Konzept der ergotherapeutischen Behandlung

In der Kinder- und Jugendpsychiatrie werden Kinder und Jugendliche behandelt, die in ihrer seelischen, geistigen und körperlichen Entwicklung erhebliche Störungen oder Defizite aufweisen oder Störungen aus inneren und interpersonellen Konfliktbelastungen zeigen. Diese äußern sich hauptsächlich in pathologischem, oft störendem Verhalten oder in selbstverletzender Spannungsabfuhr körperlicher Art.

Der Behandlungsprozess ist entsprechend den Krankheitsbildern nach drei Kriterien orientiert:

1)    spezifisch für Kinder -
Kinder im Alter von 5 -13 Jahren mit Verhaltens- und emotionalen Problemen, wie z.B.
Hyperkinetische, dissoziative und neurotische Störungen, Anpassungs- und Belastungsstörungen, Zwangsstörungen und psychotische Entwicklungen.

2)    Jugendliche mit kurzfristigem Aufenthalt -
Jugendliche im Alter von 14 bis 18 Jahren mit Krankheitsbildern des psychotischen und psychosomatischen Formenkreises, neurotischen Entwicklungsstörungen und Phobien,
Persönlichkeitsstörungen und Störungen des Sozialverhaltens.

3)    Jugendliche mit langfristigem Aufenthalt -
Männliche Jugendliche im Alter von 14-21 Jahren, die ausschließlich auf Grund eines
Gerichtsurteils in die Psychiatrie eingewiesen werden.

Ergotherapie

Aus dem Griechischen übersetzt bedeutet Ergotherapie „Heilung durch Handeln, Werken, Arbeiten oder Tun“. Diese Einzel- oder Gruppenaktivitäten tragen als Teil der medizinischen Behandlung zur Überwindung von Störungen, zur Förderung der Selbständigkeit, zur Aktivierung und Rehabilitation bei.
In der Therapie wird durch eine Stärkung der Persönlichkeit eine Veränderung des Verhaltens und Erlebens angebahnt, wodurch dem Patienten soziale Integration und damit ein gewisses Maß an Lebensqualität möglich wird. Gerade für die strukturell gestörten Patienten stellen die ergotherapeutischen Behandlungsmethoden mit Möglichkeiten zum stärkeren Agieren und gestalterischer Darstellung eine Chance dar, ihre nonverbalen, vorsprachlichen Konflikte zu thematisieren und damit einer rekonstruktiven Aufarbeitung zugänglich zu machen.

Das ergotherapeutische Behandlungsverfahren stützt sich auf die Verhaltenstherapie und verläuft in zwei Grundrichtungen:

a)  die mehr funktionell / didaktisch ausgerichtete Behandlung mit dem Ziel vom
Wiedererlernen, Lernen und Üben bestimmter Fähigkeiten, z.B.:

  • Koordination und feinmotorische Geschicklichkeit
  • emotionale und kognitive Fähigkeiten (Ausdauer, Konzentration, Frustrationstoleranz, konstruktives Denken ect.)
  • allgemeine Selbständigkeit
  • Strukturen, Regeln und Grenzen

b)   die mehr gestalterisch / kreativ ausgerichtete Behandlung mit dem Ziel, dem Kind / bzw. Jugendlichen bei der Bewältigung seiner Probleme zu helfen und ihm die Möglichkeit zu geben, realitätsbezogenes und adäquates Verhalten zu üben und zu lernen, z.B.:

  • Abbau von Hemmungen
  • Verbesserung des Selbstwertgefühls
  • Erkennen der eigenen Fähigkeiten
  • Phantasieentfaltung
  • Kommunikationsfähigkeit
  • Kritikfähigkeit;

Die Therapiemittel der ergotherapeutischen Behandlung beinhalten eine breite Palette von unterschiedlichen Funktions- und Ausdrucksmöglichkeiten wie:

  • handwerkliche und gestalterische Mittel zum Werken, Formen, Malen, Flechten, Weben, Nähen, Basteln aus Materialien wie Holz, Ton, Farben, Peddigrohr, Speckstein, Textilien, Garn, Pappe und Papier, Wachs, Kork, Naturmaterialien u.a.m.
  • Materialien und Mittel für Sinneswahrnehmungstraining
  • Geräte zur akustischen Stimulation
  • didaktisches Spielmaterial, funktionelle Spiele und Theaterutensilien
  • körperorientierte Arbeit
handwerkliches und musisches Arbeiten

Durch kreatives, gestalterisches, handwerkliches und musisches Arbeiten werden die schöpferischen Kräfte der Kinder und Jugendlichen geweckt. Diese Betätigungen führen zur Kanalisierung aggressiver Impulse und zur allgemeinen psychischen Stabilisierung.

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