Krankheitsbilder im Maßregelvollzug - Ein Überblick
Psychosen
Die Bezeichnung Psychose ist der Sammelbegriff für schwere psychische Erkrankungsformen, die unter anderem durch gravierende Störungen der/s Betroffenen im Bezug zur Umwelt gekennzeichnet sind. Eine wichtige Unterscheidung ist die zwischen exogenen (als Ursache der Erkrankung sind organische Schäden nachweisbar, zum Beispiel Tumore, Vergiftung, Hirnschädigung, Infektionen) und endogenen Psychosen (Ursache nicht eindeutig auf eine körperliche Erkrankung zurückzuführen, unterschiedliche Einflüsse spielen eine Rolle). Zu den endogenen Psychosen zählt man zum einen die so genannten affektiven Psychosen, also Depressionen, Manien oder eine manisch-depressive Erkrankung. Im Vordergrund stehen dabei Störungen des Gefühlslebens und des Antriebs. Zu den endogenen Psychosen gehört auch die Schizophrenie. Diese spielt unter den Diagnosen im Maßregelvollzug eine größere Rolle. Dabei stehen meistens Störungen des Denkens und der Wahrnehmung sowie Veränderungen der Gefühle in jeweils unterschiedlichen Ausprägungsgraden im Vordergrund.
Persönlichkeitsstörungen
Eine Persönlichkeitsstörung liegt vor, wenn ein Mensch durch seine Persönlichkeit sich selbst in seiner sozialen Stabilität und seinem Wohlbefinden und/oder seine Umgebung massiv beeinträchtigt. Persönlichkeitsstörungen entwickeln sich in der Regel bereits in der frühesten Kindheit und Jugend. Oft wird die Fähigkeit, Gefühle bei sich und/oder anderen wahrzunehmen, zu unterscheiden und kontrollieren zu können, wenig oder gar nicht ausgebildet. Es sind tief verwurzelte Fehlentwicklungen im Denken, Erleben und Verhalten eines Menschen und in seiner Fähigkeit, eigene Impulse zu kontrollieren. Häufig sind schwierige Familiensituationen oder schwere Traumatisierungen wie sexueller Missbrauch Ursache dieser Entwicklung. Persönlichkeitsstörungen sind nur bedingt medikamentös und vorwiegend langjährig psychotherapeutisch zu behandeln.
Persönlichkeitsstörungen treten in unterschiedlichen Formen auf. Im Maßregelvollzug relevant sind vor allem die dissoziale Persönlichkeitsstörung, die emotional instabile Persönlichkeitsstörung, die narzisstische Persönlichkeitsstörung und die Störung der Sexualpräferenz bzw. Paraphilie.
Suchterkrankungen
Unter Sucht versteht man das unbeherrschbare Verlangen, den zwanghaften Drang eines Menschen, regelmäßig eine bestimmte Substanz (z. B. Alkohol, Drogen, Medikamente) zu konsumieren oder eine bestimmte Tätigkeit (z. B. Glückspiel) wieder auszuführen, obwohl sich dadurch die Person selbst und/oder andere schädigt. Es gibt nicht die Ursache für Suchtverhalten. Im Grunde verfügt jeder Mensch über "süchtige" Anteile. Bei den Menschen, bei denen sie zur Sucht führen, spielen vor allem psychische und soziale Bedingungen eine Rolle, ebenso wie Erziehung, Kindheitserfahrungen, Persönlichkeit und Veranlagung. Keine Person wird plötzlich süchtig. Vielmehr entwickelt sich Abhängigkeit nach und nach, über mehrere Stadien: Die positiven Wirkungen eines Suchtmittels werden genutzt. Es entsteht Missbrauch : Gewohnheit : schließlich psychische und/oder körperliche Abhängigkeit (Suchterkrankung). Bei Wegfall des Suchtmittels können körperliche und psychische Entzugssymptome, die von der Art des Suchtstoffes, der gewohnten Dosis und persönlichen Faktoren abhängig sind, entstehen. Starkes Schwitzen, Frieren, Zittern, Kopfschmerzen, körperliche und innere Unruhe, Störungen der Konzentration und Auffassung, Reizbarkeit, depressive Verstimmungen, Schlafstörungen sind einige dieser Entzugssymptome. Bei langdauerndem Konsum können zudem u. a. Organschäden (Leber, Lunge, Magen, Darm, Herz), Hauterkrankungen, Venenentzündungen, Zahnschäden, Nervenschädigungen (Kribbeln in Händen und Füßen, Taubheitsgefühl) entstehen. Im Maßregelvollzug befinden sich alkohol-, drogen- oder medikamentenabhängige Patienten/Patientinnen, wobei nicht selten eine Polytoxikomanie, d. h. eine Abhängigkeit von mehreren verschiedenen Suchtstoffen, z. B. Drogen und Medikamente, vorliegt. Bei den illegalen Drogen stehen Substanzen mit sehr unterschiedlichen Suchtpotentialen wie Heroin, Kokain, LSD, Cannabis und Ecstasy im Vordergrund. Neben der Suchterkrankung finden sich bei den Patienten/Patientinnen häufig weitere psychische Erkrankungen wie Persönlichkeitsstörungen, Psychosen (z .B. Depression und Schizophrenie) und Neurosen (z. B. Angststörungen). Eine erfolgreiche Behandlung und Rehabilitation dient der Wiedereingliederung der Patienten und Patientinnen in die Gesellschaft und sie stellt einen wirksamen Schutz und Sicherheit der Bevölkerung dar.
Sitemap
Die Sitemap gibt Ihnen einen Überblick über den Internetauftritt der LWL-Maßregelvollzugsabteilung Westfalen.
Kontakt zur LWL-Maßregelvollzugsabteilung Westfalen
Schreiben Sie uns an die angegebene Adresse oder senden Sie uns eine Nachricht
