LWL-Klinik Lengerich

Vierter gerontopsychiatrischer Dialog in der LWL-Klinik Lengerich fördert Information und Unterstützung der Pflegenden

Herausfordernd: Gewalt gegen Pflegende

In Pflegesituationen kommt es nicht selten von Seiten der Pflegebedürftigen zu aggressiven verbalen und körperlichen Übergriffen gegen Pflegende, zum Beispiel in Form von Beleidigungen, Drohungen, Schlägen, Bissen, Tritten oder an den Haaren ziehen. Die Gründe sind individuell sehr unterschiedlich; häufig sind Krankheiten wie Demenz die Ursache oder zum Beispiel Schmerzen, Anspannung und Angst. Ebenso kann das Gefühl, zunehmend abhängiger von der Hilfe und Unterstützung anderer Menschen zu sein, bei pflegebedürftigen Menschen zu Frustration und Ablehnung führen. Die Belastung Pflegender durch solches Verhalten ist sehr groß, auch wenn sie dieses Verhalten professionell einordnen können. Vor allem in Familien gelingt es nicht immer, Übergriffe nicht persönlich zu nehmen – schließlich stehen die Angehörigen zu dem Erkrankten in einem persönlichen Verhältnis. „Das geht über meine Grenzen“ war das Thema des vierten gerontopsychiatrischen Dialogs im Kreis Steinfurt, den die Abteilung Gerontopsychiatrie der LWL-Klinik Lengerich organisiert hatte. Am 21. Oktober wurden im Festsaal 120 Teilnehmer dieser Veranstaltung aus unterschiedlichen Institutionen sowie Betreuer und Angehörige begrüßt.

In zwei Fachvorträgen stellte Stefanie Hengelbrock, Pflegepädagogin und Leiterin der innerbetrieblichen Fortbildung in der LWL-Klinik Lengerich, dar, wie bedeutsam es ist, die oben beschriebenen Verhaltensweisen der Pflegebedürftigen zu verstehen. Ergänzend hierzu erläuterte sie entsprechende Pflegeinterventionen, um diesen herausfordernden Verhaltensweisen zu begegnen und die eigenen Grenzen zu schützen.

Dr. Susanne Biermann, Chefärztin der Abteilung Gerontopsychiatrie, und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wissen aus eigener Erfahrung, wie belastend Übergriffe sein können. „Sie lassen sich oft nicht vermeiden. Wenn außerdem im Berufsalltag Zeit und Personal knapp sind, ist der Umgang mit Übergriffen umso schwieriger. Es gibt keine Patentlösungen“, sagt sie, und Stephan Bögershausen, stellvertretender Pflegedirektor der LWL-Klinik Lengerich ergänzt:„Für die Beschäftigten in den Einrichtungen bleiben verbale und physische Übergriffe eine Herausforderung. Eine gute Unterstützung erfahren Mitarbeiter durch entsprechend Fortbildungen und Trainings.“ Es gibt zum Beispiel spezielle Deeskalationstrainings, die besonders für junge Pflegende mit wenig Erfahrung sehr hilfreich sind.

Bei aggressiver Abwehr Demenzkranker kann auch eine Veränderung der Situation helfen; hier können Pflegende sich das rasche Vergessen von Pflegebedürftigen - zum Beispiel auch von Streitigkeiten  – zu Nutze machen.

„Im Alltag fördern wir, dass Pflegende trotz aller Belastungen ressourcenorientiert mit den Pflegebedürftigen arbeiten, ihre noch vorhandenen Möglichkeiten wahrnehmen und berücksichtigen. Damit das aber langfristig gut gelingt und sie selbst im Berufsalltag gesund bleiben, benötigen sie Unterstützung und Verständnis“, fasst Tina Giesker einen immer wieder neu herausfordernden Teil ihrer Arbeit als pflegerische Stationsleitung der spezialisierten Demenzstation zusammen.

Es fand ein reger Austausch der Gäste in den Caféhausgesprächen und Pausen statt, der die Vernetzung in der Region weiter stärken soll. Dass die Abteilung Gerontopsychiatrie in der LWL-Klinik Lengerich bei schwierigen Verhaltensweisen von Pflegebedürftigen, in der Nachsorge und bei anderen speziellen Fragen ein guter Ansprechpartner ist, wurde  in dem abschließenden Rundgang durch die Abteilung noch einmal deutlich. Viele Besucher nutzten die Gelegenheit zu einem intensiven, fachlichen Austausch.