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Qualitätssiegel für Schlaganfalleinheit

Die Abteilung für Neurologie der LWL-Klinik Lengerich hat seit März 2009 eine zertifizierte "stroke unit" nach den Qualitätsstandards der Deutschen Schlaganfallgesellschaft.
Seit Juli 2009 gibt es außerdem im Kreis Steinfurt ein neues Rettungswege-Konzept. Es komplettiert das Versorgungsangebot für die von akuten Schlaganfällen betroffenen Menschen im Kreis Steinfurt. Sie haben künftig die Gewähr, schnellstmöglich in kompetente medizinische Behandlung in Lengerich, Ibbenbüren oder Münster zu kommen.
Denn jede Minute zählt bei einem Schlaganfall!

Spezielle Behandlungseinheit für Schlaganfall-Patienten (stroke unit)

Seit dem 01.11.2006 wird eine Schlaganfalleinheit (stroke unit) mit 4 Überwachungsbetten betrieben. Diese Einheit ist spezialisiert auf die Behandlung von Patienten mit akuten Schlaganfällen und akuten, flüchtigen Durchblutungsstörungen des Gehirns (transitorisch ischämische Attacken, TIA).

Diese Spezialeinheit ist in die Station 4 der Abteilung für Neurologie integriert. Sie ist mit modernster Technik in Form einer Monitoringanlage mit zentralem Überwachungsplatz ausgerüstet. Über diese Monitoringanlage können Parameter wie Blutdruck, Sauerstoffsättigung, Herzfrequenz, EKG, Atmung, Temperatur und weitere Parameter überwacht werden. Die stroke unit ist mit einem eigenen Behandlungsteam ausgestattet, welches auf die Behandlung von Schlaganfall-Patienten spezialisiert ist. Diese besteht aus Ärzten (Zwei-Schicht-Dienst von 8.00-20.30 Uhr, nächtliche Zuständigkeit durch den diensthabenden Arzt der Abteilung), speziell geschultem Pflegepersonal, Physiotherapeuten, Logopädin, Ergotherapeutin. Die ärztliche Leitung untersteht Oberarzt Dr. Mandrysch.


Ziel dieser Behandlungseinheit ist die optimale Versorgung von allen Patienten mit akuten Schlaganfällen (Blutungen und Infarkte) und vorübergehenden Durchblutungsstörungen des Gehirns (TIA). Auf dieser Station besteht die Möglichkeit zur Lyse-Behandlung des Schlaganfalles. Ziel der Behandlung ist die möglichst rasche Ursachendiagnostik sowie die intensive Überwachung und konservative Therapie der auf die Station aufgenommenen Patienten.

Die Notfalldiagnostik per Computertomographie kann im eigenen Hause durchgeführt werden, ebenso wird die notwendige Ultraschalldiagnostik der hirnversorgenden Arterien auf der Station durchgeführt. Kardiologische Untersuchungen werden in Kooperation mit der internistischen Abteilung des Krankenhauses Lengerich durchgeführt. Des weiteren kooperiert die Abteilung mit der MRT-Abteilung des Mathias-Spitals Rheine, der neurochirurgischen Abteilung der Paracelsus-Klinik Osnabrück (Angiographien, neurochirurgische Notfalleingriffe), dem Labor Dr. Enzenauer in Osnabrück sowie verschiedenen Rehabilitationskliniken. Die stroke unit nimmt an einem externen Qualitätssicherungsprojekt (nordwestdeutsches Schlaganfallregister in Kooperation mit der Universitätsklinik Münster) teil.


Nach der Akutdiagnostik und –therapie auf der stroke unit kann der Patient entweder auf der Station 4 der Abteilung für Neurologie weiterbehandelt werden, wo er in einem sog. post-stroke-Bett von Ärzten, Pflegern/Schwestern und Physiotherapeuten weiterbehandelt wird, die ihn von gemeinsamen stroke unit-Visiten her kennen. Andere Weiterbehandlungswege sind die Intensivstation des Krankenhauses Lengerich (im Falle von Intensivtherapiepflichtigkeit/Beatmung), die Verlegung in eine neurochirurgische Abteilung (sh. oben) oder die direkte Verlegung in eine Rehabilitationsklinik oder die Entlassung nach Hause.


3aa. Was ist ein Schlaganfall?
Als Schlaganfall bezeichnet man alle akuten Durchblutungsstörungen des Gehirns. In ca. 85% der Fälle handelt es sich um Minderdurchblutungen, in ca. 15% um Blutungen.
Typische Symptome sind:


  • Akut aufgetretene halbseitige Schwäche/Lähmung

  • Akute halbseitige Sensibilitätsstörungen

  • Akute einseitige Sehstörungen (Blindheit)

  • Akute Sprachstörung

  • Auftreten von Doppelbildern

  • Selten Auftreten von Bewusstlosigkeit, Schwindel, Übelkeit und Erbrechen


Treten die o. g. Symptome nur kurzfristig (für Minuten oder Stunden) auf, so handelt es sich um eine sog. transitorisch ischämische Attacke (TIA).

Bei Auftreten von Symptomen dieser Art sollte sofort der Notarzt gerufen werden, um eine sofortige Einweisung in ein Krankenhaus (am besten mit stroke unit) zu veranlassen.

3ab. Was ist die Lyse-Therapie?
Unter Lyse-Therapie versteht man das aktive Auflösen eines Blutgerinnsels durch entsprechende Medikamente.
Beim Schlaganfall ist typischerweise eine Ader, die Teile des Gehirns mit Blut versorgt, durch ein Gerinnsel (Thrombus) verstopft, sodass das von dieser Ader versorgte Hirngewebe abstirbt oder in Gefahr ist abzusterben. Durch die sofortige Infusionsbehandlung mit einem Medikament, welches diesen Thrombus auflöst, kann die Hirndurchblutung verbessert werden/wiederhergestellt werden. Auf diese Weise lassen sich die resultierenden Folgen/Ausfälle reduzieren/minimieren. Das Hauptrisiko dieser Behandlung besteht in der Einblutungsgefahr in das betroffene Hirnareal. Dieses würde zu einer Verschlechterung der Prognose führen.
Statistisch konnte nachgewiesen werden, dass sich durch die Lyse-Behandlung die Rate der Patienten, die durch einen Schlaganfall versterben oder schwerbehindert bleiben, deutlich reduzieren lässt.

Eine Lyse-Therapie kommt bei folgenden Patienten infrage:
1. Beginn der Symptomatik innerhalb von drei Stunden vor Beginn der Lyse
2. Relevante neurologische Ausfälle
3. (Biologisches) Alter unter 80 Jahre

Abweichungen hiervon sind im Einzelfall und in Abhängigkeit von weiteren Symptomen und Vorerkrankungen sowie Ausschlusskriterien möglich.
Der wichtigste Faktor für die Möglichkeit der Durchführung einer Lyse-Behandlung ist die Zeit! Die Behandlung muß innerhalb von 3 Stunden beginnen. Je früher ein Patient einer qualifizierten Behandlung zugeführt wird, desto günstiger ist seine Prognose. Es gibt also keine Zeit zu verlieren!