Kognitives Training

Kognitives Training (KT) gehört seit Jahren zum festen therapeutischen Angebot der LWL-Klinik Marsberg. Oft auch noch besser bekannt unter den Begriffen Hirnleistungstraining oder Gedächtnistraining wird es von der Ergotherapie mit unterschiedlichen methodischen Ansetzen durchgeführt. Im Bereich der Gerontoneuropsychiatrie vor allem in Form von verbalen Gruppenangeboten, deren Inhalte sich an die Methoden von Fr. Dr. med. Franziska Stengel oder denen des Bundesverbandes Gedächtnistraining anlehnen. Für die Patienten des allgemeinpsychiatrischen Bereichs finden eher computergestützte Trainingsprogramme Anwendung.

Allgemein zielt KT auf ein ganzheitliches gesundheitsorientiertes Training kognitiver Funktionen wie Konzentration, Wahrnehmung, Informationsverarbeitung, Gedächtnis, Logik und Sprache. Beide o. g. Methoden verfolgen zwar identische Ziele, haben aber doch spezifische Zielgruppen.

Im Rahmen von altersbedingten bzw. dementiellen Erkrankungen sind sprachliche Gruppenangebote üblich. So werden z.B. mit Trainingsspielen wie „Wortpaare bilden“ oder „Gegensätze suchen“, „Sprichworte ergänzen“, mit Summenrätseln und Anagrammen die Aufmerksamkeit geweckt und die Konzentration gefördert sowie die Merkfähigkeit und die Sprache angeregt. Nicht unwesentlich sind Spaß und Freude. Denn nur dann, und das kennen wir ja auch von uns, wenn wir etwas gern machen stellt sich ein Trainingseffekt ein.

Probieren sie es doch selbst einmal:

Wie viel Worte und Begriffe fallen ihnen ein in denen HAND vorkommt
oder
Wie viel Worte können sie aus dem Buchstaben des Begriffs KREIS bilden?


Für die Patienten findet ein solches auf Sprache und Schrift basierendes Training im Rahmen der Beschäftigungstherapie im Haus 13 statt. Die meisten Teilnehmer überlegen intensiv mit, andere beobachten erst einmal das Geschehen. Aber alle sind dabei sehr aufmerksam.
Auch außerhalb der Gerontoneuropsychiatrie oder vielleicht auch besonders hier ist kognitives Training ein wichtiger Ansatz in der Ergotherapie. Das Erscheinungsbild der Schizophrenie z.B. umfasst neben der Produktivsymptomatik vor allem auch Defizite im kognitiven Bereich. Kognitionen sind zentrale Prozesse in der Informationswahrnehmung und -interpretation. Sie bestimmen wie Informationen aufgenommen, interpretiert und verarbeitet werden und legen so die Muster des Verhaltens und Erlebens im Alltag fest. Bei psychisch kranken Menschen sind die kognitiven Funktionen gestört. Die LWL-Klinik hat daher das Training kognitiver Funktionen mit in ihr umfangreiches therapeutisches Angebot aufgenommen.

Bei diesem Angebot, das sich vorwiegend an die Patienten des allgemeinpsychiatrischen Bereichs wendet, wird ein speziell für psychisch Kranke entwickeltes Computerprogramm eingesetzt. Es enthält Aufgaben zum Training einzelner kognitiver Funktionsbereiche wie Konzentration, Reaktion, Visumotorik, Auffassung, Gedächtnis, Zahlen/Logik und Worte/Sprache.

Gerade für schizophrene Patienten bietet der PC eine Reihe von Vorteilen. Der Aufforderungscharakter der Angebote auf dem Monitor, das freie Arbeiten im eigenen Rhythmus ohne direkte Kontrolle durch den Trainer oder andere Teilnehmer, die immer wieder gleichen, ja fast standardisierten Trainingsbedingungen.

Neben der Möglichkeit eines spielerischen Einstiegs motiviert das bei uns hauptsächlich verwendete Programm durch weit gefächerte Übungsinhalte, durch variable Schwierigkeitsgrade, schriftliche Anleitungen und Lösungshilfen und die Möglichkeit der selbständigen Kontrolle des Leistungsstandes und des Übungswortschrittes.

Im Zusammenspiel mit den anderen therapeutischen Angeboten entfaltet kognitives Training seine Wirkung. Beschriebene Effekte sind seelische Ausgeglichenheit, subjektive Zufriedenheit und eine Steigerung der Lebensqualität. Allein der Umgang mit dem Computer, die Bewältigung der Trainingsaufgaben stärkt das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten, weckt Motivation und hebt das Selbstvertrauen.

Die LWL-Klinik verfügt im Haus 07 über einen gut ausgestatteten Raum für das PC gestützte Training. An den dortigen Computern ist auch der Zugang zum Internet möglich.