Leitbild der LWL-Maßregelvollzugsabteilung Westfalen und der LWL-Maßregelvollzugskliniken

Maßregelvollzug für die Gesellschaft

Der gesetzliche Auftrag des Maßregelvollzuges der Besserung und Sicherung dient dem Schutz der Allgemeinheit vor psychisch kranken und suchtkranken Tätern, von denen die Gefahr erneuter schwerer Straftaten ausgeht. Die differenzierte am jeweiligen wissenschaftlichen Kenntnisstand orientierte Diagnostik, Therapie und Gefährlichkeitsprognose bilden die Grundlage für die erfolgreiche gesellschaftliche Eingliederung und ein straffreies Leben dieser Menschen. Ist keine Behandlung möglich, so verbleibt der Auftrag der zuverlässigen Sicherung. Der Maßregelvollzug bietet die besten Voraussetzungen dafür, dass die Entstehungsbedingungen gefährlichen Verhaltens zuverlässig aufgeklärt und daraus wirksame Vorbeugungsmaßnahmen abgeleitet werden können. Der klar normierte Auftrag des Gesetzgebers, Sicherheit vor allem durch Therapie zu erreichen, ist nur mit Unterstützung der Gesellschaft und nicht gegen die Gesellschaft möglich. Maßregelvollzug ist aber angstbesetzt. Wir nehmen die Angst der Bürger/innen ernst. Wir bekämpfen sie nicht oder wir versuchen nicht, sie wegzudiskutieren, sondern wir sehen uns in einer besonderen Verpflichtung, offen und verlässlich über Möglichkeiten und Grenzen unserer Arbeit zu informieren, auf die Bürger/innen zuzugehen und Voraussetzungen für einen vertrauensbildenden Dialog zu schaffen. Dazu gehört, dass die kranken Täter mit ihren Persönlichkeiten und Biographien für die Bürger/innen als Menschen, die Teil unserer Gesellschaft sind, erfahrbar werden. Diese Öffentlichkeitsarbeit muss Teil eines Ganzen sein, d.h. sie ist in ein Akzeptanzprogramm zu integrieren, mit dem nachvollzogen werden kann, dass notwendige Verbesserungen z.B. beim Opferschutz, im Gutachtenwesen, bei den standortspezifischen, personellen und räumlichen Rahmenbedingungen des Maßregelvollzuges durch gemeinsame Anstrengungen der Verantwortlichen Schritt für Schritt erreichbar werden. Mit der Justiz und der Polizei arbeiten wir verlässlich und vertrauensvoll zusammen.

Qualitätsmanagement als Führungsaufgabe

In unserer Verantwortung gegenüber der Gesellschaft, den uns anvertrauten psychisch kranken und suchtkranken Tätern sowie den Mitarbeiter/innen sehen wir uns zur kontinuierlichen Überprüfung unserer Vollzugspraxis durch interne und externe Qualitätskontrolle verpflichtet. Kommunikation und Zusammenarbeit unserer Mitarbeiter/innen bieten Orientierung für den sozio- und milieutherapeutischen Lernprozess der Patienten. Durch Personalentwicklung und ein ausreichendes Angebot an Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten einschl. interner und externer Supervision stellen wir uns den hohen Anforderungen des Maßregelvollzuges. Unsere Führungsentscheidungen machen wir für die Mitarbeiter/innen transparent und damit nachvollziehbar. Unsere Behandlungs- und Wiedereingliederungspraxis entwickeln wir kontinuierlich weiter und passen sie dem aktuellen Wissens- und Erfahrungsstand an, indem wir einen regelmäßigen fachlichen Austausch mit anderen Maßregelvollzugskliniken, Lehr- und Forschungseinrichtungen pflegen, die Ergebnisse offen legen und zur Diskussion stellen. Mit den uns zur Verfügung gestellten finanziellen Ressourcen gehen wir sparsam und wirtschaftlich um. Für notwendige Verbesserungen treten wir gemeinsam ein.

Die Leitsätze haben Träger und Kliniken gemeinsam im Jahr 2000 formuliert und im Jahr 2008 aktualisiert.

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