Beginn des Inhalts/Link zum Seitenanfang|
Link zur Seitennavigation|
Link zum Inhalt
Maßregelvollzug
Affektive Psychosen (Depression, Manie, manisch-depressive Erkrankung)
Depressionen gehören bei unterschiedlicher Erscheinungsform und unterschiedlichem Ausprägungsgrad zu den häufigsten psychischen Erkrankungen. Unter den Diagnosen im Maßregelvollzug spielen sie dagegen nur eine untergeordnete Rolle. Hauptsymptome sind eine gedrückte Stimmung, Interessenverlust, allgemeine Freudlosigkeit und eine Verminderung des Antriebs. Es lassen sich vielfach eine verminderte Konzentrationsfähigkeit, ein eingeschränktes Selbstwertgefühl, Schlafstörungen sowie Suizidgedanken und auch Suizidhandlungen feststellen. In einem gewissen Anteil der Depressionen treten mehr oder weniger ausgeprägte Wahnsymptome auf (zum Beispiel Versündigungswahn, Verarmungswahn usw.), bei einem weiteren Anteil depressiver Erkrankungen ist neben den beschriebenen Symptomen eine manische Komponente feststellbar. Hierbei ist eine deutliche Steigerung des Antriebs feststellbar, wobei in extremen Fällen die Störung ein Ausmaß annehmen kann, bei dem der Betroffene überbordend und zum Teil für seine Umwelt als sehr schwer erträglich erlebt wird. Manische Phasen sind häufig geprägt von totaler Selbstüberschätzung, Größenwahn und hektischen Aktivitäten, die aber nie zu Ende gebracht werden. Bei manisch-depressiven Patienten pendelt der Gemütszustand zwischen der Depression und der Manie hin und her.
Ebenso wie bei der Schizophrenie bleibt festzuhalten, dass depressive Erkrankungen durch mehrere Faktoren bedingt sind. Von einer Kombination des Anlage/Umwelt–Geschehens ist daher auszugehen. Zur Behandlung von Depressionen eignen sich Medikamente, die sogenannten Antidepressiva. Darüber hinaus sind häufig psychotherapeutische Verfahren sinnvoll. Sehr wichtig bei der Behandlung dieser Erkrankung ist die soziale und psychische Unterstützung durch Angehörige, Freunde und Partner.
Schizophrenie
Im Maßregelvollzug spielt die Schizophrenie eine große Rolle. Auch allgemein tritt die Schizophrenie vergleichsweise häufig auf: ca. 1% der Bevölkerung weltweit erkranken im Laufe ihres Lebens daran. Die Ausprägung der Schizophrenie variiert: sie kann leicht sein oder schwer, akut und traumatisch, aber auch langsam schleichend und kaum wahrnehmbar. Die Symptome sind vielfältig: Sie umfassen Denk- und Sprachstörungen, wie zum Beispiel Unkonzentriertheit, Wahnvorstellungen, Wahrnehmungsstörungen wie zum Beispiel Halluzinationen, Stimmungsschwankungen und Ich-Störungen. Von Ich-Störungen spricht man, wenn sich jemand von Außenkräften gesteuert und beeinflusst fühlt. Häufig kapseln sich Betroffene immer mehr ab, leben in einer eigenen Wirklichkeit, hören möglicherweise Stimmen, die es nicht gibt, und nehmen ihre Umgebung als zunehmend bedrohlich und feindselig wahr. Patienten, die an einer Psychose leiden, sind häufig nicht in der Lage, ihren Zustand als Erkrankung zu begreifen. Da eine schizophrene Psychose fast immer mit einer Hirn-Stoffwechsel-Störung einhergeht, lassen sich die Symptome deutlich positiv durch Neuroleptika (Medikamente, die das gestörte Gleichgewicht zwischen den Botenstoffen im Gehirn wieder herstellen) beeinflussen. Weitere wichtige Hilfen sind soziotherapeutische Maßnahmen oder eine psychotherapeutische Begleitung.
Eine besondere Form der Schizophrenie ist die Paranoia, bei der Wahnvorstellungen die einzige beziehungsweise wesentliche Auffälligkeit sind. Wahnideen werden vom Wahnkranken mit großer Gewissheit vertreten, obwohl es keine reale, objektive Berechtigung dafür gibt. Häufig kreisen Wahnideen um Themen wie Liebe, Eifersucht, Bedeutungserleben, Beobachtung, Bedrohung, Verfolgung, Vergiftung, Versündigung, Minderwertigkeit oder Größe. Die Wahnvorstellungen verschwinden meistens mit der erfolgreichen Behandlung der psychiatrischen Grunderkrankung mit Neuroleptika. Eine Psychotherapie kann helfen, die Wahnerlebnisse zu verarbeiten.
|Zum Seitenanfang|