Zwischen Delikt und Diagnose

Krankheit als Ursache für die Tat

Im Maßregelvollzug werden Straftäter behandelt, die aufgrund einer psychischen Krankheit oder einer Suchterkrankung nicht oder nur teilweise für ihre Tat verantwortlich gemacht werden können. Die Patienten leiden unter Psychosen (Wahrnehmungsstörungen) oder Persönlichkeitsstörungen, sind alkohol-, medikamenten- oder drogenabhängig.

Ursachen hierfür liegen häufig bereits in der Kindheit des betroffenen Patienten und haben einen Zusammenhang mit frühen Gewalterlebnissen, zerrütteten Familiensituationen und allgemein schwierigen Sozialisationsbedingungen. Auch hirnorganische Störungen sind mitunter Ursachen für eine fehlende strafrechtliche Verantwortlichkeit.

Manche Patienten sind aufgrund einer intellektuellen Minderbegabung nicht in der Lage, das Unrecht ihrer Tat zu erkennen. Sie sind in ihrer geistigen Leistungsfähigkeit von Geburt an oder durch äußere Einwirkung wie beispielsweise einen Verkehrsunfall mit Schädelhirntrauma erheblich eingeschränkt.

Die Bandbreite der begangenen Delikte ist sehr groß: Sie reicht von Beschaffungsdiebstählen über Brandstiftung bis hin zu schweren Körperverletzungen und Tötungsdelikten. Sexualstraftaten machen etwa ein Viertel aller Einweisungsdelikte aus, wobei das Spektrum von Exhibitionismus bis zur Vergewaltigung reicht.

Der Anteil von weiblichen Patienten im Maßregelvollzug ist sehr gering - er liegt zwischen drei und fünf Prozent.