Qualifizierte Therapie erfordert qualifiziertes Personal
Die Anforderungen an die Beschäftigten in den Kliniken des Maßregelvollzuges sind in den letzten Jahren und Jahrzehnten komplexer und anspruchsvoller geworden. Gleichzeitig ist qualifiziertes Personal die wichtigste Voraussetzung für eine erfolgreiche Therapie von forensischen Patienten. Unbestritten stellt daher die hohe fachliche Qualifikation aller Beschäftigten eine der wichtigsten Ressourcen dar, um den Behandlungsauftrag der Besserung und Sicherung im Maßregelvollzug sicherzustellen.
Durch das am 01.12.2011 gestartete Projekt 'Modulare Weiterbildung: „Handlungskompetenz in der Forensischen Psychiatrie“', ein Teilprojekt des LWL-Projektes „Kompetenznetz Psychiatrie“, welches vom Europäischen Sozialfonds und dem Bundesministerium für Arbeit und Soziales gefördert wird, wird fortlaufend ein Fortbildungsprogramm entwickelt und anschließend implementiert.
Mit diesem Fortbildungsprogramm bietet der LWL nicht nur für alle neuen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eine qualifizierte Einarbeitung, sondern ermöglicht auch erfahrenen Beschäftigten die Möglichkeit, sich weiter zu entwickeln und neue Erkenntnisse in die berufliche Praxis zu integrieren. Daher sind die Fortbildungen und Qualifizierungsmaßnahmen so strukturiert, dass sie einen regelhaften Transfer wissenschaftlicher Erkenntnisse in die Praxis sicherstellen. In den jährlichen Mitarbeitergesprächen mit der jeweiligen vorgesetzten Dienstkraft wird der Fortbildungsbedarf individuell abgestimmt und vereinbart. Des Weiteren sind die wie auch in anderen gesellschaftlichen und beruflichen Bereichen zu erwartenden demographischen Veränderungen in der Belegschaft Thema des Fortbildungsangebotes.
Darüber hinaus fördert der LWL-Maßregelvollzug Beschäftigte des Pflege- und Erziehungsdienstes, das Bachelorstudium „Psychiatrische Pflege/Psychische Gesundheit“ an der Fachhochschule der Diakonie Bielefeld zu absolvieren. Dieser Studiengang ergänzt das Fortbildungsangebot im LWL-Maßregelvollzug in geeigneter Weise.
Im Maßregelvollzug werden Menschen behandelt, die aufgrund einer psychischen oder Suchterkrankung eine Straftat begangen haben. Solange die Erkrankung als Ursache für die Tat nicht therapiert wird, stellen diese Menschen weiterhin ein Sicherheitsrisiko dar. Innerhalb der umfangreichen Sicherheitsmaßnahmen einer Maßregelvollzugklinik bietet eine qualifizierte Therapie den nachhaltigsten Schutz für die Bevölkerung. Langfristiges Ziel ist es, den Patienten zu einem straffreien Leben zu befähigen und ihm ein möglichst eigenständiges Leben innerhalb der Gesellschaft zu ermöglichen. Wenn dieses Ziel mit den derzeitigen therapeutischen Möglichkeiten nicht zu erreichen ist, verbleibt der Auftrag der Sicherung des Patienten in der forensischen Klinik.
Häufig ist bei Maßregelvollzugspatienten die Beziehung zu anderen Menschen gestört. Diese Beziehungs- und Verhaltensstörungen müssen in der Therapie erkannt und bearbeitet werden, bevor es zu einer Veränderung kommen kann. Daher sind die Anforderungen an die qualifizierte Behandlung sehr hoch. Insbesondere der Aufbau einer professionellen therapeutischen Beziehung zwischen Patienten und Personal ist von entscheidender Bedeutung: Viele Patienten machen hier das erste Mal die Erfahrung einer stabilen Beziehung zu einer Bezugsperson, die ihnen Orientierung bietet.
Grundsätzlich kommen verschiedene Therapieformen und -maßnahmen zum Einsatz, die sich ergänzen. Eine Orientierung an wissenschaftlichen Standards und die regelmäßige Überprüfung der eigenen Praxis durch Qualitätssicherung und fachlichen Austausch mit anderen Institutionen ist dabei selbstverständlicher Bestandteil der Arbeit an LWL-Kliniken. Die Mitarbeiter/innen aus den unterschiedlichen Berufsgruppen tauschen sich regelmäßig aus, beraten und bewerten die einzelnen Fälle. Dieser Austausch und die Zusammenarbeit sind von besonderer Bedeutung, da jeder Mitarbeiter die Patienten aus einem anderen Blickwinkel wahrnimmt und beurteilt. Nur durch diese Berufsgruppen übergreifende Zusammenarbeit ist eine angemessene und vollständige Wahrnehmung und Beurteilung des einzelnen Patienten möglich.