Geschichte der LWL-Kliniken Marsberg
Der Bau einer Anstaltskirche wird 1872 konkretisiert. Im gleichen Jahr wird der St. Johannes Verein durch Beamte der Heilanstalt gegründet. Am 28. Februar 1881 eröffnet das St. Johannes-Stift mit einem Pflegling und zwei Schwestern des Vinzentinerinnen-Ordens. Zehn Jahre später ist die Patientenzahl in dieser kinder- und jugendpsychiatrischen Einrichtung auf 284 angestiegen. Von 1888 - 1900 werden ein Mädchen- und ein Jungenschulhaus, Ökonomiegebäude und das Haupthaus mit Schule, Kapelle und Zentralräumen, sowie zwei Häuser für Bildungsunfähige gebaut. Im gleichen Zeitraum erfolgen Erweiterungsbauten und technische Neuerungen in der Provinzial-Heilanstalt. Beide Einrichtungen erhalten 1900/01 den Anschluss an die Elektrizität, bis dahin gab es Petroleumbeleuchtung.
Das St. Johannes-Stift erhält 1913 ein Lazarettgebäude mit Operationssaal und Arztwohnung. In den Kriegswirren des ersten Weltkrieges entstehen Notsituationen, u.a. durch Überbelegung. Erweiterung von Bausubstanz kann nicht erfolgen, lediglich die Vinzensius-Mühle wird erworben und später zu Arztwohnungen umgebaut. 1926 - 28 erfolgt im St. Johannes-Stift der Bau eines Aufnahmegebäudes und eines Isolierhauses, eine neue Wasserversorgungsanlage wird in Betrieb genommen. 1930 ist das Verwaltungsgebäude fertiggestellt.
In der Zeit von 1933 - 45 werden auch in Marsberg in Folge des Gesetzes zur Verhütung erbkranken Nachwuchses Zwangssterilisierungen und Zwangsverlegungen mit Tötungsabsicht durchgeführt. Es herrscht in allen Einrichtungen eine starke Überbelegung. Die Bautätigkeit ruht. Das St. Johannes-Stift dient zeitweise als militärisches Reservelazarett. Kranke aus der zerbomten Anstalt Münster werden nach Marsberg verlegt. Es herrscht eine allgemeine Notsituation. 1937 kommt es zur Zusammenlegung beider Einrichtungen, die 1948 wieder aufgehoben wird.
Alle Kliniken befinden sich ab 1948 nunmehr in der Trägerschaft des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe. Bis 1951 werden zahlreiche Renovierungs-, Reparatur- und Umbauarbeiten durchgeführt. Die Bettenkapazität der Westfälischen Klinik beträgt mittlerweile 1000 Betten.
1982/83 Kauf der Bunseschen Mühle und Arrondierung des Geländes in der Mühlenstraße, Bau und Inbetriebnahme des Westfälischen Therapiezentrums "Bilstein" am 01. Juli 1983. 1984 wird hier ein Beirat gegründet. 1985/86 Eröffnung der Nervenärztlichen Ambulanz und eine Sozialzentrums in der Westfälischen Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie. Die Westfälische Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie erhält eine Turnhalle.
In beiden Einrichtungen erfolgt die Übergabe eines Mahnmales für die Opfer der NS-Gewaltherrschaft. 1989 finden in der Westfälischen Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie die Feierlichkeiten zum 175jährigen Bestehen der Einrichtung statt; die Westfälische Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie beging bereits 1981 die 100-Jahrfeier. Im Therapiezentrum "Bilstein" kann nach erfolgreich abgeschlossenem Schulversuch eine Regelschule eingerichtet werden.
Am 01. Juli 1996 wird das Pflegeheim im Gebäue 13 der Westfälischen Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie gegründet. Beide Ausbildungsstätten werden in diesem Jahr zu einer gemeinsamen Krankenpflegeschule zusammengeführt. Am 01.01.1997 wird das Westfälische Pflege- und Förderzentrum errichtet. Die Zusammenlegung der beiden bisher eigenständigen Verwaltungs- und Wirtschaftsbetriebe der Westfälischen Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie und der Westfälischen Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie an den Standort Weist 45.
1998 beschließen der Landschaftsverband Westfalen-Lippe und die Landesregierung die Erweiterung des Westfälischen Therapiezentrums "Bilstein" auf dem Gärtnereigelände. Zur Koordinierung des Vorhabens wird ein Maßregelvollzugsgremium gegründet. Die Fertigstellung des Erweiterungsbaus erfolgt im Herbst 2002. Ebenfalls im Jahr 1998 nimmt die Tagesklinik der Westfälischen Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie in Paderborn ihren Betrieb auf.
2003 spricht sich die Landschaftsversammlung des Verbandes für neue, unkomplizierte Namen der LWL-Einrichtungen aus. Zudem treten künftig alle 90 Einrichtungen sowie die Abteilung 65 (Krankenhäuser und Psychiatrie) nach außen als LWL-PsychiatrieVerbund auf.
Im Februar 2004 wird in Meschede die zweite kinder- und jugendpsychiatrische Tagesklinik mit angeschlossener Ambulanz eröffnet. Ihr folgen im Oktober 2004 eine allgemeinpsychiatrische Tagesklinik in Schmallenberg-Bad Fredeburg sowie im Januar 2005 eine weitere kinder- und jugendpsychiatrische Tagesklinik in Höxter. 2006 feiern die Westfälische Kinder- und Jugendklinik zusammen mit dem Westfälischen Wohnverbund Marsberg ihr 125jähriges Jubiläum.
Am 22. Februar 2007 beschließt die Landschaftsversammlung Namensänderungen für die Einrichtungen des Landschaftsverbandes Westfalen Lippe. Die Westfälische Klinik Marsberg heißt zukünftig LWL-Klinik Marsberg. Gleiches gilt für die bisherige Westfälische Kinder- und Jugendklinik, die fortan LWL-KLinik Marsberg heißen wird. Der Westfälischen Wohnverbund wird in LWL-Wohnverbund Marsberg umbenannt. Das Westfälische Pflegezentrum heißt zukünftig LWL-Pflegezentrum Marsberg. Der Name des Westfälischen Therapiezentrums Marsberg "Bilstein" wird in LWL-Therapiezentrum für Forensische Psychiatrie Marsberg geändert.
Um gestiegenen ökonomischen und ökologischen Anforderungen gerecht zu werden, wird 2007 in der LWL-Klinik Marsberg eine Blockheizkraftanlage in Betrieb genommen.
2008 feiert die Tagesklinik Paderborn als älteste der drei kinder- und jugendpsychiatrischen Tageskliniken der LWL-Klinik Marsberg ihr 10-jähriges Bestehen.
Im Herbst 2008 wird ein neues Stationsgebäude des LWL-Therapiezentrums für Forensische Psychiatrie Marsberg nach knapp 2-jähriger Bauphase fertiggestellt und feierlich eröffnet. Zudem feiert die Einrichtung ihr 25-jähriges Bestehen.
Das LWL-Pflegezentrum Marsberg wird im November 2008 als erste stationäre Pflegeeinrichtung in Berlin mit dem KTQ-Award ausgezeichnet.
In den Marsberger LWL-Einrichtungen hat sich die Entwicklung nach 1945 formal und inhaltlich in einem stetigen Prozess der positiven Neuorientierung befunden, um für Patienten und Personal weitgehend optimale Rahmenbedingungen zu schaffen.