Krankheitsbilder

Hier erhalten Sie nähere Informationen zu den Krankheitsbildern die in der LWL-Klinik Marsberg behandelt werden.



Angsstörungen

Wann wird die Angst zur Störung? Wenn sie der tatsächlichen Bedrohung nicht mehr entspricht und damit mehr schadet als nützt.

"Angst ist ein schlechter Ratgeber", heißt es im Volksmund, aber auch: "Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste". In diesen beiden Redensarten wird ein durchaus gesunder Instinkt angesprochen - nämlich die Angst vor echten Bedrohungen, die dazu dient, sich selbst zu schützen und vor Fehlern zu bewahren.

Neben "gesunder" Angst gibt es aber auch krankhaft übersteigerte Ängste. Manchmal betreffen sie nur bestimmte Dinge und Ereignisse wie das Fahrstuhlfahren oder das Fliegen mit einem Flugzeug. Derartige Ängste vor bestimmten Situationen nennen Fachleute Phobien. Andere Menschen werden von plötzlichen Panikanfällen heimgesucht. "Aus heiterem Himmel" verspüren sie alle körperlichen Begleiterscheinungen von massiver Angst: Atemnot, Beklemmungsgefühle, Herzrasen und Schwindel. Wegen der massiven körperlichen Befindensstörungen führt sie meist der erste Weg zum Hausarzt, Internisten oder in die Notaufnahme eines Krankenhauses.

Nach dem Angstanfall geht es den Betroffenen gut. Was bleibt, ist die Angst vor dem nächsten Anfall, der mit oder ohne Anlass als tagtägliche Bedrohung Betroffenen oft die Lebensfreude nimmt.

Schließlich gibt es noch einen Typus von Angsterkrankungen, bei dem die Betroffenen mehr oder minder beständig unter diffuser Anspannung und chronischen Befürchtungen leiden. Beständig über Tage, Wochen und Monate bestehen nicht genau abgrenzbare, allgemeine Angstbeschwerden. Diese so genannten generalisierten Angsterkrankungen zermürben den Betroffenen und mischen sich häufig mit depressiven Verstimmungszuständen.

Die Formen der Angst sind facettenreich. Angst kann sich hinter der Maske völliger Beherrschtheit verbergen, aber auch dazu führen, dass Betroffene Hilfe im "Seelentröster" Alkohol suchen oder ungeeignete Beruhigungstabletten konsumieren.

Heutzutage sind Angsterkrankungen in der Regel gut behandelbar. Es gibt sowohl Medikamente als auch erfolgreich erprobte Psychotherapieverfahren.

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Anpassungsstörungen

Eine schwere Krankheit, Trennung der Eltern oder der Tod eines nahe stehenden Menschen: Jeder Mensch erfährt in seinem Leben mehr oder weniger tief greifende Veränderungen, die seinen Alltag durcheinander werfen und eine erhebliche Belastung bedeuten.

Menschen können sich nach einiger Zeit vielen Veränderungen anpassen. Andere überfordern die Anpassungsfähigkeit der Betroffenen so sehr, dass diese darauf mit Depressionen, Ängsten oder anderen psychischen Störungen reagieren.

Wenn die Reaktionen so stark sind, dass sie behandelt werden müssen, spricht man von einer Anpassungsstörung. Kinder und Jugendliche die unter einer Anpassungsstörung leiden, benötigen Hilfe bei der Bewältigung der Belastung. Es werden Wege gesucht, die Belastungen abzubauen oder - wenn dies nicht möglich sein sollte - mit den Belastungen besser umzugehen. Als hilfreich hat sich die Anwendung einer Psychotherapie erwiesen.

Neben den beschriebenen so genannten kritischen Lebensereignissen und chronischen Belastungen erleben manche Menschen schwerste Ausnahmesituationen, die das psychische System an die Grenze seiner Möglichkeiten bringen. Dazu gehören Katastrophen wie ein Erdbeben oder ein Flugzeugabsturz. Die Anschläge von New York oder das Zugunglück in Eschede sind Beispiele eines solchen Desasters. Ebenso können ein Raubüberfall, eine Vergewaltigung oder eine Misshandlung Auslöser sein. Dabei ist es nicht unbedingt nötig, selbst Opfer zu sein. Die Zeugen solcher Ereignisse entwickeln möglicherweise ebenso Symptome, z.B. Feuerwehrleute, die die Opfer bergen müssen.

Die Folgen sind intensive Angst, Hilflosigkeit und Entsetzen, sowohl während des Ereignisses als auch manchmal Jahre später. Danach tritt meistens Empfindungsverlust oder ein Gefühl des Losgelöstseins von der Realität oder dem eigenen Körper auf. Manche erleben einen Gedächtnisverlust für die Zeit der Katastrophe (Amnesie). Andere durchlaufen sie immer wieder neu, manchmal so realistisch, als befänden sie sich tatsächlich wieder in der Situation (Flash back).

Sehr oft sind die Opfer ständig angespannt und nervös, schrecken bei Kleinigkeiten hoch oder sind gereizt und leiden unter Konzentrationsschwäche. Manche werden von Schuldgefühlen gequält, weil sie die Ereignisse nicht verhindern konnten oder weil sie selbst überlebt haben. Halten die Symptome wenige Tage bis einen Monat nach dem katastrophalen Ereignis, einem so genannten Trauma, an, spricht man von einer Akuten Belastungsreaktion. Dauern die Reaktionen jedoch weitaus länger - etwa Jahre oder sogar das ganze Leben - sind es Posttraumatische Belastungsstörungen. Akute wie Posttraumatische Belastungsstörungen beeinträchtigen zumeist das psychische Befinden und die Lebensqualität der Betroffenen.

Belastungsstörungen sind heute therapeutisch gut behandelbar.

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Depression

Jeder Mensch ist Stimmungen unterworfen - guten und schlechten. Mal freudig erregt, mal mutlos und niedergeschlagen, das sind die verschiedenen "Gemütsbewegungen", wie die frühere Bezeichnung lautet.

Nicht immer ist konkret nachvollziehbar, woher sie kommen und wodurch sie ausgelöst werden. Eine extreme Gemütsbewegung ist die "Gemütserkrankung", die Depression und ihre in seltenen Fällen auftretende Variante, die manisch-depressive Erkrankung.

Trauer, Mutlosigkeit und Niedergeschlagenheit sind meistens ganz normale Reaktionen auf Enttäuschungen, Trennungen, Überlastungen oder den Verlust eines geliebten Menschen. Im medizinischen Sinn ist dies noch keine Depression, sondern die "gesunde" psychische Verarbeitung eines belastenden Erlebnisses. In der Regel dauert diese einige Tage, vielleicht ein paar Wochen oder Monate, doch wenn der Lebensschmerz nachlässt, hebt sich die Stimmung wieder.

Wenn dagegen die "schlechte Stimmung" gar nicht mehr aufhören will und die Betroffenen kaum noch ein belastendes Erlebnis als Ursache benennen können, spricht man von einer Depression. Depressive Menschen verspüren eine tiefe Leere, die bis zur Todessehnsucht eskalieren kann. Der Versuch, sie aufzuheitern, schlägt meistens ins Gegenteil um, die Stimmung wird noch gedrückter.

Manche Depressionen äußern sich in körperlichen Beschwerden wie Kopf- und Magenschmerzen und sind deshalb besonders schwer zu erkennen. Depressionen können durch belastende Erlebnisse ausgelöst werden, beruhen nach neueren Erkenntnissen aber auch auf Störungen des Stoffwechsels im Gehirn. Bestimmte Botenstoffe im zentralen Nervensystem - sogenannte Neurotransmitter - sind aus dem Gleichgewicht geraten. Dadurch verändert sich die Fähigkeit, Freude und Zufriedenheit zu verspüren, negative Gefühle wie Schuldgefühle und Selbstanklagen werden übermächtig. Motivation und Antrieb unterliegen einer bleiernen Hemmung. Psychotherapie und die Behandlung mit Medikamenten (Antidepressiva) führen bei den meisten Patientinnen und Patienten zu erkennbaren Erfolgen.

Deprimiertheit und Teilnahmslosigkeit sind nur die eine Seite der "Gemütserkrankung". Die andere Seite der seelischen Störung ist die so genannte Manie, die noch schwieriger als Erkrankung zu erkennen ist. Tatendrang, Euphorie, Risikobereitschaft und scheinbar unbändige Energie kennzeichnen die Manie. Manische Phasen sind geprägt von totaler Selbstüberschätzung, Größenwahn und hektischen Aktivitäten, die aber selten zu Ende gebracht werden. Die so gegensätzlich sich äußernde Krankheit entspricht der Volksweisheit: "Himmelhoch jauchzend, zu Tode betrübt ...".

Mittlerweile leiden vier Millionen Deutsche unter einer Depression, die einer der verbreitesteten seelischen Erkrankungen ist und zunehmend häufiger auftritt.

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Essstörungen

95 Prozent aller Magersüchtigen (Anoretiker) sind Mädchen und Frauen; 90 Prozent aller an Bulimie (Ess-/Brechsucht) leidenden Menschen sind ebenfalls Mädchen und Frauen, doch der Anteil der betroffenen Männer steigt an.

Eine weitere Gemeinsamkeit ist die Tatsache, dass diese Erkrankungen lange Zeit verheimlicht oder gar nicht erkannt werden. Essstörungen entstehen zumeist aus seelischen Belastungen und haben schwere körperliche Folgen, z.B. Störungen des Kreislaufsystems, des Fettstoffwechsels oder des Bewegungsapparates. Nur ein sehr kleiner Anteil der betroffenen Kinder, Jugendlichen, Frauen und Männer lässt sich medizinisch oder therapeutisch behandeln.

Widersprüchlich erscheint, dass sich an Essstörungen Erkrankte fast ständig mit Essen und Trinken beschäftigen. Nahrungsmittel werden in unverhältnismäßigen Mengen gehortet und versteckt; Geld spielt dabei keine Rolle. Anfallartigen Ess-Attacken folgen Phasen tiefer Niedergeschlagenheit und intensiver Selbstanklagen wegen der vermeintlich "ruinierten" Figur. Durch Erbrechen und alle Arten von Abführmitteln soll deshalb der frühere Zustand des Körpers wieder hergestellt werden. Im Unterschied zu den magersüchtigen Menschen halten die bulimischen in der Regel ein normales oder nur gering unterdurchschnittliches Gewicht. Beide Gruppen haben gemeinsam das Problem von Störungen des Stoffwechsels und des körpereigenen Wasserhaushalts, die bis hin zu lebensbedrohenden Zuständen führen können.

Die Bulimie entsteht, ebenso wie die Magersucht, auf Grund einer gestörten Wahrnehmung des eigenen Körpers. Fachleute führen dies vor allem auf Faktoren zurück, die in der Lebensgeschichte wurzeln. Statistiken zeigen, dass in den Familien, aus denen bulimische Frauen stammen, häufig gestörte Beziehungen zum Vater und zur Mutter herrschten, dass Kontrolle und Konfliktvermeidung und gleichzeitig hektische, völlig überzogene Aktivitäten den Alltag prägten. Das Essen wird vom Grundbedürfnis auf eine besonders hohe Stufe erhoben: als Ablenkung, Belohnung oder - beim gemeinsamen Essen - als Vortäuschung eines Familienlebens in Eintracht und Harmonie. Weitere Ursachen sind sexueller Missbrauch oder unzureichende Ernährung. Nicht zu unterschätzen ist die Rolle der Werbung, die makellose und extrem schlanke Körper propagiert, denen in der Realität kaum jemand entsprechen kann. Auf dieser Grundlage entstehen Depressivität und mangelndes Selbstwertgefühl, an denen bulimische Menschen später leiden.

Die Einsicht in das Vorhandensein einer Störung ist zumeist der erste und zugleich schwierigste Schritt auf dem Weg zur effektiven Behandlung der Essstörung. Sie ist langwierig und kompliziert, von vielen Rückfällen gekennzeichnet und in einzelnen Fällen ist eine stationäre Psychotherapie unumgänglich.

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Persönlichkeitsstörungen

Jeder Mensch hat eine eigene Persönlichkeit. Bestimmte Eigenschaften und Verhaltensweisen, die sein ganzes Leben über weitgehend konstant bleiben, verleihen ihm eine unverwechselbare Individualität.

Wenn eine oder mehrere Eigenschaften zu fortwährenden Anpassungsproblemen führen, persönliche Entwicklungsmöglichkeiten blockieren oder die Umwelt und die Mitmenschen belasten, spricht man von einer Persönlichkeitsstörung. Bestimmte Verhaltensmerkmale des persönlichkeitsgestörten Menschen weichen von denen des Bevölkerungsdurchschnitts ab - oft schon seit der Jugendzeit.

Zu den häufigsten Störungen zählt die "Borderline-Persönlichkeitsstörung", unter der zumeist Mädchen und junge Frauen leiden. Der Begriff stammt vom englischen "borderline", zu deutsch "Grenze". Borderline-Persönlichkeiten sind Menschen, die stabil in ihrer Instabilität sind. Extreme Schwankungen zwischen gefühlsmäßigen "Hochs" und "Tiefs" sind an der Tagesordnung. Die Gefühlsspannungen leben die Betroffenen oft mit Selbstschädigungen wie das Aufschneiden der Haut oder durch impulsives Verhalten aus, ohne an die Folgen zu denken. Borderline-Persönlichkeiten sind sich ihrer selbst nicht sicher und neigen dazu, auch ihre Bezugspersonen in rascher und unvorhersehbarer Folge entweder zu idealisieren oder zu entwerten. Die Instabilität ihres Gefühlslebens und der Beziehungsgestaltung führt zu Konflikten, sowohl im privaten wie auch im gesamten sozialen Umfeld. Borderline-Persönlichkeitsstörungen sind heute gut therapierbar, z.B. mit der Dialektisch-behavioralen Therapie.

Eine andere häufige Form der Persönlichkeitsstörung ist die narzisstische Störung. Die betroffenen Menschen sind in hohem Maß auf Bewunderung und Anerkennung angewiesen. Auf Kritik reagieren sie mit Wut und Scham. In ihrem übertriebenen Selbstwertgefühl stellen sie die eigenen Fähigkeiten und Talente übertrieben dar und erwarten, ohne besondere Leistungen als "etwas Besonderes" betrachtet zu werden. Sie beschäftigen sich stets mit Phantasien grenzenlosen Erfolgs, Macht, Glanz, Schönheit und idealer Liebe.

Oft gehen Persönlichkeitsstörungen mit anderen psychischen Erkrankungen wie z.B. Depressionen, Ängsten, Süchten oder psychosomatischen Beschwerden einher. In der Regel sind es diese Beschwerden, die die Betroffenen veranlassen, therapeutische Hilfen in Anspruch zu nehmen.

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Schizophrenie

Der Begriff Schizophrenie stammt aus dem Griechischen und heißt soviel wie "Spaltungsirresein". Schizophrenien zählen zu den häufigsten psychischen Krankheiten.

Dennoch fällt es - vor allem den Betroffenen - schwer, sie zu identifizieren, zumal die Anfänge scheinbar ganz "normaler" Natur sind. Ängstlichkeit, Stimmungsschwankungen, Missverständnisse, Einsamkeit oder Passivität sind Gefühle, die jeder Mensch hin und wieder durchlebt, ohne deshalb schon schizophren zu sein oder sich dafür zu halten. Erst wenn die Merkmale, Anzeichen oder Signale eskalieren, sind es oftmals Angehörige, Freunde und Bekannte, die auf psychische Veränderungen aufmerksam werden und eine seelische Erkrankung vermuten, meistens eher als die Leidenden selbst.

Unter Schizophrenie versteht man die Zersplitterung der Persönlichkeit. Das Denken, Fühlen und Handeln bildet keine Einheit mehr und ist gewissermaßen aufgespalten.

Die meisten Menschen mit schizophrenen Erkrankungen halten sich für unverstanden bis hin zum Leiden unter Verfolgungswahn, verschließen sich ihrer Umwelt, reagieren panisch oder, wenngleich selten, überschwänglich begeistert. Viele kapseln sich immer mehr ab, schaffen ihre eigene Wirklichkeit, hören plötzlich Stimmen, die es nicht gibt (akustische Halluzinationen) und registrieren ihre Umgebung zunehmend als bedrohlich und feindselig.

Die gestörte Wahrnehmung der äußeren Wirklichkeit verursacht zudem abweichendes Erleben und Denken und daraus resultierend eine unlogische Willensbildung und Entscheidungsfindung. In der Folge entstehen tief greifende Zwiespältigkeiten, zeitweilig aber auch ein sich bis zum Starrsinn steigerndes Festhalten an einmal gewählten Einstellungen und Entscheidungen.

Markante Kennzeichen schizophrener Störungen sind Wochen oder Monate dauernde Krankheitsprozesse sowie höchst unterschiedliche Phasen und Verläufe. Zwischen den akuten Krankheitsepisoden sind monate- oder jahrelange stabile Abschnitte keine Seltenheit. Viele Patientinnen und Patienten werden nur ein- oder zweimal in ihrem Leben von schizophrenen Symptomen angegriffen. Auch in der modernen Medizin gibt es noch keine gesicherten Kenntnisse, die eine exakte Vorhersage über den Krankheitsverlauf zugelassen. Aber es gibt inzwischen gute und hilfreiche Therapieansätze.

Hauptsächliche Ursache für eine schizophrene Erkrankung ist wahrscheinlich eine erblich bedingte oder vorgeburtlich erworbene Schwäche bestimmter Hirnfunktionen. Die dadurch bedingte "Dünnhäutigkeit" kann in Verbindung mit Belastungssituationen (Stress) im Einzelfall krankheitsauslösend wirken.

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Sucht

Alkoholismus ist nach der Nikotinsucht die häufigste Sucht in unserer Kultur. Gleichzeitig ist Alkohol gesellschaftlich akzeptiert und wird von der großen Mehrheit nicht als süchtig machende Droge verurteilt.

Alkohol gehört inzwischen zum Alltag und hat vielfältige Funktionen: als "Genussmittel", "Stimmungsmacher", gegen alle Arten von Stress und Frustration. So genannte "Suchtkarrieren" haben diverse Stadien des Trinkens und enden in der Regel mit körperlicher Abhängigkeit bis hin zum seelischen Verfall. Dennoch gibt es wohl keine andere Krankheit, die von den Betroffenen so lange und hartnäckig geleugnet wird wie der Alkoholismus. Das erschwert nicht nur die Vorbeugung, sondern auch den Umgang von Angehörigen und Fachleuten mit alkoholkranken Menschen.

Die Abhängigkeit resultiert aus einer Mischung biologischer, seelischer und sozialer Faktoren, in der Erbanlagen ebenso wie die Lebensumstände eine Rolle spielen. Die Therapie kann die vollständige Enthaltsamkeit (Abstinenz) oder die Verminderung des Alkoholkonsums (kontrolliertes Trinken) zum Ziel haben.

Neben den sogenannten substanzgebundenen Süchten wie der Abhängigkeit von Alkohol, Medikamenten, Heroin, Cannabis oder pflanzlichen und chemischen Drogen sind in den vergangenen Jahren "verhaltensbezogene" Süchte wie die Spiel- oder Arbeitssucht zunehmend in das öffentliche Bewusstsein gerückt. Die Ursachen sind vielfältig, vom medizinischen Standpunkt aus jedoch nicht eindeutig belegt oder allgemein anerkannt.

Ein solches Fehlverhalten wird oftmals dadurch ausgelöst, dass die unerträglich erscheinende Realität verdrängt werden soll. So wird zwar die Wahrnehmung betäubt, aber der jeweilige zugrunde liegende Konflikt nicht gelöst. Er wird lediglich überspielt. Bei fortschreitender Krankheit wächst die Abhängigkeit von Suchtmitteln, gleichzeitig muss ihre Dosis regelmäßig erhöht werden (Gewöhnung). In süchtigem Verhalten ist demnach die Tendenz zur Selbstzerstörung angelegt. Dem Ruin der sozialen und materiellen Existenz folgt nicht selten der körperliche Verfall und eine deutlich erhöhte Sterblichkeitsrate.

Grundsätzlich aber gilt:
Jedes menschliche Verhalten kann - exzessiv ausgeübt - abhängig machen. Bei so genannten stoffgebundenen Abhängigkeiten, z.B. der Abhängigkeit von Alkohol, spielen wahrscheinlich auch anlagebedingte, körpereigene Stoffwechseldefizite eine Rolle.

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Zwangsstörungen

Jeder Mensch kennt das: Man verlässt die Wohnung, und auf dem Weg zur Bushaltestelle beschleicht einen das Gefühl, nicht richtig abgeschlossen zu haben.

Also geht man noch einmal zurück, steckt den Schlüssel ins Schloss und stellt meistens fest, dass die Sorge unbegründet war. Auf dem Weg in den Urlaub denkt man z.B. immer an die Kaffeemaschine, die man vergessen hat, auszuschalten - und das ist schon ziemlich beunruhigend. In Maßen ist Kontrolle durchaus sinnvoll. Im Extremfall kann sie jedoch bis zur totalen Blockade von Denken und Handeln gehen und zu einer Zwangsstörung führen.

Charakteristisch sind Zwangsgedanken, die Angst und Leiden verursachen und Zwangshandlungen, die zur Vermeidung oder Minderung der Angst beitragen sollen. Zwangsgedanken äußern sich in dem Drang, gegen den inneren Widerstand und trotz besseren Wissens bestimmte Dinge immer wieder zu tun oder zu denken. Die Gedanken kreisen jenseits der Realität um bestimmte Ideen, Impulse oder Vorstellungen, ständiges Händewaschen aus Angst vor Infektionen oder an allem und jedem zweifeln zu müssen. Als Zwangshandlungen gelten jene Verhaltensweisen, die bei Zwangsgedanken immer wieder stereotyp ausgeführt werden. Zwangshandlungen wirken übertrieben und stehen in keinem realistischen Bezug zu einer tatsächlichen Notwendigkeit. Zwangshandlungen führen vorübergehend zum Abbau von Angst und Anspannung und so bei dem Betroffenen zur Erleichterung.

Zu den häufigsten Zwangshandlungen gehören Waschzwänge, Zählen, Kontrollieren und Berühren. Zwangsstörungen können diagnostiziert werden, wenn sie über einen bestimmten Zeitraum die normalen, täglichen Routinehandlungen beeinträchtigen, die sozialen Beziehungen und beruflichen Leistungen einschränken, der Zeitaufwand bei Zwangshandlungen auffallend groß wird.

Etwa 2,5 Prozent der Bevölkerung sind im Lauf ihres Lebens irgendwann einmal von Zwangssymptomen betroffen.

Die Übergänge zu den therapiebedürftigen Zwangsstörungen sind allerdings fließend, also nicht sofort erkennbar, und viele Betroffene verschweigen aus Scham ihr vermeintliches Fehlverhalten.

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