Was ist Heilpädagogik?

In diesem Begriff steckt einerseits das Wort "Heilen". Das bedeutet, dass wir versuchen, Probleme zu verringern, Erkrankungen zu lindern, und bei Beeinträchtigungen Lösungswege zu finden. Es hat mit der ganzheitlichen Unterstützung von Menschen zu tun, die in ihrem Leben (be)hinderten Einflüssen ausgesetzt sind (von lat.: "Holos" = "ganz"). Der zweite Wortteil "Pädagogik" bedeutet, dass wir uns um die damit verbundenen Erziehungs-, Bildungs- und Entwicklungsbedingungen kümmern. Für die Veränderung des Problems beziehen wir Methoden der Pädagogik, aber auch der Medizin der Psychologie und Psychotherapie mit ein.

Heilpädagogik unterstützt, kompensiert, fördert, übt, leitet an - nicht nur das Kind oder den Jugendlichen, sondern auch das nähere soziale Umfeld.

Wann ist eine heilpädagogische Förderung erforderlich?

Bei Kindern und Jugendlichen mit Entwicklungsverzögerungen oder Auffälligkeiten hauptsächlich in den Bereichen

Mit den genannten Beeinträchtigungen gehen häufig Probleme in anderen Entwicklungsbereichen einher, z. B. in Sprache oder Wahrnehmung.

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Ursachen für diese Auffälligkeiten könnten sein:

  • Psychosoziales Förderdefizit,
  • Schwierige familiäre Bedingungen oder eine problematische Familiengeschichte,
  • Traumatische Erlebnisse,
  • erbliche, vorgeburtliche oder frühkindliche Schädigungen des Organismus.

Mit welchen Zielen bieten wir heilpädagogische Förderung an?

Im Rahmen einer ganzheitlichen Betrachtung der kindlichen Persönlichkeit sollen bestehende Entwicklungsdefizite möglichst verringert, bzw. ausgeglichen werden. Bei stark manifestierten oder sehr umfassenden Beeinträchtigungen können Strategien zur Bewältigung oder Kompensation entwickelt oder geübt werden.

Wege Methoden, Förderansätze in der Heilpädagogik

Der Aufbau einer tragfähigen Beziehung steht am Anfang jeder Förderung, denn nur durch eine annehmende und wohlwollende Haltung entwickelt das Kind Vertrauen. Ein gelungener Beziehungsaufbau unterstützt explorierendes Verhalten und Lernprozesse. Mit unterschiedlicher Gewichtung können im Verlauf folgende Vorgehensweisen zum Einsatz kommen:

Spielpädagogik

Spielpädagogik

und Spieltherapie zur Förderung der Persönlichkeitsentwicklung und Selbst-bestimmung. Im heilpädagogischen Spiel erhält das Kind die Möglichkeit in einer ihm gemäßen Form Konflikte zuzulassen und darzustellen. In der Begegnung und der Beziehung mit dem Therapeuten sucht es nach Formen der Verarbeitung und bekommt die Möglichkeit, neue Wege des Verhaltens und des Umgangs mit Emotionen auszuprobieren.

Führungs- und Wahrnehmungstherapie,

Führungs- und Wahrnehmungstherapie,

nach Frau Dr. Affolter. Kinder und Jugendliche mit Wahrnehmungsstörungen können Probleme des alltäglichen Lebens nicht so lösen, wie es von ihnen erwartet wird. Das Motto lautet: Führe mich dabei, es selbst zu tun.

Heilpädagogisches Werken

Heilpädagogisches Werken

Das Heilpädagogische Werken ist ein schwerpunktmäßig, im Rahmen der Wahrnehmungs- und Bewegungsförderung angesiedelte Handlungs- und Beziehungsorientierte Methode. Diese Methode steht im Kontext mit heilpädagogischer Übungsbehandlung, dem Konzept der Führungstherapie, psychomotorischer Förderung und heilpädagogischen Spiel.

Psychomotorische Förderung

Psychomotorische Förderung

Die psychomotorische Förderung ist eine auf die Entwicklung der Gesamtpersönlichkeit des Menschen ausgerichtete Bewegungstherapie. Sie gehrt von den Bedürfnissen und Fähigkeiten des Kindes / Jugendlichen aus und baut auf seine Stärken auf. Ihr Ziel ist es, Bewegungs- und Wahrnehmungsbeeinträchtigungen abzubauen oder zu verringern und gleichzeitig die emotionale und soziale Stabilität zu fördern, denn wie Prof. Fröhlich formulierte, gibt es ohne Bewegung keine Wahrnehmung.

Sensorische Integration

Sensorische Integration

Die sensorische Integrationsbehandlung wurde von Jean Ayres entwickelt. Dieses Therapiekonzept verhilft Kindern und Jugendlichen dazu, die ständig auf sie einwirkenden Reize zu ordnen und neurologisch zu verarbeiten, um gezielter handeln zu können.

Entspannungsübungen

Entspannungsübungen

Durch spielerische Entspannungsübungen erfahren die Kinder ein ausgewogenes Verhältnis von Spannung und Entspannung. Ihre innere Ruhe und Ausgeglichenheit wird hierbei ebenso gefördert, wie ihre Kreativität und Phantasie, sowie Wahrnehmungs- und Konzentrationsfähigkeit.

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Heilpädagogische Diagnostik

Die heilpädagogische Diagnostik umfasst die Beobachtung des Kindes in folgenden Ebenen:

  • äußeres Erscheinungsbild (Pflegezustand, körperliche Auffälligkeiten, Körperhaltung, Gangbild etc.)
  • Sozialverhalten (Kontaktverhalten, Konfliktverhalten, soziale Spielregeln etc.)
  • Sprache ( Artikulation, Wortschatz, Sprachgebrauch, etc.)
  • Emotionalität (Stimmungslage, Impulssteuerung, Frustrationstoleranz, etc.)
  • Kognitive Fähigkeiten (Wahrnehmung, logisches und abstraktes Denken, etc.)
  • Motorik (Grobmotorik, Feinmotorik, Koordination, etc.)
  • Spiel- und Arbeitsverhalten (Sorgfalt, Konzentration, Ausdauer, etc.)

Auf diesem Wege bietet die Heilpädagogik umfassende Diagnostik, Einzelförderung, Gruppentherapie, kreative Angebote, spezielle Therapien und intensive Elternarbeit.

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