren Körper auf dem großem Ball gespürt hat. Bis zu diesem Zeitpunkt waren bei ihr trotz intensiver Behandlung keine sichtbaren Veränderungen in Wahrnehmung und Kontaktfähigkeit zu erkennen.

"Das ist schön", beginnt die meist freud- und antriebslose S. (9 Jahre) zu erleben, als sie mit dem Rollbrett von der schiefen Ebene fährt und möchte "Nochmal".

"Der Aggressionsparcours hat mir geholfen, um meinen schlimmen Hass abzubauen – das Chaos in meinem Kopf hat sich stark gebessert." / (S. 15 Jahre - Angst, depressive Störung)

"Jetzt weiß ich, was gut an mir ist und eigentlich nichts Schlechtes – ich weiß auch, wie ich meine Aggressionen rauslassen kann an Dingen, ohne jemanden zu verletzen – und wie ich mich zu verhalten habe, wenn mich jemand reizt!" ( K.17 Jahre)

"Marsberg ohne Moto ist wie Weihnachten ohne Geschenke", meint der unruhige D.(13 Jahre). "Ich will mehr davon haben."

"Da pass ich ja 2x durch", stellt die magersüchtige E. (14 Jahre) beim Klettern überrascht fest, nachdem sie ihren Körper zunächst als viel zu groß und dick eingeschätzt hatte, um durch das vermeintlich viel zu schmale Sprossenwandfenster zu passen.

"Moto ist anders als Sport, Moto ist tun und genießen" meint die nachdenkliche S. (12 Jahre)."Ich darf auch selbst bestimmen."

"Es ist sauwohl, sich einmal richtig austoben zu können!" schreit der jetzt müde gewordene, umtriebige A. (12Jahre).

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