Die Abteilung für Neurologie verfügt über 35 Planbetten und übernimmt damit etwa die Hälfte der neurologischen Versorgung im Kreis Steinfurt. Zum Aufgabenspektrum gehört die Diagnostik und Behandlung aller neurologischen Erkrankungen wie Schlaganfälle und flüchtige Durchblutungsstörungen des Gehirns, entzündliche Erkrankungen des Nervensystems wie Meningitis, Encephalitis und Multiple Sklerose, Bewegungsstörungen wie z. B. Morbus Parkinson, Schmerzsyndrome, Epilepsien, Abklärung von Bewusstseinsstörungen sowie die Abgrenzung gegenüber psychosomatischen Krankheitsbildern.
Neben der sog. elektrophysiologischen Diagnostik (z. B. EEG) und der Ultraschalldiagnostik der hirnversorgenden Arterien steht der Abteilung auch ein Schlaflabor (Oberarzt Dr. Takow) und eine Schlaganfalleinheit mit vier Betten (stroke unit) (Oberarzt Dr. Mandrysch) zur Verfügung.
Darüber hinaus bestehen Möglichkeiten zur ambulanten und prästationären neurologischen Behandlung.
Die Abteilung für Neurologie ist im Krankenhaus Lengerich untergebracht, welches sich in etwa 600 m Entfernung von der LWL-Klinik Lengerich befindet. Dort kooperiert sie eng mit den im Krankenhaus Lengerich vorhandenen Fachabteilungen.
Am 30. August findet in der Gempthalle Lengerich die Veranstaltung "Lengericher Tag der Multiplen Sklerose" statt. Namhafte Referenten und ausstellende Fachanbieter des Gesundheitswesens vermitteln fundierte Informationen zur Erkrankung. Weitere Informationen erhalten Sie im Sekretariat der Abteilung für Neurologie der LWL-Klinik Lengerich, Tel.-Nr.: 05481 12120 oder auf dieser Webseite „Abteilung für Neurologie“.
Multiple Sklerose tritt zunehmend häufig auf
Melanie F. war gerade mit ihrem Lebensgefährten aus dem Spanienurlaub zurückgekehrt, als sie bemerkte, dass sie mit dem rechten Auge nicht mehr richtig sehen konnte. Die 22jährige angehende Bankkauffrau wartete zunächst zwei Tage ab und suchte dann den Augenarzt auf, der keine Ursache für die Sehstörung feststellen konnte und sie daraufhin zum Neurologen überwies. Dieser führte verschiedene Tests durch und wies sie mit dem Verdacht auf eine Sehnervenentzündung ins Krankenhaus ein. Mittlerweile konnte sie mit dem rechten Auge nur noch 10 % sehen und bemerkte auch einen Schmerz hinter dem rechten Auge. In der neurologischen Abteilung des Krankenhauses wurde eine Kernspintomographie des Kopfes durchgeführt, eine Nervenwasseruntersuchung sowie weitere Tests, bis nach wenigen Tagen feststand: Es handelt sich um eine Sehnervenentzündung im Rahmen einer Multiplen Sklerose. Bei genauem Überlegen hatte die Patientin sich erinnert, bereits vor einem halben Jahr Taubheitsgefühle an den Beinen verspürt zu haben, die nach wenigen Wochen von selber abgeklungen waren. Dabei handelte es sich wahrscheinlich um das erste Symptom der Erkrankung. Die jetzige Sehnervenentzündung stellte den zweiten Schub dar. Melanie F. wurde mit Kortison behandelt, woraufhin sich die Symptome innerhalb von drei Wochen komplett besserten. Ferner wurde eine Behandlung mit einem Medikament begonnen, das sich die Patientin nun regelmäßig selber injizieren muss, um die Krankheitsaktivität einzudämmen und weiteren Krankheitsschüben vorzubeugen.
„Dieses ist eine typische Geschichte einer Patientin, bei der die erstmalige Diagnose einer Multiplen Sklerose gestellt wird“, so Dr. Florian Bethke, Chefarzt der Abteilung für Neurologie der LWL-Klinik Lengerich. Die MS ist die häufigste entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems (Gehirn und Rückenmark) und die häufigste neurologische Erkrankung im jungen Erwachsenenalter überhaupt. Es handelt sich um eine durch das körpereigene Immunsystem vermittelte Entzündung an den Nervenzellen, die meistens schubweise auftritt und zu verschiedenen Symptomen wie Sehstörungen, Koordinations- und Gleichgewichtsstörungen, Lähmungserscheinungen oder Taubheitsgefühlen führen kann. „Die genaue Ursache der Erkrankung ist nach wie vor nicht geklärt“, so der Mediziner. „Typisch ist jedoch der Erkrankungsbeginn zwischen 20 und 30 Jahren und das häufigere Auftreten bei Frauen (60 bis 70 %). In Deutschland erkrankt etwa einer von 1 000 Einwohnern.“ Die Tendenz scheint steigend zu sein, wie neueste Forschungsergebnisse zeigen. Die Erkrankung trifft den Betroffenen häufig in einer Phase, in der Themen wie Berufsfindung, Partnerschaft und Familiengründung ganz aktuell sind. Der Betroffene muss sich plötzlich mit einer chronischen Krankheit auseinandersetzen, die ihn sein Leben lang begleiten wird, auch wenn sie nicht während des ganzen Lebens Symptome hervorruft und auch nicht lebensverkürzend ist. Mittlerweile existieren verschiedene Behandlungsmöglichkeiten, die den Verlauf der Erkrankung günstig beeinflussen können, und ein Großteil der Betroffenen kann Dank der neuen Therapien darauf hoffen, auch langfristig weitgehend symptomfrei und ohne größere Einschränkungen zu leben.
Über neueste Forschungsergebnisse in Bezug auf Ursachen und Therapien sowie über etablierte Behandlungsmöglichkeiten und viele Fragen rund um das Thema MS und das Leben mit dieser Krankheit informiert der Lengericher Tag der Multiplen Sklerose am 30.08.2008 in der Gempt-Halle in Lengerich. Die Veranstaltung, die von 9 bis 16 Uhr stattfindet, vereint eine Informationsveranstaltung für alle Betroffenen, Angehörigen und Interessierten mit einer Fortbildungsveranstaltung für Ärzte zum gleichen Thema unter einem Dach. Während der Vormittagsstunden referieren namhafte Referenten aus Forschung und klinischer Neurologie über wichtige neue Erkenntnisse zu diesem Thema. Der Clou dieser Veranstaltung besteht darin, dass die Vortragenden ihre Referate zweimal halten: Einerseits vor der ärztlichen Zuhörerschaft, andererseits vor den Laien, denen die Themen in verständlichem Deutsch dargestellt werden. Nach dieser Parallelveranstaltung finden im Laufe des Nachmittags weitere Vorträge für Betroffene und Interessierte statt, die sich vorwiegend mit den psychologischen und sozialmedizinischen/rechtlichen Aspekten der Erkrankung befassen. Der Lengericher Tag der Multiplen Sklerose wird abgerundet durch ein Ausstellungsprogramm, welches vor und nach den Vorträgen sowie in den Pausen weitere Möglichkeiten zur Information über Medikamente, Hilfsmittel, Rehabilitationsmöglichkeiten etc. bietet. Zu diesem Zweck haben sich regionale und überregionale Aussteller aus den Gebieten der Pharmazie, Hilfsmittelanbieter, Rehakliniken etc. angekündigt.
Für das leibliche Wohl wird während der Pausen gesorgt.
Der Eintritt für die Laienveranstaltung ist frei. Die ärztliche Fortbildungsveranstaltung findet in Kooperation mit der Akademie für ärztliche Fortbildung der Ärztekammer Westfalen-Lippe statt und ist für deren Mitglieder frei.
Weitere Informationen erhalten Sie im Sekretariat der Abteilung für Neurologie der LWL-Klinik Lengerich, Tel.-Nr.: 05481 12120.